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Gab es deutsche Pläne für eine Besetzung der Färöer?
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Arne



Anmeldedatum: 17.08.2005
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Wohnort: Kiel

BeitragVerfasst am: 27.04.2009 21:01    Titel: Antworten mit Zitat

Klaus hat Folgendes geschrieben:
Das hatte ich mir fast gedacht. Ursprünglich wollte man ja Lebensraum im Osten schaffen - wo Land und fruchtbarer Boden ist. Alles 3 trifft auf die Färöer ja nicht zu.


Eigentlich ging es darum, die Juden auszurotten, und die Sowjetunion zu zerschlagen. Hitler wollte dabei einen Zweifrontenkrieg vermeiden und ging eigentlich von einem Bündnis mit England aus (Engländer sind ja Germanen, ebenso die Skandinavier). Gut, das ist dann ja anders gelaufen mit dem bekannten Ergebnis.

Dass die Vernichtung der Juden auch ein lohnendes Geschäft war, und die Eroberung des Ostens auch zur Landnahme genutzt wurde, liegt in der Natur des Krieges. Aber der Antisemitismus selbst war nicht aus Landnot entstanden, sondern aus Fremdenfeinlichkeit und religiösem Wahn.

Die Lebensraum-Vorstellung ging einfach davon aus, dass eine Welt ohne Juden ja nunmehr vom Arier beherrscht ist (Slawen sind in diesem Fall ein Hilfsvolk, welches man nicht ausrotten wollte, sondern nur versklaven). Ich denke auch, dass mit der Vorstellung einer Parzelle im Osten viele Mitläufer geködert werden sollten.

Jedenfalls machten die Nazis diesmal nicht den Fehler, die norwegische Fjordküste den Engländern zu überlassen, mit denen man sich ja dummerweise sofort im Krieg befand. Dänemark wurde eigentlich nur besetzt, weil man den Weg nach Norwegen brauchte. Und Norwegen wurde besetzt, weil man eine Seeblockade umgehen wollte, wie sie im 1. Weltkrieg ziemlich effektiv war.

Oben wurde es ja erwähnt, und als Kaiser Willhelm 1918 endlich seine Flotte auslaufen lassen wollte, sollte das ein Kamikazeunternehmen sein. Die Matrosen rochen den Braten und meuterten. Die Novemberrevolution ging damals von Kiel aus und erreichte drei Tage später Berlin, wo der Kaiser abdanken musste. Das Datum des 9. November 1918 war übrigens Anlass für den Marsch auf die Feldherrrenhalle (Hitlerputsch in München) am 5. Jahrestag 1923, und auch das Novemberpogrom 1938 war der 20. bzw. 15. Jahrestag der beiden vorherigen Ereignisse.

Ich schweife ab, aber es ging Hitler natürlich darum die Ergebnisse des 1. Weltkrieges zu revidieren. Ein ganz zentrales Motiv waren die Sozialdemokraten (oder Bolschewisten), die man zurückschlagen wollte. Sowohl innerhalb als auch außerhalb Deutschlands. Dazu kam dann die antisemitische Rassenideologie von dem Juden als Weltverschwörer, der an all der Schmach schuld sei.

In der NS-Ideologie hatte man ansonsten natürlich gar nichts gegen die Skandinavier, sondern idealisierte sie sogar. Auch von den Färöern wurde als kleinste germanische Nation geschwärmt, und es gab auch einige prominente Färinger, die diese Liebe erwiderten. Da war es ähnlich wie mit den Iren, wo das antienglische Moment natürlich wichtig war, also "der Feind meines Feindes". Analog die antidänischen Gefühle bei den Färingern.

Doch das waren dennoch Ausnahmen. Die meisten Färinger waren natürlich auf alliierter Seite und hatten den Briten sehr viel zu verdanken.

Dass die Färöer nicht von Deutschland besetzt wurden, liegt sicher an ihrer geographischen Lage. Wie soll man die von Norwegen aus gegen die britischen Inseln verteidigen?

Mit Lebensraum hat das jedenfalls nichts zu tun. Auch in Norwegen ging es nicht um Lebensraum, denn folgt man der NS-Rassentheorie, so sind diese Länder doch bereits germanisch besiedelt und brauchen nicht erst erorbert werden.
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George



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BeitragVerfasst am: 28.04.2009 10:45    Titel: Antworten mit Zitat

