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Skarð

 
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Anne



Anmeldedatum: 08.01.2007
Beiträge: 666
Wohnort: Hirstein

BeitragVerfasst am: 23.12.2013 17:33    Titel: Skarð Antworten mit Zitat

Heute vor 100 Jahren ereignete sich das Unglück, das letztendlich dazu führte, daß Skarð auf der Insel Kunoy verlassen wurde.

Die Geschichte von Skarð ist jung, verglichen mit der Besiedelung der Färöer. Erste Berichte über eine Siedlung gehen zurück auf das Jahr 1584. Menschen haben dort also nur ungefähr 450 Jahre lang gelebt.

Für uns heutige Menschen, die abhängig von Elektrizität und Internet sind, ist es schwer vorstellbar, wie es gewesen sein mag, an einem solch abgelegenen Ort zu leben. Die einzige Möglichkeit, um zum Dorf zu gelangen, war entlang der Küste von Haraldssund aus oder über den Berg nach Kunoy. Schaut man den Berg hinauf, scheint es unmöglich zu sein, dort hinüber zu gehen, doch das ist tatsächlich der Weg, den die Erwachsenen am Sonntag nahmen, um in die Kirche nach Kunoy zu kommen. Und natürlich wat es auch möglich, mit dem Boot hierher zu kommen. Aber da es keine guten Möglichkeiten zum Anlanden gibt, war dies bei hohem Seegang sicher sehr schwierig.
Neben der Fischerei gab es natürlich auch Schafe, um die man sich kümmern mußte. Vielleicht auch eine oder zwei Kühe, die Milch lieferten. Und die Leute haben sicher im Sommer Kartoffeln angebaut.

1913 lebten 23 Menschen in Skarð. Der älteste war 82 und der jüngste 1 Jahr alt. Von diesen 23 waren 13 Erwachsene im arbeitsfähigen Alter, 7 von ihnen waren Männer. Und es waren diese 7, die für alle Einkünfte des Dorfes aus der Fischerei verantwortlich waren.

Die Katastrophe, die zum Ende von Skarð führen sollte, ereignete sich am 23. Dezember 1913. Wie üblich fuhren die Männer am Morgen in einem kleinen Boot hinaus um zu fischen. Zwei Boote von Norðdepil und Kunoy fuhren ebenfalls raus. Aber das Wetter änderte sich schlagartig und starke Winde bliesen aus Nordost. Als die Boote am Abend nicht zurückkehrten, wurde Alarm gegeben. Aber zu dieser Zeit gab es natürlich keine Radios, um die Nachricht zu verbreiten oder einen Seenotrettungsdienst auszusenden.
Die Nacht verging und als auch an Heiligabend keine Boote zurückkehrten, mußte man annehmen, dass alle gesunken sind. Und da auch in den nächsten Tagen keine Überlebenden gefunden wurden, wurden alle Männer für tot erklärt. Insgesamt 19 Männer in drei verschiedenen Booten blieben an diesem Tag auf See.
Für Skarð war dies eine Katastrophe, da alle 7 Männer, Erwachsene und Jugendliche, des Dorfes auf dem Boot gewesen waren. Nun mußten die verbliebenen 16 Einwohner, Kinder, Frauen und ein alter, betlägeriger Mann ohne die Männer, die für die Einkünfte aus der Fischerei verantwortlich waren, auskommen. Zu dieser Zeit war das unmöglich. Und obwohl Verwandte aus anderen Dörfern kamen und halfen, verließen einer nach dem anderen Skarð und zogen stattdessen nach Kunoy oder Haraldssund.
Die letzte Bewohnerin verließ Skarð am 26. Januar 1919. Es war die 89jährige Anna Kathrina, die zu einem Boot hinunter getragen wurde. Seitdem liegt Skarð verlassen.

Das war übrigens das dritte Mal, dass ein Boot aus Skarð auf See blieb. Und das dritte Mal, dass Anna Kathrina einen Verwandten verloren hat. Der erste Unfall geschah 1835 und all sechs Männer des Dorfes starben. Damals zogen neue Männer nach Skarð und das Dorf bestand fort. Anna Kathrinas Schwiegervater verschwand an diesem Tag. Der zweite Unfall war 1872, als drei Männer starben. Einer war Anna Kathrinas Ehemann. Beim dritten und letzten Unfall verlor Anna Kathrina ihren Sohn.

