www.faroe-islands.de
Das Forum für Freunde der Färöer-Inseln
Von
Es ist Mittwoch, der 26. Juni 2019 12.54 Uhr     (48.36 % von 2019)

Diskussionsforum Färöer Foren-Übersicht Diskussionsforum Färöer
Der deutschsprachige Treffpunkt für Freunde der Färöer-Inseln
 
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Gab es deutsche Pläne für eine Besetzung der Färöer?
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Diskussionsforum Färöer Foren-Übersicht -> Geschichte und Brauchtum
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Erik



Anmeldedatum: 17.08.2005
Beiträge: 777
Wohnort: Sonderburg

BeitragVerfasst am: 04.02.2009 17:33    Titel: Gab es deutsche Pläne für eine Besetzung der Färöer? Antworten mit Zitat

Gab es deutsche Pläne für eine Besetzung der Färöer im Zweiten Weltkrieg?

Quelle: Tagebuch eines Vorarbeiters auf der Walstation Lopra, Suðuroy, aus den Jahren 1935-1940:

Richard Kühle, Köln und ich nahmen mit dem Sohn des damaligen Vorarbeiters auf der Walstation in Lopra Kontakt auf. Er fand das Tagebuch seine Vaters, und wir gingen zusammen mit ihm jeden Tag in diesem Zeitabschnitt durch.
Wir fanden heraus, dass ein Kaufmann aus Tvøroyri Eigentümer der Station war, und dass seine Schwester mit einem Deutschen Gerhard Hauttmann verheiratet war, (Gerhard Hauptmann ist däne, Quelle: Suðuroy) der auf der Station in Lopra arbeitete.
Eine deutsche Firma aus Hamburg, die u. a. Dynamit herstellte, mietete sich im Zeitraum 1937-1939 auf der Station ein. Neben der Station baute sie eine Halle, zu der nur das deutsche Personal Zugang hatte. Es kursierten unter den Einheimischen Gerüchte, dass man Versuche mit Sprengstoff unternam, der unter anderem Walspeck enthielt. Es gab auch Gerüchte, dass man Versuche mit Lebensmittelkonzentraten unternahm, die aus Walfleisch hergestellt wurden. Die Einwohner von Lopra hörten nachts oft Explosionen im Fjord. Einer meinte, gesehen zu haben, dass die Deutschen nachts irgendetwas in den Loprafjord warfen, das explodierte.
Besonders interessant ist, dass die deutsche Firma von 1937 bis 1939 zwei Walfangschiffe besaß, die laut Darstellung im Tagebuch in diesem ganzen Zeitraum nur zwei Wale fingen. Daraus darf man den Schluss ziehen, dass sie vermutlich damit beschäftigt gewesen sind, mögliche Landungsplätze für eine eventuelle deutsche Besetzung der Färöer ausfindig zu machen. Die Einheimischen berichten auch, dass die Deutschen in Lopra einen Antennenmast aufstellten. Später haben färöische Fischer ein Kabel gefunden, das von Lopra bis zum Munkurin südlich von Akraberg verlegt worden war, über eine Strecke von ca. 10 Kilometern. Das Kabel glänzte wie Silber, wurde aber schwarz, als es aus dem Meer herauskam. Meine Meinung dazu: Vielleicht war das ein Bindeglied bei einer eventuellen deutschen Landung auf den Färöern.
1939 verließen die Deutschen Lopra. Nur der Deutsche, der mit einer Färingerin verheiratet war, blieb dort. Kurze Zeit nach der englischen Besetzung wurde er vom britischen Militär festgenommen, wurde aber bald danach wieder freigelassen. Wahrscheinlich hatte man keine Beweise dafür, dass er für Deutschland spioniert hatte. Die Einheimischen berichten, dass die Gebäude der Deutschen 1939 beseitigt wurden, möglichweise um eventuelle Beweise verschwinden zu lassen.
Ein deutscher Bekannter ist zur Zeit damit befasst, eventuelle deutsche Quellen zu finden. Es könnte interessant sein, wenn Quellen darüber auftauchen würden, dass das deutsche Militär Pläne hatte, die Färöer zu besetzen.