Die "Lebensraum"-Idee war keine Erfindung der Nazis, - sie haben sie, wie alles andere auch, aus dem Repertoire der Deutschnationalen, des Zentrums, der Alldeutschen und politischen Konsorten bestens entwickelt und gepflegt übernommen. Es ist richtig, daß heute die "Lebensraum"-Politik der Nazis vor allem mit Expansion in den Osten assoziiert wird. Dies verkennt, daß mit "Lebensraum" von Anfang an die Annexion der für den ungehinderten Betrieb einer Weltmacht für notwendig erachteten Gebiete gemeint war.
"Lebensraum" bedeutete auch die Forderung nach "freiem Zugang" zu den Weltmeeren, ohne den sich schon die Kaiserreichs-Elite die Kolonial- und Weltmacht-Träume nicht vorstellen konnte. Tatsächlich war die Hoffnung auf entsprechende Annexionen ein wesentlicher Antrieb für das kaiserliche Deutschland, in den WW1 einzutreten.
Gemzell belegt im o.a. Buch detailliert entsprechende Annexionsforderungen, etwa von Erzberger (Zentrum) unmittelbar nach Kriegsbeginn. Im Blickpunkt stand zunächst die Inbesitznahme der belgischen und französischen Kanalküste als eine "Lebensfrage für unsere Seegeltung". Es gab aber auch früh die Forderung nach einem deutschen Flottenstützpunkt außerhalb der Nordsee, die als "Mausefalle" für die Kriegsmarine bezeichnet wurde.

Und damit sind wir wieder bei den Färöern:

Die von mir oben erwähnte Forderung des Admiralstabs vom 24.12.1916 an den Reichskanzler, die Färöer als Flottenstützpunkt in die Hand zu bekommen, hat einen langen Vorlauf an öffentlicher Lobby-Arbeit und Marine-interner Initiativen.
Zitat:
"Nur von den Färöer Inseln kann es uns gelingen, die Nordseesperre zu beseitigen. Die Färöer Inseln öffnen uns den Weg in den freien Ozean; sie legen im Verein mit Belgiens Küste und den Azoren die erste Bresche in Englands meerbeherrschende geographische Lage."

Die Besetzung Dänemark und in Folge auch Norwegens war ebenfalls die Forderung der Marine bereits früh im WW1 gewesen. Es waren z.T. dieselben Personen, die diese Forderung dann mit der Nazi-Armee umsetzten.

Ich plädiere dafür, den Blick sehr viel stärker auf die konservativen und rechten Kontinuitäten von Reich zu Reich als auf die (Nazi-)Rhetorik zu richten, dann wird auch die (Lebensraum-)Logik deutlicher.
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Arne



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BeitragVerfasst am: 28.04.2009 10:56    Titel: Antworten mit Zitat

Na gut, da will ich nicht widersprechen Wink
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George



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BeitragVerfasst am: 29.04.2009 10:28    Titel: Antworten mit Zitat

Der 76-jährige Seniorchef von HOBUM (Harburger Oelwerke Brinckmann & Mergell) hat mich heute auf meine Archivanfrage hin angerufen und mir versichert, daß nach seiner Kenntnis und nach den Firmenunterlagen die deutsche Projektgruppe auf Lopra keinerlei andere Aufgaben hatte, als die der Öl- bzw. Fettverwertung.
Es sei damals auch um die Verwertung von Seehunden gegangen.
Der Projektleiter, der als authentischer Zeitzeuge hätte berichten können, ist leider vor kurzem verstorben.
Walöl war deshalb u.a. für die Margarineherstellung so wertvoll, weil es vergleichsweise stabil war. Politisches und wirtschaftliches Problem war die Abhängigkeit von den Lieferungen über die viel größere britische Walfangflotte, sodaß in Deutschland sowohl der Ausbau der eigenen Walfangflotte als auch die Verbesserung der Verarbeitung der Rohstoffe im Regierungsauftrag vorangetrieben wurden.
Der westfälische Margarine-Hersteller Rau besaß damals in Verbindung mit Henkel bspw. zwei eigene Walfangschiffe.
Ich sehe keinen Anlaß, an diesen Auskünften zu zweifeln.
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Zuletzt bearbeitet von George am 30.04.2009 09:38, insgesamt einmal bearbeitet
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u.k.



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BeitragVerfasst am: 30.04.2009 09:03    Titel: LOPRA: Der mit einer Färingerin verheiratete Deutsche Antworten mit Zitat

Vielleicht zeigt eines der Fotos in dem Bildbericht von Else ZIMMERMANN-OST in der NEUEN ILLUSTRIERTEN ZEITUNG vom 9. Januar 1936 (Auf Großwalstation Lopra) den damals mit einer Färingerin verheirateten deutschen Arbeiter (siehe oben den ersten Beitrag zu diesem Thema).

Bildunterschrift zu einem der Fotos:

"Walfleisch schmeckt gut. Ein freundlicher deutscher Arbeiter, den wir gerade beim Mittagessen trafen, gab uns Walroulade zu essen.". Neben ihm steht eine ebenfalls essende Frau.

