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Ein Färöer-Boot in Aurich

 
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George



Anmeldedatum: 16.12.2007
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BeitragVerfasst am: 04.10.2011 18:10    Titel: Ein Färöer-Boot in Aurich Antworten mit Zitat


Dies ist - vermutlich - das einzige Färöer-Boot in Deutschland. Es steht unter einem extra dafür gebauten Schutzdach in Aurich/Ostfriesland. Das vornehmliche Einsatz-Revier sind denn auch die ostfriesischen Inseln.

Es ist ein Seksmannafar, also ein "Sechser"; mit der stattlichen Länge von über 7 m früher das Standard-Fischerboot auf den Färöern.

Das Boot ist vollkommen traditionell gebaut und unterscheidet sich in nichts von den Museumsbooten. Als Konzession an die Verwendung als Freizeitboot wurde ein herausnehmbarer Decks-Boden mit begehbaren Stauräumen in den Bootsenden eingesetzt; diese Flächen dienen auch als Liegeflächen für Übernachtungen im Boot. Eine leicht auf- und abbaubare Zeltpersenning über das gesamte Boot sorgt dann für geräumigen Witterungsschutz.
Das Boot läßt sich trotz der Größe zu zweit, auch solo, gut rudern. Um allerdings bei Wind und in Tidengewässern die Sicherheit bei kleiner Besatzung zugewährleisten, wurde von einem färöischen Bootsbauer, Michael Mueller, nachträglich ein Schacht für einen 6 PS Außenborder eingebaut, so wie es auch auf den Färöern üblich ist.

Trotz der Größe ist das Boot so leicht, daß es als Trailer-Boot ohne Probleme von normalen Mittelklasse-Pkws gezogen werden kann; Slippen ist i.d.R. mit einer Person möglich.

Gebaut wurde das Boot 1992 von Hanus Jensen in Tórshavn/Tinganes. Hanus war weithin bekannt geworden durch den Bau der legendären "Diana Victoria" von Ove Joensen; er ist heute einer der erfahrensten Bootsbauer im Wikingerschiffs-Museum Roskilde.

Die dunkle "Farbe" rührt vom jahrelangen Konservierungs-Anstrich mit der bereits bei den "Wikingern" gebräuchlichen Holzteer-Mischung mit Leinöl und Pflanzen-Terpentin. Der überschüssige, auf dem Holz stehen gebliebene, also nicht eingezogene Anstrich färbt sich bei Wasserkontakt grau-weiß.

Über Winter werden einige Reparatur-Arbeiten durchgeführt, - eine Sitzbank muß ersetzt werden; ab dem Frühjahr ist das Boot wieder einsatzbereit.
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Klaus



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BeitragVerfasst am: 08.10.2011 18:05    Titel: Antworten mit Zitat

Weißt du, wem das Boot gehört und wo er in Auerk (Aurich) wohnt? Das ist ja quasi bei mir in der Nachbarschaft. Smile
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Leben heißt, mehr Träume in seiner Seele zu haben, als die Realität zerstören kann.

Leef nu, niet later!
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George



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Beiträge: 1193
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 08.10.2011 20:04    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, natürlich. Es ist ja mein früheres Boot.
Dann waren wir ja auch quasi bei Dir 'in der Nachbarschaft' segeln gewesen am Wochenende... Cool

Ich suche gerade Kontakt zu Hanus Jensen, der von Roskilde an ein anderes Museum "ausgeliehen" ist, wegen der Reparatur, - nichts Substantielles, Teile des lose eingelegten Decksbodens und eine Sitzbank (die wie alle anderen allerdings fest in den Rumpfverbund eingenietet ist). Erklärung siehe unten.

