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Erik
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Gefährlicher Vogelfang (historisch, vor 1850)

 
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u.k.



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BeitragVerfasst am: 20.05.2009 11:09    Titel: Gefährlicher Vogelfang (historisch, vor 1850) Antworten mit Zitat

"Man erzählt zu Faroe eine Geschichte von Vater und Sohn, die sich zugleich, der eine über dem andern, an dem üblichen Seile zu einem Vogelfang in die Tiefe senken ließen. Beim Hinabsteigen gewahrten sie, daß zwei von den drei Stricken, aus denen es geflochten, von den scharfen Kanten der Felsen zerschnitten waren, und nur mehr die Last Eines Menschen tragen konnten. Nach kurzem aber angstvollem Wettstreit, trug der Vater es über den Sohn davon losgeschnitten zu werden, und dieser opferte des Vaters Leben als die einzige Möglichkeit sein eigenes zu retten."

(anon.): Vogeljagd auf Faroe und Shetland, in: Das Ausland 23. Jg. 1850, S. 200, 203-4

Die Geschichte gibt es in mehreren Variationen und wurde bis ins 20. Jh. in Büchern über die Färöer nacherzählt.

Englische Version in: Chambers´ Journal 1848, 180-3 und Littells´s Living Age 1848, 550-2 unter dem Titel:

Fowling in Faroe and Shetland. Häufiger nachgedruckt (siehe Google Buchsuche).

Ähnliche Geschichte (Vogelstange statt Seil) mit glücklichem Ausgang:

"Dabei geschah es einmal, daß ein Mann kurz vor dem Abstieg seine Vogelstange verlor. Ein Tau hatten die beiden nicht mitgenommen, und so schien der Unglückliche verloren. Da sagte der unverheiratete Kamerad:´Du hast Frau und Kind, nach mir aber wird niemand weinen. Nimm meine Stange, mir möge Gott helfen`- Gott half ihnen beiden."
Else Zimmermann-Ost: Färöer. Die unbekannten Inseln, Stuttgart 1938, S. 66


Zuletzt bearbeitet von u.k. am 20.05.2009 17:10, insgesamt einmal bearbeitet
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George



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BeitragVerfasst am: 20.05.2009 14:34    Titel: Antworten mit Zitat

In den Orts- oder Insel-Chroniken gibt es eine ganze Reihe von Todesfällen in den Vogelklippen, auch mit ähnlich tragischen Konstellationen: Ein Altbauer auf Stora Dimun z.B. saß zur Sicherung eines abgeseilten Jugendlichen oben am Seil, als sich der Haltepflock löste; er alleine konnte das Gewicht nicht halten, ließ aber das Seil nicht los, sondern stürzte mitsamt dem Jugendlichen in die Tiefe.
(Ich bin gerade im Urlaub, - ich suche den Text raus, wenn ich wieder zuhause bin).

Ich überlege aber, welche Vögel eigentlich durch Abseilen in den Steilwänden gefangen werden konnten...? Alle Fotos, die ich kenne, zeigen nur die Ausbeute von Seevogel-Eiern aus den Vogelwänden. Die jungen, flugunfähigen Eissturmvögel u.a. wurden vom Boot aus auf dem Wasser eingesammelt, für Lummen u.ä. wurden Schlingen (auf Brettern) ausgelegt.
Denkbar, daß ergiebige Papageitaucher-Nistareale, die zu Fuß nicht erreichbar waren, per Seil ausgebeutet wurden. Vor der Einführung der Netze für den Kescherfang (bei dem fütternde Elterntiere - "sildberin" - ausgespart werden) wurden die Vögel aus ihren Bruthöhlen gezogen, mit speziellen "Lundehunden" - übrigens eine hochinteressante Hunderasse! - oder von Hand.
Als Nahrung verwertet wurden im Prinzip alle See- und Strandvögel, mit Ausnahme des Nationalvogels. (Da der Austernfischer an unserer Küste sehr wohl gegessen wurde, nehme ich aber an, daß dies früher in den Färöern auch möglich gewesen sein mag.) Wirtschaftlich wichtig sind die Federn und Daunen der Eiderenten gewesen, die aus den gut erreichbaren Nestern auf den flachen Uferklippen gewonnen wurden.

Interessant, daß die Gentlemen von der Yacht Maria 1854 sich eher herablassend über die Gefahren in den Vogelklippen äußerten:
Zitat:
Wir hatten leider nicht das Glück, Vogeljäger bei ihrer Arbeit beobachten zu können, aber die Vögel werden auf die selbe Weise gefangen wie auf St. Kilda und anderen schottischen Inseln. Die mit diesem Erweb verbundenen Gefahren werden weit übertrieben, und Unfälle sind heutzutage sehr selten.
Der norwegische Chronist Peter Clausen erwähnt jedenfalls ein merkwürdiges Gesetz alter Tage, das es verbot, die Leiche eines Mannes, der beim Vogelfang umkam, auf geweihtem Boden eher zu bestatten, als dass der nächste Verwandte zu dem Punkt aufsteigen will, von dem er herunter gefallen war. Ansonsten wurde davon ausgegangen, dass er sein Ende selber herbeiführte, indem er den Allmächtigen herausforderte. Dieses Gesetz ist umso bemerkenswerter, als dass es offensichtlich seinen Ursprung in der selben Vorstellung hat, die zu demjenigen führten, dass die Beerdigung von Selbstmördern bis in unsere Zeit regelt.


