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Wikinger-Mäuse

 
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George



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BeitragVerfasst am: 12.10.2008 10:22    Titel: Wikinger-Mäuse Antworten mit Zitat

Einen überraschenden Ansatz zum Nachweis der Kolonisierungsgeschichte der norwegischen "Wikinger" um die Britischen Inseln und im Nordatlantik findet sich auf Jens-Kjeld Jensens Webseite http://www.jenskjeld.info/UK_side/indexuk.htm.
Jens-Kjeld hat nämlich einige Kilo einheimischer Mäuse für ein Forschungsprojekt abgegeben.
Nun wissen Färöer-Interessierte seit langem, daß die Inseln - neben vielen anderen Besonderheiten - auch eigene Hausmaus-Arten aufweisen, bspw. die färöische Mykines-Hausmaus.
Neu ist, daß Hausmäuse mit gentechnischen Methoden als Marker für die menschlichen Wander- und Siedlungsgeschichte genutzt werden können. Hausmäuse sind nämlich, im Gegensatz zu den "wild" lebenden Waldmäusen, an menschliche Siedlungen gebunden. Sie sind geschichtlich etwa zeitgleich mit den Schafen um ca. 8000 v.Chr. aus dem nahen Osten nach Europa mit eingewandert bzw. mitgebracht worden. In England sind diese Mäuse ca. 1000 v.Chr. angekommen, - interessanterweise (auch) aus Deutschland. Im Norden der Britischen Inseln, insbesondere auf den Orkneys dominieren heute jedoch Hausmäuse, die offensichtlich von den norwegischen "Wikingern" mitgebracht worden waren. Nachzulesen in "Of mice and (Viking?) men: phylogeography of British and Irish house mice" auf http://www.jenskjeld.info/artikler/mus.pdf.
Die Autoren geben auch an, wozu auch Jens-Kjeld's Mäuse dienen sollen:
Zitat:
An obvious use of the Orkney mouse lineage as a marker for the Norwegian Vikings is that we may be able
to help confirm their activities outside the British Isles. Fine-scale genetic analysis of house mice has the potential to reveal precise cultural associations within the former Norwegian Viking kingdom including Faroe, Iceland, Greenland and Newfoundland.We are currently conducting research in these directions (E. P. Jones & J. B. Searle 2008, unpublished data).

Ich finde es ganz bemerkenswert, daß die "Wikinger"-Gene der unbeabsichtigt mitgebrachten ursprünglichen Hausmaus-Population auch auf den Färöern noch vorhanden sind, während die "echten" Haustiere, wie z.B. die Schafe aus wirtschaflichen Gründen bis zur Unkenntlichkeit globalisiert worden sind.
Die bisherigen Untersuchungen zur "Wikinger"-Mäuse-Historie brachte durchaus überraschende Ergebnisse: bspw. scheint über die Hausmaus-Gene der Nachweis zu führen sein, daß Wikinger die Insel Madeira vor den Portugiesen entdeckt bzw. besucht hatten.
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d.w.



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BeitragVerfasst am: 12.10.2008 17:04    Titel: Antworten mit Zitat

Dass die Wikinger lange vor den Portugiesen die Insel Madeira erreicht haben können, erscheint mir keineswegs undenkbar.
Las übrigens erst neulich in einer färöischen Zeitung, dass laut neuesten Forschungsergebnissen Wikinger wahrscheinlich schon vor dem legendären "Erik dem Roten" Nordamerika erreicht haben.
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George



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BeitragVerfasst am: 12.10.2008 18:23    Titel: Antworten mit Zitat

d.w. hat Folgendes geschrieben:
Las übrigens erst neulich in einer färöischen Zeitung, dass laut neuesten Forschungsergebnissen Wikinger wahrscheinlich schon vor dem legendären "Erik dem Roten" Nordamerika erreicht haben.

Ich bin sehr neugierig, welcher näheren Angaben es für diese Vermutung gibt.
Amerika wurde allerdings nicht vom notorischen Totschläger Erik Thorwaldsson, genannt „der Rote“, sondern von dessen Sohn Leif „entdeckt“, der den Berichten des isländischen Kaufmanns Bjarni Hjerlufson folgte, den es 996 durch schlechtes Wetter dorthin verschlagen hatte.
Nach Island war sein Vater Erik als „Spätaussiedler“ gekommen, denn Island war zur Zeit der Ankunft Erik’s bereits ein volles Jahrhundert von „Wikingern“ besiedelt. Der Besiedelung Islands waren geplante und ungeplante Erkundungsfahrten u.a. von den Färöern vorausgegangen. Die Isländer selbst fuhren ebenfalls zur See. Sicher ist, daß lange vor Erik Fahrten in den Westen durchgeführt worden waren. Nach Grönland ist er nicht „ins Blaue“ gefahren, sondern ist den Berichten des Isländers Gunbjörn gefolgt.
Es gibt also keinen Grund, Amerika-„Entdecker“ vor Leif auszuschließen, außer daß es bislang keine stichhaltigen Belege gibt.
Aber vielleicht finden die Genetiker bald Wikingermäuse im Indianerland Very Happy
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George



