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Asiatische Frauen auf den Färöern

 
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Matthias2



Anmeldedatum: 23.08.2005
Beiträge: 655
Wohnort: Leichlingen

BeitragVerfasst am: 18.02.2018 12:59    Titel: Asiatische Frauen auf den Färöern Antworten mit Zitat

Auf Youtube könnt ihr euch eine 25-minütige Al Jazeera-Reportage aus dem Jahr 2017 mit dem Titel "Asian women looking for love in the Faroe Islands" anschauen:
https://www.youtube.com/watch?v=Q0br4Ujitu0

Die Reportage gibt nicht nur einen interessanten Einblick in das Leben thailändischer und philippinischer Frauen auf den Färöern, sondern auch in die färöische Gesellschaft, das Verhältnis zwischen Mann und Frau, Rollendenken etc.. Es ist ja kein neues Phänomen, dass es auf den Färöern deutlich mehr junge Männer als Frauen gibt. In Gesprächen mit Färingern und aus meinen persönlichen Erfahrungen heraus habe ich den Eindruck gewonnen, dass es viele junge Menschen zur Ausbildung und zum Studium nach Dänemark zieht. Während die Männer häufig zurückkehren und insbesondere in der Fischindustrie Arbeit finden, bleiben viele Frauen in Dänemark (insbesondere jene, die Berufe im sozialen Bereich ergreifen) und gründen dort eine Familie. Mir ist selbst eine Familie bekannt, in der es genauso ist:
- Der Sohn hat in Dänemark studiert, ist auf die Färöer zurückgekehrt und arbeitet als Ingenieur auf einem Schiff. Er ist nun Ende 30 und wohnt bei den Eltern. Eine Partnerin hat er nicht und zeigte sich bei meinem letzten Gespräch mit ihm auch wenig optimistisch, dass sich daran etwas ändert.
- Die Tochter hat Soziale Arbeit in Dänemark studiert und konnte auf den Färöern keinen ihrem Studium entsprechenden Job finden. Sie ist nun Mitte 30 und lebt mit ihrem dänischen Mann in Dänemark.

In den letzten Jahren wurde diese zahlenmäßige Ungleichheit zwischen (jungen) Männern und Frauen zumindest teilweise durch ausländischen Frauen ausgeglichen, die insbesondere aus Thailand und von den Philippinen kommen:
Zum 1.1.2017 lebten auf den Färöern 137 philippinische und 89 thailändische Frauen, 152 davon im Alter von 18 bis 45 Jahren. In der Gruppe der 25-40 jährigen Frauen betrug der Ausländeranteil 6,85% (Gesamtbevölkerung: 2,88%), ein Drittel davon entfällt auf Philippinerinnen und Thailänderinnen. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lebten auf den Färöern 18 Frauen aus den beiden Ländern. 2007 waren es dann schon 67, und seitdem kommen jährlich ca. 15-20 Frauen neu auf die Färöer.

Die Reportage zeigt auch auf, dass viele Frauen über persönliche Kontakte zu Frauen, die bereits auf den Färöern leben (Freundin/Schwester), dorthin gekommen sind. Ähnlich ist es auch im Fußball, wo z.B. ein serbischer Spieler auf die Färöer kommt und im nächsten Jahr noch 2 Kumpel aus der alten Heimat in den gleichen Verein lockt.

Die Frauen sprechen auch erstaunlich offen über Liebe und Gefühle. Im Grunde sind es vor allem praktische Beweggründe, die sie auf die Färöer lockten. Solange der Mann sich ihnen gegenüber "gut" verhält, scheint es ok zu sein, auch wenn von ihnen insbesondere erwartet wird, dass sie die Rolle als Hausfrau und Mutter annehmen. Mit der gleichen Offenheit hat mit mir ein Färinger im Beisein seiner thailändischen Frau gesprochen:
- Es war schwierig auf den Färöern eine Frau zu finden, also suchte er sein Glück in Thailand.
- Seine Frau spricht halbwegs gut Englisch, mit dem Färöischen hapert es aber, obwohl sie schon viele Jahre dort wohnt. Er meinte, dass es sehr wichtig ist, dass sie so langsam Fortschritte macht, um besser am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.
- Sie sagte auch, dass ihr die Sprache große Schwierigkeiten bereitet, obwohl sie schon seit Jahren Sprachkurse besucht.

Ich finde diese Thematik sehr spannend, da sie, wie oben schon gesagt, viele Aspekte betrifft und die färöische Gesellschaft auch ein Stück weit verändert. Ich freue mich auch über weitere Erfahrungen zu lesen, die andere Forumsmitglieder hierzu gemacht haben.
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Anne



Anmeldedatum: 08.01.2007
Beiträge: 600
Wohnort: Hirstein

BeitragVerfasst am: 21.02.2018 20:29    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe im Prinzip ähnliche Erfahrungen gemacht. Schon 2013 hat mir der Bruder einer Freundin erzählt, dass es ein Dorf gäbe, in dem fast alle Frauen aus Asien stammen. Etwas naiv meinte er "Aber die sind nicht besonders nett zu ihren Männern". Ich sagte dann: "Vielleicht, weil sie sie nicht aus Liebe geheiratet haben, sondern um aus ihrem Land herauszukommen". Das leuchtete ihm dann ein.