Bisher sind keine historischen Quellen darüber gefunden worden.
Auf den Färöern kursieren vage Gerüchte, dass die Deutschen die Färöer zur selben Zeit wie die Briten besetzen wollten, dass sie aber sechs Stunden zu spät waren, weil sie nur bei Tageslicht auf den Färöern Truppen an Land setzen wollten.
Wenn man das erklärte militärische Ziel betrachtet, dann leuchtet es ein, dass die britische Besetzung der Färöer erfolgreich war. Eine deutsche Besetzung der Färöer fand nicht statt. Ob sie überhaupt geplant war, ist niemals untersucht worden.
Wenn jemand etwas über eventuelle deutsche Pläne für eine Besetzung der Färöer weiß, kann er gerne Kontakt mit mir aufnehmen.

mail: marielu(a)post.olivant.fo


Zuletzt bearbeitet von Erik am 01.05.2009 11:53, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Klaus



Anmeldedatum: 17.08.2005
Beiträge: 1540
Wohnort: Bunde (Ostfriesland)

BeitragVerfasst am: 04.02.2009 20:30    Titel: Antworten mit Zitat

In meiner ausführlichen Kriegschronik steht nichts von einer geplanten Besetzung der Färöer.

Allerdings wäre die Besetzung der Färöer mit einer unbedingt notwendigen vorherigen Besetzung Shetlands ein Strategisch unvorstellbar großer Vorteil für das Deutsche Reich gewesen. Denn nachdem man Benelux und Frankreich erobert hatte, gab es ja Pläne zum Angriff auf England, die jedoch nicht zuletzt an den Kreidefelsen der Südküste scheiterten, dem naütrlichen Bollwerk Englands. Diese machten die Anlandung besonders schwierig. Hätte man aber in England anlanden können, hätten die Deutschen von Norden her (mit Färöer und Shetland als Mititärstützpunkt) ebenfalls in Großbritannien einfallen können und somit von Süden und von Norden Großbritannien überrollen können. Außerdem hätten die Deutschen zusätzlich noch von Osten her in das Land einfallen können. Dagegen hätten die Briten nicht viel aussetzen können.

Dazu hätten die Deutschen vorher jedoch unbedingt noch Shetland besetzen müssen, denn ohne dem wäre eine Besetzung der Färöer sinnlos gewesen, weil quasi jedes Schiff in Richtung Färöer durch britisch kontrolliertes Gebiet hätte fahren müssen.

Die Deutschen hätten sicherlich auch einen Flughafen auf den Färöern gebaut und die Färöer hätten sich so zum Drehkreuz für die Eroberung von Island und Grönland entwickelt werden können. Das die Deutschen in dem Gebiet präsent waren, zeigen die Vorfälle auf den Nordmeerinseln Jan Mayen und Spitzbergen, wo es verschiedene bemannte und unbemannte Wetter- und Horchstationen gab. An der Nordostküste von Grönland gab es ebenfalls einige deutsche Wetter- und Horchstation.

Es ist also nicht ganz abwegig, dass das Deutsche Reich eine Anlandung auf den Färöern in Betracht gezogen hat. Denn von da aus hätte man mit einer Besetzung von Island und Grönland recht bequem den Atlantik dicht machen können und damit den Sowjets den Zugang zum Atlantik verwehren können.


Dass die Deutschen nur 6 Stunden zu spät auf die Färöer gekommen waren, halte ich für unmöglich. Denn zu der Zeit (ab 9. April) waren die Deutschen Truppen ganz mit der Besetzung Narviks und anschließend Norwegens beschäftigt. Als die Briten von dem Überrennen der Deutschen von Norwegen hörten, besetzten sie aus strategischen Gründen die Färöer. Dänemark war ja als Sprungbrett nach Norwegen nur kurz vorher überrannt worden.
_________________
Leben heißt, mehr Träume in seiner Seele zu haben, als die Realität zerstören kann.