Kopieren des Artikels war leider nicht möglich.
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George



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BeitragVerfasst am: 30.04.2009 09:53    Titel: Re: LOPRA: Der mit einer Färingerin verheiratete Deutsche Antworten mit Zitat

u.k. hat Folgendes geschrieben:
... den damals mit einer Färingerin verheirateten deutschen Arbeiter (siehe oben den ersten Beitrag zu diesem Thema)

Gab es den denn tatsächlich? Ich hatte den Bericht des britischen Kommandeurs erwähnt, der nach der Besetzung keinen einzigen Deutschen auf den Inseln festgestellt hatte. (Und ich hatte eigentlich auf eine Reaktion darauf gehofft...)
Entweder steckt da eine interessante "charming story" dahinter, auf die ich neugierig bin, oder es gab ihn garnicht. Wenn es ihn gab, wird er zweifellos über seine deutsche Herkunft bekannt gewesen sein und es wird irgendwelche Hinweise darauf geben, was aus ihm geworden ist...?
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Erik



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BeitragVerfasst am: 01.05.2009 10:47    Titel: Antworten mit Zitat

Erik: Wir fanden heraus, dass ein Kaufmann aus Tvøroyri Eigentümer der Station war, und dass seine Schwester mit Gerhard Hauptmann, einem Deutschen verheiratet war, der auf der Station in Lopra arbeitete.

Gerhard Hauptmann war in Wirklichkeit ein Däne mit 'deutschem' Namen,
und komt von Kopenhagen. (Quelle, Suðuroy 2009)


Zuletzt bearbeitet von Erik am 01.05.2009 12:01, insgesamt einmal bearbeitet
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George



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BeitragVerfasst am: 01.05.2009 11:27    Titel: Antworten mit Zitat

Erik hat Folgendes geschrieben:
... mit einem Deutschen verheiratet: Gerhard Hauptmann ist däne und komt von Kopenhagen.

Moin Erik!
Habe ich Dich richtig verstanden: Der Deutsche war in Wirklichkeit ein Däne mit 'deutschem' Namen?
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d.w.



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BeitragVerfasst am: 02.05.2009 01:36    Titel: Antworten mit Zitat

George, es gibt eine Menge Dänen mit deutschen Namen, vor allem Nachnamen. Das ist mir schon seit Jahren aufgefallen. Das ist eine Erinnerung daran, dass das Königreich Dänemark früher einmal einen ziemlich großen Gebietsanteil mit deutschsprachiger Bevölkerung hatte. Noch bis 1864 war z. B. (Hamburg-)Altona eine Stadt im Königreich Dänemark.
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Bundin er billeysur maður. (Aktualisierte Fassung eines altbekannten färöischen Sprichworts, gehört im September 2014 von einem Färinger)
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George



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BeitragVerfasst am: 02.05.2009 07:55    Titel: Antworten mit Zitat

d.w. hat Folgendes geschrieben:
...Noch bis 1864 war z. B. (Hamburg-)Altona eine Stadt im Königreich Dänemark.

Zur selben Zeit war Harburg, gegenüber von Altona, der blühende Seehafen des Königreichs Hannover. Dessen einziges "Kriegsschiff" war der Zollkreuzer "Piercer", der den Elbverkehr kontrollierte; damals unter dem "Union Jack" mit dem weißen Niedersachsenpferd im Kreuz, - wegen der Hannoverschen-Britischen Personalunion. (Das Modell steht heute an prominentem Platz im Deutschen Zoll-Museum.) Beide, Altona und Harburg, sind unter die Räder der "glorreichen Zeiten" geraten, denen uns die Preussen und die Hohenzollern dann entgegenführten.

Eine klitzekleine Fußnote dieser Geschichte ist die Legende von Lopra, der Erik nachgegangen ist. Die deutsche Tarnstation vor dem WW2 hat es nie gegeben, - wohl nicht einmal den "deutschen Arbeiter" als typischen Glaubwürdigkeits-Zeugen moderner Märchen.
Aber der historische Kern dieser Geschichte kann entblättert werden: das Streben der Kaiserlichen Deutschen Kriegsmarine im WW1 nach den Färöern als deutschem Hochseeflotten-Stützpunkt.