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BeitragVerfasst am: 15.05.2010 17:49    Titel: Antworten mit Zitat

Das o.a. Forschungsprojekt an den färöischen Mäusen ist in vollem Gange und findet in... Deutschland statt! Genauer gesagt in dem noch sehr jungen Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön.

Ich habe Dr. Yingguang Frank Chan, der speziell an diesem Färöer-Projekt arbeitet und auch vor Ort geforscht hat, angeschrieben und eine freundliche Antwort mit der Ankündigung ausführlicher Informationen erhalten, über die ich das Forum und den DFF gerne informieren werde.

Dr. Chan seinerseits würde sich freuen, wenn jemand von uns am 29. Mai am Tag der offenen Tür seines Instituts in Plön teilnehmen möchte, wo dieses Projekt ausführlich vorgestellt wird.
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George



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BeitragVerfasst am: 01.09.2011 16:58    Titel: Antworten mit Zitat

In einem ganz anderen Zusammenhang bin ich gerade auf eine Erklärung der Untersuchung an färöischen Mäusen bei der Volkswagenstiftung gestoßen, - die unterstützt nämlich diese Arbeit mit €165.000.

Aus einer Presse-Erklärung der Volkswagenstiftung:

Zitat:
Das Geheimnis der Riesenmäuse

Inseln spielen in der Geschichte der Evolutionsbiologie eine ganz besondere Rolle: Schließlich waren es unter anderem die Finken auf den Inseln des Galapagos-Archipels, die Charles Darwin zur Formulierung seiner Evolutionstheorie inspirierten. Tatsächlich gelten Inseln als natürliche Laboratorien der Evolution, weil sie auf engstem Raum kleine Gruppen von Organismen geographisch voneinander trennen, die sich in der Folge verschiedenartig weiterentwickeln. Zwei Effekte, die sich im Zusammenhang mit genetischer Anpassung auf Inseln beobachten lassen, sind Gigantismus und Verzwergung. Während große Säugetiere über viele Generationen hinweg auf Inseln eine deutliche Abnahme ihrer Körpergröße zeigen, wie zum Beispiel der Borneo-Zwergelefant, neigen kleine Nagetiere hingegen zu Riesenwuchs. Auf der Gough-Insel im Süd-Atlantik ist eine Mauspopulation inzwischen so groß, dass sie Albatros-Küken angreift. Der Forscher Yingguang Frank Chan, Ph.D., macht sich nun im Rahmen seiner zweijährigen Postdoktorandenförderung am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön daran, das Geheimnis der Riesenmäuse zu lüften. Der Titel seines Projekts lautet „(re)Tracing the genetics of adaptation - parallel size increases of house mice on islands”. Die VolkswagenStiftung unterstützt seine Arbeit mit 165.000 Euro.
Über die genetischen Grundlagen von Anpassungsmechanismen wie dem Insel-Riesenwuchs ist bislang wenig bekannt, bisherige Forschungsansätze sind zumeist auf die statistische Analyse historischer Ereignisse beschränkt. Mäuse im Zusammenhang mit Gigantismus eignen sich für Yingguang Frank Chan besonders gut dafür, diese Wissenslücke zu füllen. Zum einen wurde dieser Effekt bei Mäusen mehrfach unabhängig voneinander beobachtet, zum anderen kann er unter kontrollierten Bedingungen im Labor künstlich repliziert werden. Chan wird im Rahmen seiner Arbeit zunächst eine Population von Labormäusen untersuchen, die bereits seit 1975 über 134 Generationen hin- weg zu Riesenwuchs gezüchtet wurden. Mithilfe einer genetischen Kartierungsmethode sollen die Veränderungen im Erbgut, die zum Riesenwuchs führten, identifiziert werden. In der Folge wird die gleiche Methode bei einer Riesenmauspopulation von den Färöer-Inseln angewandt. Schließlich werden die Ergebnisse der „natürlichen“ mit den „künstlichen“ kleinen Giganten verglichen. So erhofft sich Chan eine Antwort auf die Frage, ob die genetische Anpassung/Veränderung als Reaktion auf den Selektionsdruck (Größer-Werden ist ein Vorteil) einem vorhersagbaren Weg folgt und welche Gene beziehungsweise Mutationen dabei bevorzugt werden.

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