Leef nu, niet later!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1468
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 15.04.2009 19:18    Titel: Was haben Deutsche ca. 1936-39 in LOPRA getrieben ? Antworten mit Zitat

"In Zeiten der Rohstoffknappheit ist ein Produkt des Wales besonders wertvoll geworden, das Walöl. (...) Die Margarineindustrie stellt auch an dieses Öl hohe Qualitätsansprüche (...) Bei unserem Besuch trafen wir eine deutsche Studienkommission in Lopra, die eine eigene Versuchsstation errichtet hatte. Mit deutscher Gründlichkeit sollten dort die besten Methoden einer guten Walölherstellung ausprobiert werden."

Else ZIMMERMANN-OST: FÄRÖER Die unbekannten Inseln, Stuttgart 1938, S. 30-31

Auch in einem Illustriertenbericht (siehe einen der folgenden Beiträge) und in wissenschaftlichen Zeitungen in der damaligen Zeit erwähnt.

P.S. Die deutsche Firma, die vor dem 2. WK auf den Färöern tätig war:

Harburger Oelwerke Brinckmann & Mergell (Schreibweise des ersten Namens variiert: im Katalog der Staatsbibliothek Berlin falsch: Brinkmann)
Literatur dazu bei GOOGLE Buchsuche.

Über die HOBUM gibt es eine kleine Monographie:

(Dr.) Carl SCHMIDT-REITZ (Manuskript): Harburger Oelwerke Brinckmann & Mergell (Band 15 der Veröffentlichungen der Wirtschaftsgeschichtlichen Forschungsstelle e. V., Hamburg, hrsg. im Auftrage des Vorstandes von Dr. phil Ernst HIEKE), Hamburg 1956:

"Nachdem es gelungen war, Walöl für die menschliche Ernährung durch Veredelung und Härtung nutzbar zu machen, tauchten neue Probleme auf, zumal die Reichsregierung sich entschloß, im Rahmen ihrer Autarkiebestrebungen den deutschen Walfang zu fördern. Im Zusammenhang damit kam es am 18. Januar 1937 zu Gründung des Ölmühlen-Walfang-Konsortiums mit einem Kapital von 5 Millionen RM, das man bereits fünf Monate später auf 10 Millionen RM erhöhte. Das Unternehmen, an dem die HOBUM mit 18% beteiligt war, verfügte über die beiden Walfangmutterschiffe "Wikinger" und "Südmeer", zu denen 10 bzw. 5 Fangboote gehörten. Die sich anbahnenden, vielversprechenden Erfolge fanden bei Kriegsausbruch ein vorzeitiges Ende. Der Ausgang des Zweiten Weltkrieges bedingte die Liquidierung des Ölmühlen-Walfang-Konsortiums und des Hamburger Walfangkontors, das die Schiffe bereedert hatte. Der Verlust an diesen Konsortialbeteiligungen hielt sich in mäßigen Grenzen, da während des Krieges nahezu 90% der Einlagen als Darlehen zurückgegeben wurden." (Zitat S. 65)


Zuletzt bearbeitet von u.k. am 20.04.2009 18:23, insgesamt 4-mal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 16.04.2009 11:46    Titel: Re: Gab es deutsche Pläne für eine Besetzung der Färöer? Antworten mit Zitat

Erik hat Folgendes geschrieben:
Gab es deutsche Pläne für eine Besetzung der Färöer im Zweiten Weltkrieg?

Im WW1 hatten die Briten mit ihren Alliierten die Seemacht-Ambitionen von Wilhelm, Tirpitz & Co konterkariert, indem sie die teure deutsche Flotte in der Nordsee hilflos einschloß wie den Geist in der Flasche. (Zur Erinnerung: Stationierung der britischen Flotte in Scapa Flow und Blockade der Nordsee bis Norwegen.)