Danach werden wir sicherlich eine Besuchsmöglichkeit/Vorführung organisieren; für die Olavsøka-RuderCrew 2013 sowieso.
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zur Sitzbank:
Es handelt sich um Teile, die aus praktischen Gründen nicht mit der üblichen und wirkungsvollen Holzteer-Mischung geschützt worden waren, - man muß ja darauf sitzen können, ohne anzukleben -, und die unserem Klima wohl nicht so gut standgehalten haben wie dem färöischen.
Ich habe die Färöer-Boot Konstruktion hier im Forum einmal im Vergleich zum Shetland Sixareen beschrieben, - das ist für das Verständnis besser als noch so gute Monografien:
Zitat:
Die Sitzbänke/Ruderbänke taft sind eingesetzt, färöisch: bekkur. Sie sind die einzigen Holzteile, die nicht geteert werden.
Bei diesen Bänken zeigt sich ein wesentlicher konstruktiver Unterschied der zwei Boots-„Cousins“:
Beim Shetland-Boot dienen die Bänke zum Sitzen; sie werden mit jeweils einer Nut auf zwei gegenüberliegende Spanten positioniert, und können somit wieder herausgenommen werden.
Wenn man die Färöer-Sitzbank herausnehmen will, muß man das Boot zerlegen.

Auf dem bekkur kann man natürlich genauso gut sitzen, aber da beim Färöer-Boot auf den gesamten versteifenden Unterbau verzichtet wurde, übernehmen die Bänke diese Aufgabe und werden dazu mittig mit einem snælda unterstützt (bei großen Booten, z.B. tíggumannafar auch zwei solcher Stützen). Der snælda verbindet die Sitzbank mit dem Bodenspant, dem fláband. Der snælda ist übrigens eines der ganz wenigen Teile am Färöer-Boot, das durch Säulenform und eingeschnitzte Quermuster verziert wird (meistens).
Die Sitzbank wird mit dem Rumpf durch massive aufgesetzte Holzknie toftuknæe verbunden (genauer: mit dem Dollbord stokkur und dem obersten Plankengang rim, mit dem zweiten Plankengang von oben, dem remmubord, ist die Bank über die Verstärkungsleiste remma verbunden.

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George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1193
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 14.10.2011 10:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hier sind noch zwei Ansichten vom Sommer diesen Jahres, auf denen etwas mehr vom Boot zu sehen ist, als unter dem Schuppendach.





Die 6 Riemen stellten früher den Hauptantrieb dar. Das Tempo beim Mannschafts-Rudern ist unter den allermeisten Bedingungen höher als beim Segeln. Als Freizeitboot eingesetzt wird das Segel natürlich vorgezogen.
Beim Segel handelt es sich um die lugger-förmige Abänderung des früheren ("Wikinger"-)Rahsegels, d.h. das Segel ist asymmetrisch und hat eine definierte Vorderkante. Es kann damit - in Grenzen ähnlich - per Schot gefahren werden wie ein Gaffelsegel.

In der Flächengröße ist das Segel deutlich kleiner als bei den in Roskilde (Wikingerschiffs-Museum) vergleichbaren Booten der Kontinent-Küsten, bei denen es mangels riesenhafter Klippenwände wie auf den Färöern keine Fallwind-Gefahr gibt. Das färöische Segel reicht dennoch allemal aus, um das Boot vor dem Wind zum Singen zu bekommen.ei
Das "Singen" ist wörtlich gemeint: ab einer bestimmten Geschwindigkeit gerät das Boot förmlich ins Gleiten und erzeugt einen Vibrationston; durch die Kanten der geklinkerten Planken wird zudem Luft unter den Rumpf geleitet, die hinter dem Boot als breite Blasenspur im Kielwasser verbleibt, - ein sehr eindrucksvolles Bild.

An unserer Küste gefahren, kann man in aller Regel auf einen Motor verzichten und hat das ungetrübte traditionelle Erlebnis dieses kleinen Hochsee-Fahrzeugs.
Im Binnenland ist oftmals ein Motor unverzichtbar, - dazu reicht ein kleiner 2PS Außenborder an einer mobilen Seitenhalterung aus. In den starken Strömungen der Färöer ist ein stärkerer und besser geschützter Motor angebracht, - daher der deutlich sichtbare Einbau-Schacht für einen 6PS-Motor.
Mit einiger örtlicher Erfahrung mag man als Traditionalist auf diese Motorisierung verzichten; wir hatten trotz vieler Seekajakfahrten dort diese Erfahrung nicht, und sind mehrere Male in Sitationen gekommen, in denen wir auf die volle Leistung des Motors angewiesen waren.
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