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"Der wahre Reichtum der Färöer"

 
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u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1480
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BeitragVerfasst am: 13.10.2009 09:59    Titel: "Der wahre Reichtum der Färöer" Antworten mit Zitat

"Der wahre Reichtum der Faröer besteht in ihren Schafen. Das Schaf ist für sie beinahe, was das Rennthier für den Lappländer, der Seehund für den Grönländer, die Kokospalme für die Bewohner von Guiana. Es gibt ihnen Alles, was sie bedürfen..."
Xavier MARMIER in: Das Ausland, 1838 (richtig: 1839)

"(Die Schafe) machen, nebst den Erträgnissen des Fischfanges, den ganzen Reichthum der Bewohner aus. Was für den Eskimo der Hund, für den Lappen das Ren, für den Grönländer der Seehund, für den Südamerikaner das Lama ist, das ist für den Färinger das Schaf."
Dr. H. Schunke: Die Färöer, in: Globus, 54. Bd. 1888, S. 67


Zuletzt bearbeitet von u.k. am 13.10.2009 19:35, insgesamt einmal bearbeitet
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George



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BeitragVerfasst am: 13.10.2009 16:55    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Grund für diese maßlos übertriebene Bewertung der färöischen Schafe dürfte darin gelegen haben,
- daß von den Autoren ihre herausragende Bedeutung bei den "Schaf-Inseln" wohl als selbstverständlich vorausgesetzt wurde
- daß die Schafwirtschaft allgegenwärtig sichtbar war (im Gegensatz zu Rindern, Schweinen, Seehunden, Walen; immerhin hat Schunke noch den Fischfang erwähnt)
- daß die Schafe, - hierin ähnlich wie etwa beim Ren -, vollständig genutzt wurde.

Genutzt wurden Fleisch, Wolle, Häute, Hörner, Knochen, Eingeweide, selbst der Mageninhalt und die Köpfe; ungenießbare Reste wurden als Hundefutter verwandt.
Während etwa in Großbrittannien seit der Römerzeit eine blühende Woll-Produktion existierte, hatten sich auf den abgelegenen Inseln (Man, Hebriden, Orkneys, Shetlands, Färöer) neolithische Schafrassen erhalten samt ihrer "steinzeitlichen" Nutzung. Einige davon scheint es auf den Färöern (Litla Dimon) zwar noch lange gegeben zu haben, im wesentlichen handelte es sich hier zu Marmiers Zeiten aber um Nachkommen der mitgebrachten "Wikinger-Schafe" vom Spelsau-Typ, der sich insbesondere in Island bis heute erhalten hat. Den Wikingern dienten sie als Fleisch-, Milch-, Wolle- und Ledervorrat. Sie fertigten sogar ihre Segel aus der Wolle und imprägnierten sie mit Fischöl.
Das "Wikinger-Schaf" war die "eierlegende Wollmilchsau": überlebensfähig im rauhen Klima und gebirgigem Gelände, noch quasi wild-lebend ohne Winterstallung, noch natürlicher Haarwechsel ohne Schur, aber guter Fleisch- und guter Wolle-Lieferant, und im Gegensatz zu den "alten" Rassen herdenfähig, - man konnte sie mit Hunden dirigieren und treiben.

Den o.a. Autoren, insbesondere Marmier, der die Färöer ja selbst besucht hatte, dürfte womöglich entgangen sein, daß es den färöischen Landwirt mit "Ackerbau und Viehzucht" so überhaupt nicht gegeben hat, es wurden immer auch gleichwertig sämtliche anderen natürlichen Ressourcen genutzt, insbesondere Fischfang, Vogelfang, Seehund- und Walfang. Es gibt praktisch keine Vogelart, die nicht verzehrt wurde, und die Boots-Bezeichnung "Gággubátur" weist z.B. daraufhin, daß auch aus dem Wasser alles genutzt wurde, in diesem Fall handelt es sich um den systematischen Fang der Wellhornschnecken.
Aus unserer Beschäftigung mit dem Grindwalfang wissen wir, daß die Färinger ohne den Walfang nicht hätten überleben können. Was weniger bekannt ist: ohne das Walfleisch hätten sie auch ihr Rindvieh nicht durch den Winter bringen können. Auch die Grindwale wurden vollständig genutzt: Fleisch und Öl, Rindvieh-Futter, Fangriemen für die Ruder, Lederriemen zu Sicherungsseilen beim Vogelfang, Walmägen als Fischer-Boje, Sehnen zum Nähen (Schuhe etc.), Dünger u.v.a. mehr.
Ein anderes einheimisches Material für die Seilanfertigung gab es nicht, die Bojen für die Langleinen-Angelei aus Walmagen oder Seehundfell waren ebenso unersetzbar; - eines greift ins andere.
Eine ähnliche unersetzliche Bedeutung kam dem Fischfang zu, der Sommer wie Winter zur "normalen" Arbeit der Bewohner zählte.

Marmier mußte im Jahr 1838 noch die von mir geschilderten Verhältnisse in etwa vorgefunden haben. Erst um diese Zeit setzte mit dem Bemühen um eine gezielte Zucht der bis dato quasi wild gelassenen Schafe ein eine gewisse Spezialisierung ein, und erst mit dem Ende der Monopolwirtschaft begann allmählich eine wirtschaftliche Änderung durch Geld- und Kreditwesen, - in der Weise, daß bspw. Fische nicht mehr direkt zur eigenen Versorgung verarbeitet wurden, sondern gegen Geld oder Anschreiben an den örtlichen Händler verkauft wurden.

Ich denke, der "wahre Reichtum der Färöer" bestand in der optimalen Nutzung aller natürlichen Ressourcen, zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Das geradezu Aufregende an dieser Beobachtung ist, daß sich an dieser Ressourcen-Nutzung seit der Stein- bzw. Bronze-Zeit nichts Wesentliches geändert hatte.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"


Zuletzt bearbeitet von George am 14.10.2009 06:50, insgesamt einmal bearbeitet
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u.k.



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Beiträge: 1480
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BeitragVerfasst am: 13.10.2009 19:29    Titel: Re: "Der wahre Reichtum der Färöer" Antworten mit Zitat

[quote="u.k."]"Der wahre Reichtum der Faröer besteht in ihren Schafen. Das Schaf ist für sie beinahe, was das Rennthier für den Lappländer, der Seehund für den Grönländer, die Kokospalme für die Bewohner von Guiana. Es gibt ihnen Alles, was sie bedürfen..."
Xavier MARMIER in: Das Ausland, 1839

"(Die Schafe) machen, nebst den Erträgnissen des Fischfanges, den ganzen Reichthum der Bewohner aus. Was für den Eskimo der Hund, für den Lappen das Ren, für den Grönländer der Seehund, für den Südamerikaner das Lama ist, das ist für den Färinger das Schaf."
Dr. H. Schunke: Die Färöer, in: Globus, 54. Bd. 1888, S. 67

Datum von X. MARMIER korrigiert: 1839
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George



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BeitragVerfasst am: 14.10.2009 07:00    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
"Was für den Eskimo der Hund, ..."
Dr. H. Schunke: Die Färöer, in: Globus, 54. Bd. 1888, S. 67
ist
Zitat:
"für den Grönländer der Seehund"
Dr. H. Schunke: Die Färöer, in: Globus, 54. Bd. 1888, S. 67
Smile
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