Die Neuauflage dieses Plans im WW2 war soz. ausgeflankt worden durch die Besetzung Norwegens 1940; dies führte in Konsequenz zur Rücknahme der alliierten Sperre auf die Linie Färöer – Island - Grönland und machte die Besetzung dieser Inseln zwingend notwendig. Churchill’s öffentliche Begründung, die Färöer damit vor allen Kriegsfolgen schützen zu wollen, war reine Propaganda, denn tatsächlich wurden die Färöer damit exponiert ins Kriegsgeschehen einbezogen. Es gibt keinerlei bekannten Beleg aus den britischen Unterlagen, daß die Admiralität zu irgendeinem Zeitpunkt einer möglichen deutschen Besetzung zuvorkommen hätte wollte; - dazu hätte es entsprechende Informationen oder Anzeichen geben müssen, und die gab es nicht: Die deutsche Walfangstation in Lopra, wie auch ein Besuch der HJ auf den Färöern 1938 konnte von den Briten nicht mit Kriegsvorbereitungen in Verbindung gebracht werden. Dies entspricht dem bekannten deutschen Informationsstand. Damit gehört diese Geschichte zweifellos zu den vielen Kriegs-„Märchen“, von denen auf den Färöern auch andere bis heute weiter erzählt werden (das ist keine färöische Eigenheit, dasselbe Phänomen findet sich auch an der amerikanischen Atlantikküste).

Es gab damals übrigens eine interessante politische Beurteilung der Briten bezüglich der Färöer: man hatte damals durchaus die Unabhängigkeitsbemühungen der pro-britischen Färöer einkalkuliert und eine Neu-Orientierung auf das United Kingdom – etwa mit einem Status wie die Isle of Man – für möglich gehalten.

Der britische Kommandeur Lieutenant Colonel Melville hat in seiner Meldung nach der Besetzung ausdrücklich gemeldet, keinen Deutschen auf den Färöern vorgefunden zu haben, lediglich einen Österreicher (mit „altem“ österreichischem Paß), sowie einige Färinger mit deutschen Familienbeziehungen. (lt. „The North Atlantic Front“ v. James Miller, Birlinn Ltd, 2005)

_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1468
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 17.04.2009 08:50    Titel: Kriegs-"Märchen" auf den Färöern Antworten mit Zitat

Als ich 1987 oder 1989 in der (inzwischen wohl nicht mehr existierenden) Jugendherberge in Klaksvík war, wurde dort an einem Abend in der Gemeinschaftsküche über deutsche Besetzungspläne der Färöer vor dem 2. Weltkrieg diskutiert. Der Leiter ("Herbergsvater" ?) wusste zu berichten, in den 30er Jahren hätte ein deutscher Professor die Färöer aus eben diesen Gründen kartenmäßig erfasst.

Er meinte sicherlich den Österreicher Ernst KRENN, der 1936 in PETERMANNS MITTEILUNGEN 82. Jg. auf S. 46 kurz die (dänische) Generalstabskarte 1:100.000 der Färöer von 1932 vorgestellt hat:

Die neue Generalstabskarte der Färöer (Föroyar). Zur Geschichte der färöischen Kartographie.

P.S. Wie hieß denn noch mal der im vorhergehenden Beitrag am Ende erwähnte Österreicher, den die Briten bei ihrer Besetzung der Färöer vorgefunden haben ? Dimmalætting hat vor ein paar Jahren mal in der Wochenendbeilage ausführlich über ihn berichtet. Er hatte zeitweilig einen Kramladen (bzw. "kleines Warenhaus") in Tórshavn.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 17.04.2009 11:49    Titel: Re: Was haben Deutsche ca. 1936-39 in LOPRA getrieben ? Antworten mit Zitat

u.k. hat Folgendes geschrieben:
Die deutsche Firma, die vor dem 2. WK auf den Färöern tätig war:
Harburger Oelwerke Brinckmann & Mergell

Harburg war durch das Königreich Hannover zum mit Abstand modernsten Wirtschaftshafen - auch vor Hamburg - entwickelt worden (bevor die Preussen das alles plattmachten); insbesondere war Harburg das Zentrum für Öle/Fette aus Übersee. Auf diesen Grundlagen entstammen die o.a. Ölwerke, die, heute zum Cargill-Konzern gehörend, bis in den WW2 bei allem, auch bei Waffenproduktion mitmischten. Das Kerngeschäft waren Öle und Fette.
Im Hinblick auf Lopra trifft sich hier das Geschäftsinteresse mit Chemie, modernem Walfang und dem wirtschaftlichen Autarkie-Wahn der Nazis:

Seit kurz vor dem WW1 gab es chemische Industrieverfahren zur Härtung von Ölen und flüssigen Fetten zu streichfähigen und geschmacklich zuträglichen Brotaufstrichen, Margarine. Ab 1914 ist Walöl Grundstoff der Margarine und ersetzt das Rinderfett. 1936 stellt Walöl 8 % des deutschen Gesamtfettverbrauches oder 30 % des Margarineverbrauches und ist damit von einiger volkswirtschaftlicher Bedeutung.

Zur Kriegsvorbereitung versuchten die Nazis mit allen Mitteln in der Rohstoffversorgung autark zu werden. Dies führte zu einer bedeutenden Intensivierung des industriellen Walfangs. Die deutsche Walfangflotte erlegt in der Arktis 1937/38 über 46.000 Wale.
(Erst Mitte der siebziger Jahre sinkt der deutsche Walölverbrauch. Dies auch als kleinen Exkurs zur Walfangdiskussion und den Haßattacken deutscher Walschützer auf den traditionellen färöischen Grindwalfang. Würde man sich auch mal mit der eigenen und wirklichen Geschichte der Wal-Ausrottung befassen, würden einige Töne schnell leiser.)
Die Einrichtung einer Walfang/Forschungsstation auf den Färöern ist ohne weiteres mit dieser sprunghaften wirtschaftlichen Entwicklung zu erklären. Vielleicht findet sich über die heutige HOBUM noch jemand, der authentisch Auskunft über die Stationsgeschichte geben kann.

P.S.: Diesen modernen "Märchen" gegenüber bin ich nicht nur deshalb höchst mißtrauisch, weil die Belege und die Sinnhaftigkeit fehlen, sondern auch weil ich einige der mit Fleiß immer wieder weiter erzählten Geschichten insbesondere über deutsche WW2 U-Boote in den Färöern und in den Shetland Inseln nachgeprüft habe: für keines dieser farbenfroh ausgesponnenen Märchen fand sich auch nur der geringste Beleg in den U-Boot-Archiven.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1468
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 17.04.2009 19:33    Titel: Deutsche in LOPRA ca. 1935-1939 Antworten mit Zitat

Der in einem früheren Beitrag erwähnte Illustriertenbericht:

Auf Großwalstation Lopa.
Deutsche Chemiker, Ingenieure und Arbeiter betreuen die Versuchsanlage zur Verbesserung der Walöl-Gewinnung
, in:

Neue Illlustrierte Zeitung, Berlin, XII. Jg. 1936 Nr. 2 vom 9. Januar, S. 28 und 29

Bildbericht von Dr. Else ZIMMERMANN-OST (8 Fotos, davon 2 aus der NYT)

"...Auf den Fangboten und in der Fabrik arbeiten ausschließlich Färinger (die deutsche Studienkommission hatte mit dem sonstigen Bereich nichts zu tun)..."

Sowie :

Der Wal als Vitamin-A-Quelle zugleich ein Bericht über die Forschungsreise nach der Walfangstation Lopra, Färöer,

von Dr. med. Karl-Heinz WAGNER und Marc VERMEULEN, Leipzig
in:

Die Ernährung. Zeitschrift für das gesamte Ernährungswesen in Forschung, Lehre und Praxis, Leipzig, Band 4, Heft 7, Juli 1939, S. 193-199

(haben in der Zeit vom April bis Juli 1938 dort die häufigsten Walarten untersucht; wiss. Untersuchung, nur etwa eine halbe Seite über die Färöer)

Karl-Heinz WAGNER hat 1939 in Leipzig über das Thema Das Vorkommen von Vitamin A und (BETA)-Carotin bei Finn-, Blau- und Spermwal promoviert (Dissertation gedruckt) 70 Seiten.
Aus der Verlagsanzeige:

"Der Verfasser unternahm eine Forschungsreise nach der Walfangstation Lopra auf Sudero - Faroer, mit dem Ziele, das Vorkommen des Vitamin A im Organismus des Wales mengenmäßig zu bestimmen. Unter den denkbar größten äußeren Schwierigkeiten gelang es ihm, die gestellte Aufgabe vollkommen zu lösen (...)" (Zitat)

Die "großen Schwierigkeiten" waren unter anderem die Beschaffung von Butter, die auf den Färöern nicht produziert wurde (Margarine wurde dort vorgezogen). "Unsere Ernährung geschah durch Brot, Butter, Fische, Kartoffeln, ferner Walfleisch und Konserven. die Konserven wurden uns in reichlichem Ausmaß von der Braunschweiger Konservenindustrie 1) kostenlos zur Verfügung gestellt. (Aus dem o.g. Aufsatz, S. 193; die Fußnote 1) lautet: "Den Braunschweiger Konservenfirmen danken wir für ihre freundliche Untersützung."

In der mir jetzt vorliegenden Habiblitationsschrift von Dr. K.-H. WAGNER wird anscheinend nur im Geleitwort von Prof. Dr. Arthur SCHEUNERT, Leipzig, kurz auf die "Forschungsreise nach der Walfangstation Lopra auf Suderø-Færøer" und die Untersuchungen "an dort frischgeschossenen Walen" hingewiesen.

Über Lopra gibt es eine fär. Monographie von Erling POULSEN aus dem Jahr 1998, die mir nicht vorliegt.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1468
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 20.04.2009 19:06    Titel: Die Färöer als deutscher Flottenstützpunkt im 1. WK (?) Antworten mit Zitat

Über deutsche Pläne im 1. WK, die Färöer aus strategischen Gründen als Flottenstützpunkt zu benutzen, berichtete Zakarias WANG in Dimmalætting Nr. 223, Leygardagur 17. november 2001, s. 5: Føroyar sum týsk flottastøð.

Z. WANG zitiert die deutschen Argumente nach dem Admiralstab der Marine: "Kriegsziele der Marine, 24.12.1916":

"Nur von den Färöer Inseln kann es uns gelingen, die Nordsperre zu beseitigen. Die Färöer Inseln öffnen uns den Weg zum freien Ozean." (bei GEMZELL, s.u. S. 160, es geht dort so weiter:) "Die Färöer Inseln öffnen uns den Weg zu freien Ozean; sie legen im Verein mit Belgiens Küste und den Azoren die erste Bresche in Englands meerbeherrschende geographische Lage."

"Damit kennzeichnet sich der Wert dieser Inselgruppe für unsere Zukunft als ein so ausserordentlicher, dass wir alles daran setzen müssen, sie im Wege des Kaufs oder Austauschs von Dänemark zu erwerben." (GEMZELL, S. 160-161).


(Literaturangabe bei WANG:)

Carl-Axel GEMZELL: Organization, Conflict and Innovation. A Study of German Naval Strategic Planning 1888-1940, Stockholm 1973 (Lund studies in modern history: 4). ISBN 91-24-23377-3


Zuletzt bearbeitet von u.k. am 30.04.2009 09:49, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
d.w.