Die Thematik ist mir auch sonst nicht unbekannt, auch hier gibt es viele asiatische Frauen, die größtenteils mit wesentlich älteren Männer verheiratet sind und die einem dann oft ziemlich leid tun.

Der Bericht hat eigentlich den falschen Titel. Diese Frauen suchen nicht die Liebe (wahrscheinlich auch, ja). In erster Linie suchen sie einen Weg raus aus Thailand, von den Philippinen. Raus aus Ländern, die ihnen keine echte Zukunft bieten, in denen sie unterdrückt werden und die unsicher sind. Auf den Färöern müssen sie keine Angst haben, auf offener Straße vergewaltigt zu werden. Ihre Männer helfen im Haushalt mit, wenn sie Glück haben. Auf jeden Fall aber leben sie in ziemlichem Luxus im Vergleich zu ihren Herkunftsländern, sie können sich entfalten, können auch selber arbeiten, können sich weiterbilden und müssen eben nicht nur Hausfrau und Mutter sein, auch wenn das in erster Linie von ihnen erwartet wird. Da kann man dann auch schon mal die Zähne zusammenbeißen und mit einem Mann ins Bett steigen, den man nicht liebt. Und genau das sprechen ja viele der Frauen im Bericht an. Ich finde auch, dass man bei der mit den vier Kindern sieht, dass es ihr eigentlich unangenehm ist, wenn ihr Mann sie berührt. Mit Liebe hat das nicht viel zu tun.

Ich glaube auch nicht, dass es der färöischen Gesellschaft in der Problemfrage "Frauenmangel" etwas bringt. Denn wenn die Töchter dieser Generation ins arbeitsfähige Alter kommen, dann werden auch diese abwandern und die zurückbleibenden Männer haben das gleiche Problem wie ihre Väter. Statt Frauen zu "importieren" sollten die Färöer lieber versuchen, mehr "Frauenjobs" zu schaffen.

Ich habe auch einige färöische männliche Bekannte, die keine Partnerin haben. Erschwerend kommt noch hinzu, dass es sehr schwierig ist, eine erschwingliche Wohnung zu finden. Junge Männer (oder generell junge Leute) leben also sehr lange bei ihren Eltern (ich kenne Leute, die sind über 40 und wohnen noch zu Hause. Nicht, weil das Hotel Mama so praktisch ist, sondern weil sie keine eigene Wohnung finden können). Oder sie wohnen mit anderen ledigen Männern in WGs. Das macht sie für Frauen/Beziehungen auch wieder unattraktiver. Wer will schon bei den Schwiegereltern einziehen oder wissen, dass beim Sex im Nebenraum ein anderer Kerl liegt und womöglich zuhört?

Ich finde die Thematik insgesamt eher problematisch und keine Lösung für das generelle Problem. Auch wenn sie als positiven Nebeneffekt sicherlich hat, dass die Färinger Fremden gegenüber aufgeschlossener werden. Auch wenn Fremdenfeindlichkeit meines Wissens kein wirkliches Problem auf den Färöern ist.
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u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1441
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 17.08.2018 09:52    Titel: Heute (17.8.) in der Süddeutschen Zeitung, Seite Drei Antworten mit Zitat

Silke BIGALKE:
Den Färoern fehlen die Frauen

https://www.sueddeutsche.de/leben/faeroeer-inseln-den-faeroeern-fehlen-die-frauen-1.4094473?reduced=true

anderer Titel in der gedruckten Ausgabe der SZ Nr. 188, S. 3:


Komm doch mal rüber
Die Männer auf den Färöer haben ein Problem: Es gibt zu wenig Frauen zum Heiraten. Aber die gibt es in Thailand und auf den Philippinen. Und? Funktioniert

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Christian Schöne



Anmeldedatum: 20.08.2005
Beiträge: 482

BeitragVerfasst am: 18.08.2018 07:09    Titel: Komm doch mal rüber Antworten mit Zitat

Online erscheint der Artikel heute auch auf der homepage der Schweizer Tageszeitung "Der Bund".
Weiß jemand, ob der Artikel auch in der Print-Ausgabe erschienen ist?
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u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1441
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 18.08.2018 11:55    Titel: TAGES ANZEIGER (Schweiz) Antworten mit Zitat

Lt. der Datenbank www.genios.de ist der Artikel heute auch gekürzt (1.391 statt 3.092 Wörter in der gestrigen SZ) im TAGES ANZEIGER erschienen.
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