Ich hätte nie gedacht, daß mich meine Beschäftigung mit den Färöern so oft und intensiv auf die deutsche Militärgeschichte verschlägt.
Mir war in den 80-ern der unvergessene Fischer Heinesen begegnet, dessen Fischkutter 1917 von UC-33 versenkt worden war; mein Meteorologie-Lehrer an der Uni war übrigens ein ehemaliger Wetterflieger, der im WW2 fast täglich die Färöer überflogen hatte. Die färöischen Opfer und Verluste durch deutsches Militär in beiden Weltkriegen waren hoch, und die Namen sind in dieser oft familienähnlichen Community nicht vergessen.
Die modernen Märchen von deutschen WW2-Ubooten in den Färöern und dieses von Lopra scheinen mir ein deutlicher Reflex des kollektiven Bewusstseins dieser Vergangenheit zu sein.
Im ehemaligen Jugoslawien, in den Vogesen, auch in Holland habe ich früher diese Erinnerung weit weniger „märchenhaft“ erlebt.
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George



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BeitragVerfasst am: 06.05.2009 17:44    Titel: Antworten mit Zitat

Für meine o.a. Feststellung „Die deutsche Tarnstation [Lopra] vor dem WW2 hat es nie gegeben“ möchte ich als weiteren Beleg die Untersuchung des schwedischen Wissenschaftler’s Carl-Axel Gemzell anführen:„RAEDER, HITLER UND SKANDINAVIEN – Der Kampf für einen maritimen Operationsplan“, Bibliotheca Historica Lundensis, Lund 1965.

(Falls das Erscheinungsdatum irritieren sollte: die deutschen Marine-Akten waren – anders als die des Heeres und der Luftwaffe – praktisch vollständig erhalten und zu diesem Zeitpunkt auch vollständig zugänglich. (Im Gegensatz zu den britischen Akten, die nach wie vor unter Verschluß gehalten waren.) Dem Autor stand damals auch noch eine Vielzahl an Zeitzeugen für seine Interviews zur Verfügung, wie etwa die ehemaligen Admirale Boehm, Dönitz, Freiwald, Groos, Heye etc. etc.)

Gemzell belegt in seiner Untersuchung akribisch, daß der Chef der Seekriegsleitung, Großadmiral Raeder, bis in die Wortwahl hinein ein „Schüler“ des oben erwähnten Wegener gewesen war. Wegener hatte wie erinnerlich im WW1 den „Marsch an den Atlantik“ gefordert, um im Süden oder Norden von England deutsche Flottenstützpunkte außerhalb der „Mausefalle Nordsee“ zu gewinnen. Von Wegener stammt im WW1 auch die politische Forderung, die Färöer als Hochseeflotten-Stützpunkt zu gewinnen.

Während Raeder die große Linie Wegeners in der Skandinavien-Expansionsstrategie, insbesondere gegenüber Dänemark und Norwegen, bruchlos und entschieden verfolgte, spielten die Färöer bei ihm praktisch keine Rolle mehr.

Sie tauchen überhaupt nur ein einziges Mal in den Unterlagen auf, und zwar im Zusammenhang mit einem „Kriegsspiel“ (= Plan-Übung) der Marineakademie vom Herbst 1936, in dem die Möglichkeiten der französischen Handelskriegsführung an der nördlichen Passage Atlantik-Nordsee behandelt wurde.
Raeder nimmt in einer Rede vom 3.2.1937 zu dieser Übung Stellung:
Zitat:
„Es zeigte sich aber auch, daß die Lage für die deutsche Zufuhr in dem Augenblick äußerst bedenklich geworden wäre, wenn die französ. Flotte sich in diesem Gebiet einen Stützpunkt, etwa auf den Far Oeren, geschaffen hätte. Einer solchen Möglichkeit hätte mit allen Mitteln, u.U. durch eigene, dem Gegner zuvorkommende Besetzung begegnet werden müssen.“
(Gemzell, a.a.O., S.62)

Zu dieser Zeit galt auch in der deutschen Marine die Einsicht, daß es einen Krieg mit Frankreich ohne Kriegseintritt Englands nicht geben konnte, - dieses „Kriegsspiel“ hatte also erkennbar nur Übungscharakter.

In den vorbereitenden Planübungen 1938/39 für einen Seekrieg mit England als Hauptgegner wird die schon frühere Ablehnung Raeder’s noch einmal klar begründet, nämlich warum für die deutsche Seekriegsleitung ein Stützpunkterwerb auf der Inselkette Schottland-Island keinen militärischen Sinn machte: er läge zum einen direkt im britischen Operationsgebiet und wäre zudem nicht nachhaltig zu versorgen gewesen. Raeder’s Ziel war demnach von Anfang an, Stützpunkte an der norwegischen Küste zu erhalten, die diesen Einschränkungen nicht unterlagen.

Dies alles ist vielfach belegt und abgesichert.
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George



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BeitragVerfasst am: 21.09.2011 09:47    Titel: Re: Deutsche in LOPRA ca. 1935-1939 Antworten mit Zitat

(Fehleintrag)
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