Anmeldedatum: 28.05.2006
Beiträge: 884
Wohnort: Witten an der Ruhr

BeitragVerfasst am: 21.04.2009 01:58    Titel: Antworten mit Zitat

Ich stelle mir diese Angelegenheit folgendermaßen vor. Irgendein Mitarbeiter in irgendeinem Planungsstab - sei es nun ein militärischer oder ein ziviler - hat nachgedacht und ist auf den Gedanken gekommen, dass die Färöer doch für das Deutsche Reich von außerordentlicher strategischer Bedeutung sein könnten. Natürlich hat er seine Überlegungen schriftlich niedergelegt. und die sind dann "zu den Akten genommen" und auf diese Weise der Nachwelt überliefert worden.
Was kann man nun daraus folgern? Ich meine. sehr wenig. Überall auf der Welt werden solche Planspiele angestellt. Das allermeiste landet schließlich doch im Papierkorb. Da wir Deutsche ja als gründlich verschrieen sind, landete es bei uns in den Akten, damit es Jahrzehnte später noch Staub aufwirbeln kann, der sich dann aber schnell legt. Im übrigen gilt auch hier - meine ich - immer noch die alte Volksweisheit: Es wird nie so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Brisant wäre diese Meldung nur dann, wenn man nachweisen könnte, dass von deutscher Seite tatsächlich bei der Dänischen Regierung sondiert worden ist, ob man die Färöer erwerben könnte. Davon aber habe ich noch nie etwas gelesen oder gehört. Hätte es solche Sondierungen gegeben, dann wäre das nach so langer Zeit bestimmt längst bekannt.
Deshalb möchte ich abschließend mit Skakespeare sagen: Much ado about nothing.
_________________
Bundin er billeysur maður. (Aktualisierte Fassung eines altbekannten färöischen Sprichworts, gehört im September 2014 von einem Färinger)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 21.04.2009 11:23    Titel: Antworten mit Zitat

Ich versage mir die Erörterung der Sinnhaftigkeit eines Marinestützpunkts, der vollkommen abgeschnitten mitten im "Feind"-Gebiet liegt, - so beknackt können nicht einmal die chauvinistischen Flottenfanatiker damals gewesen sein -, aber ohne die erwähnten "Akten" und ihr Umfeld tatsächlich beurteilen zu können, kann man an diesem Punkt schlecht weitermachen.

Wenn es solche Überlegungen tatsächlich ernsthaft gegeben haben sollte, könnte dies kaum ohne Wissen von Großadmiral Alfred von Tirpitz geschehen sein. Dann sollten sich Hinweise dazu in seinem Nachlaß im Bundesarchiv finden. Direkt in der Beleg-Übersicht tauchen die Färöer allerdings nicht auf.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Klaus



Anmeldedatum: 17.08.2005
Beiträge: 1540
Wohnort: Bunde (Ostfriesland)

BeitragVerfasst am: 22.04.2009 20:07    Titel: Antworten mit Zitat

Mich würde das Thema echt interessieren - was da im Bundesarchiv dazu zu finden wäre. Hat jemand die Möglichkeit, dort nachzuforschen? u.k. z. B.?
_________________
Leben heißt, mehr Träume in seiner Seele zu haben, als die Realität zerstören kann.

Leef nu, niet later!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1468
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 23.04.2009 08:35    Titel: Bundesarchiv (?) Antworten mit Zitat

Zitierfähige Literatur zum Thema Deutsche Pläne mit den Färöern während des Ersten Weltkrieges (und später) ist das oben (20.04.) erwähnte Buch von GEMZELL, (z.B.S. 219-220).

Ein Freund (bzw. Initiator) des Planes, dass Deutschland (u.a.) die Färöer als Stützpunkt nehmen sollte, war Vizeadmiral Wolfgang WEGENER http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Wegener in seiner "Denkschrift" aus dem Jahre 1915, Teil III: Stützpunkpolitik und Flotte (November 1915). Der Vorschlag wurde anfangs teilweise begrüßt, Mitte der 20er Jahre wieder aufgenommen, dann aber als "illusorisch" abgelehnt.


Weitere Literatur :

Carl-Axel GEMZELL:
Raeder, Hitler und Skandinavien. Der Kampf um einen maritimen Operationsplan (Bibliotheca Historica Lundensis; XVI) Lund 1965


Zuletzt bearbeitet von u.k. am 27.04.2009 08:32, insgesamt 2-mal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 23.04.2009 09:40    Titel: Antworten mit Zitat

Klaus hat Folgendes geschrieben:
Hat jemand die Möglichkeit, dort nachzuforschen

Gegen Geld lassen die sich zu jedem Service hinreißen... Wink
Im Ernst, - ich war vor einiger Zeit auf einen Besuch meines Großvaters 1916 bei Tirpitz gestoßen, auch darüber finden sich im o.a. Nachlaß Unterlagen. Davon habe ich den Eindruck mitgenommen, daß der eigentlich alles aufgehoben hat.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 27.04.2009 14:17    Titel: Antworten mit Zitat