Dieser Text ist eine Übersetzung in Auszügen von dieser Seite:
http://www.geocaching.com/geocache/GC4FK54_skaro

Dort findet sich auch ein Foto von Skarð, wie es damals aussah:


Und auch eines, wie der Ort heute aussieht:


Am 14.08.2013 fand eine Gedenkwanderung nach Skarð statt. Dabei wurde auch ein Gedenkstein enthüllt. Fotos davon sieht man hier:
http://kvf.fo/netvarp/ms/2013/08/15/myndarod-minnisvardin-skardi-avdukadur

Wie man auf den Fotos sehen kann, war an diesem Tag das Wetter so gut, daß man sogar mit dem Boot anlegen konnte. Man sieht jedoch auch, mit welchen Schwierigkeiten das für die damaligen Bewohner wohl verbunden war.

Über die Geschichte von Skarð gibt es auch ein Gedicht, das Páll Sólstein vertont hat und dieses Jahr auch bei den Sommerkonzerten aufgeführt. Er war so nett, mir das Gedicht zukommen zu lassen:


Yvir søgubrot

Tókust undir korum kørgum
menn á havi og í bjørgum,
vaggandi á ytstu miðum,
sveiggjandi í hægstu sigum.

Mangan so við úthavsoddar
frægum untist vøggukoddar,
djúpt í tungum atlantsstevi
grynnugras til síðstu legu.

Fyri Skarð við triðja smeitið
vónin hvarv um síðsta leitið,
tá íð sakk í norðhavsbárum
mannkyn alt í bestu árum.

Hugsi sjáldan er so vorðið,
so nógv beiskt í part er skorið,
at tað heim, sum kundi gleða,
ikki við er heim í trega.

Ivaleyst tey tí í sessi
tugdu sættu tollaksmessu
eftir hina feigdargráu
sum gav sorg í jólagávu.

Hildu meir við vón enn styrki
konur kanska verndarrvirkið,
tær við hjúnarmakum skaptu,
hugdu, hugdu - til tær taptu.

Fólk í túni undir fjalli,
fáment eftir mannafallið,
tigandi, av royndum lúgvað´
seg til burturferðar búgva.

Bera fram við búðarlagið
húskiráð og seingjarklæði,
-møður hava børn á armar,
meðan heimaseyður jarmar.

Lon sum hýsti mandómsmegi,
gestablídni og móðurgleði,
lokast nú á síðsta sinni,
so gerst kvirt – og kólnar inni.

Gongur so at sævarmótum
lítið lið á tungum fótum,
meðan millum húsarøðir
oyðubygdatøgnin fløðir.

Fermt við tøgn – frá landi stingur
tjørað far – brátt kjalarklingur
firrast undir degi lágum
norður eftir sundi gráum.

Hans J. Glerfoss



Das Gedicht auf Englisch (nicht sehr poetisch, aber man bekommt eine Vorstellung des Inhalts):

Around a section of a story

Struggling under slender means
Men at sea and in the cliffs
Rocking in the most outlying fishing grounds
Swaying in the highest cliffs

Often at the farthest skerries
The best were given the last pillow.
Deeply in the heavy Atlant swell
Their last bed was the bottomgrass

For Skarð it was the third blow
Hope faded at the last range
When in the northern waves
All men were drowned in their best age.

Seldom I think was the situation so
Bitter, hopeless and desperate,
When the home, which earlier could gladden
Mow became a home of grief and pain.

Sitting there in hopelesness
For six fatal Bishop Thorlak's Days
After the ill-starred event
That gave sorrow as Christmas present.

It was more hope than strength
that the women kept up the daily life
They with their husbands created -
Looked and scouted - till all hope faded.

People outdoors under the mountain
Few they were after the loss.
Silently of fate exhausted
They prepare to move away.

Carrying out from their dwelling
Household effects and beddings
Mothers with a child on arm
While the infield sheep are bleating.

House that sheltered strength and trust
Hospitality and motherjoy,
For the last time the door is closed
Now there is silence - the ambers die out.

Walking silently down to the foreshore
A little group of heavy-footed,
While between the houses
The emptiness lingers on.

Loaded with silence - a tarred vessel
sets off - the keelwater disperses
And in the lowering day
they are seen rowing along the grey sound.





Hier noch ein paar Fotos von der Gedenkwanderung:

Skarð vom Wasser aus gesehen:


Die Skarðgjógv. Hier mußten die Einwohner von Skarð durch, um nach Kunoy in die Kirche zu gehen:


Die Skarðgjógv von Skarð aus gesehen:


Das Denkmal:


Skarð:


Das Boot im "Hafen" von Skarð:
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