Die von u.k. angegebene Quelle Carl-Axel GEMZELL
(Carl-Axel GEMZELL: Organization, Conflict, and Innovation. A Study of German Naval Strategic Planning, 1888-1940, (Lund Studies in International History 4), Lund 1973 . ISBN 91-24-23377-3) ist tatsächlich eine Fundgrube an Informationen um die deutsche Seekriegsstrategie bis in den WW2.
Gemzell hatte Zugang zu den einschlägigen militärischen Archiven, zuvorderst in Deutschland und England, auch z.B. zum Privatarchiv des Vizeadmiral a.D. Wolfgang Wegener, dem damaligen "Erfinder" der Idee eines Färöer-Stützpunkts. Gemzell hat vielfach die Unterlagen mit denen des Bundesarchivs gegengecheckt, also auch mit dem Tirpitz-Nachlaß, so daß von dort kaum Überraschungen zu erwarten sind.

In den Archiven finden sich Unterlagen für nahezu jede denkbare Theorie, - bis hin zu Planungen für eine Invasion der USA mit 100.000 Mann direkt in New York...
Die Idee, die Färöer als Stützpunkt der kaiserlichen deutschen Flotte zu verwenden, taucht mitten im WW1 auf, als jüngere Marineoffiziere wie Wegener erkennen, daß die strategische Lage der kaiserlichen Flotte, nämlich weitgehend wirkungslos eingeschlossen in der Deutschen Bucht, in heutiger Wortwahl "suboptimal" war. Seine "Denkschrift" stellte sowohl eine Kritik an der politischen und militärischen Führung wie auch zugleich den Versuch einer Ehrenrettung der erfolglosen Marine dar. Wie ihm selbst klar war, war seine Forderung mit militärischen Mitteln nicht zu verwirklichen, - es war eine Position auf dem politische Wunschzettel für den Frieden nach Kriegsende. In der Tat listet der Generalstab ab 1916 Forderungen auf, was alles für die Flotte einer Weltmacht Deutschland notwendig wäre, - u.a. die Ostseeküste (Kurland), die Atlantikküste (Belgien), die Färöer, die Azoren usw. usf. Die Militärs gaben dem Außenminister sogar Verhandlungratschläge gratis auf den Weg, - gegen Entgegenkommen in Schleswig sollte Dänemark wohl geneigt sein, die Färöer an Deutschland abzutreten...
Der Außenminister Hollweg reagiert entsprechend angefressen:
Zitat:
"Der Gedanke an die Errichtung eines deutschen Stützpunktes auf den Färöern erscheint mir phantastisch (...) Mit welchen Mitteln hätte die deutsche Diplomatie gegen den selbstverständlichen Widerstand Englands Dänemark im Frieden zu solchen Stützpunktplänen bewegen können?"
(Gemzell, S.327)

Wie wir wissen, war Deutschland nach dem WW1 nicht in der Lage, die Friedensverhandlungen aus der Position einer neuen Welt- und Seemacht zu führen.
Bleibt nachzutragen, daß auch die Nachfolge-Marine bis in den WW2 hinein, bei all ihrer Wertschätzung für Wegener, seine Färöer-Stützpunkt-Idee als illusorisch einstufte.

Fazit: Es hat nie einen deutschen Plan gegeben, die Färöer einzunehmen.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Klaus



Anmeldedatum: 17.08.2005
Beiträge: 1540
Wohnort: Bunde (Ostfriesland)

BeitragVerfasst am: 27.04.2009 20:56    Titel: Antworten mit Zitat

Das hatte ich mir fast gedacht. Ursprünglich wollte man ja Lebensraum im Osten schaffen - wo Land und fruchtbarer Boden ist. Alles 3 trifft auf die Färöer ja nicht zu.
_________________
Leben heißt, mehr Träume in seiner Seele zu haben, als die Realität zerstören kann.

Leef nu, niet later!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Diskussionsforum Färöer Foren-Übersicht -> Geschichte und Brauchtum Alle Zeiten sind GMT
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
Seite 1 von 2

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB2.de