Bei Michael Becker findet sich der lapidare Hinweis:
Zitat:
Die Vogelfänger sind häufig betrunken.

Falls er hier mitliest, wäre ein Beleg willkommen.
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u.k.



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BeitragVerfasst am: 20.05.2009 15:02    Titel: Betrunkene Vogelfänger ? & Stóra Dímun Antworten mit Zitat

Die Mitteilung, dass die Vogelfänger häufig betrunken (sind) wird Michael BECKER sicherlich nicht aus eigener Anschauung sondern nur vom Hörensagen wiedergegeben haben. Ich habe das bisher an keinem anderen Ort gelesen.

Berichte nichtfäringischer Schreiber von der Grind-, Seehund- und Vogeljagd sind in den meisten Fällen ja sowieso irgendwo abgeschrieben.

Die oben erwähnte Geschichte aus Stóra Dímun:

"Als der (Dímun-Bauer) einmal einen 15jährigen Knaben am Seil hatte, löste sich das Rasenstück, auf dem das Seil angepflöckt war. Und obwohl der Bauer sich durch Loslassen des Seils hätte retten können, blieb er bis zum letzten Augenblick seiner Pflicht treu, versuchte den Fall aufzuhalten und stürzte mit seinem Schützling in die Tiefe."

Zimmermann-Ost, a.a.O., S. 18


Zuletzt bearbeitet von u.k. am 20.05.2009 18:22, insgesamt einmal bearbeitet
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u.k.



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BeitragVerfasst am: 20.05.2009 16:58    Titel: Gefährlicher Vogelfang (Teil 2) Antworten mit Zitat

"Noch gefährlicher ist die Lummen- und Alkenjagd, da diese Vögel tiefer dem Meere zuhorsten und es einer längeren Leine bedarf, um zu ihren Brüteplätzen zu gelangen.

Bei diesem Fang geschieht es oft, daß der Vogelfänger eine Höhle in senkrechter Felsenwand unter sich bemerkt, oft ist sie durch einen Felsvorsprung wie mit einem Vordach versehen, in ihr nisten Tausende von Vögeln, deßhalb muß er hinein; er läßt sich also bis über den Vorsprung nieder und wenn er dann vollständig im Freien schwebt, schwingt er sich am Seile in die Höhle hinein, hier macht er sich los und bindet die Leine fest, wobei es einst einem Färinger geschah, daß sie ihm entschlüpfte und nun unerreichbar weit draußen vor ihm hing; um nicht Hungers zu sterben, sprang der Mann in seiner Verzweiflung hinaus, und es glückte ihm wirklich, die Leine im Fallen mit den Händen zu packen, worauf er sich niederließ, bis er festen Fuß faßte. So gefährlich diese Art Fang ist, so lohnend ist sie aber auch, denn nach 3-4 Stunden kann ein einzelner Mann einige hundert Vögel gefangen haben.
"

aus: Der hohe Norden von Dr. Georg Hartwig, 2. Auflage, Wiesbaden 1871, S. 402 (gekürzt aus Ausland 1850, siehe weiter oben).

Spätere Version:

"Es gibt in der glatten Felswand zahlreiche Höhlen, in denen die Vögel mit Vorliebe hausen. (...) Aber der färische Vogelfänger weiß sich zu helfen. Er stößt sich - am Seil hängend - kräftig vom Felsen ab, sodaß er einen mächtigen Schwung seewärts erhält und landet dann im Gegenschwung in der Höhle.

Dort muß er aber seine Leine besonders sorgfältig anbinden, damit es ihm nicht geht wie jenem Mann, dem sie entschlüpfte und der nun in der Höhle gefangen saß, allmählichen Hungertod vor Augen. er setzte alles auf eine Karte, prüfte, wie weit die Leine von der Höhle entfernt hing, und sprang hinaus ins Ungewisse, um sie mit Händen unf Füßen zu fassen. Er hatte Glück, konnte sich anklammern und bis zu einem sicheren Punkt niedergleiten; so kam er heil davon.
"

Zimmermann-Ost: s.o., 1938, S. 66
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George



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BeitragVerfasst am: 24.05.2009 16:43    Titel: Re: Gefährlicher Vogelfang (Teil 2) Antworten mit Zitat

Der Lummen-Fang am Seil in den Vogelfelsen ist vielleicht deshalb nicht so geläufig, weil er m.W. - anders als der Papageitaucher-Fang - heute wohl nicht mehr betrieben wird; aber ich werde mich mal herumhören.
Diese Schilderung meines unbekannten Namens-Vorfahren Dr. Georg Hartwig samt der Technik am Seil habe ich in einer späteren Dokumentation bestätigt gefunden von
Leo Hansen: "Viking Life in the Storm-Cursed Faeroes"
The National Geographic Magazine, November 1930,


Hansen berichtet über einen Besuch auf Stora Dimun, der noch einmal die Gefährlichkeit dieser Jagd belegt (Übersetzung jeweils von mir):

Zitat:
"Der Haushalt, in dem wir wohnten, bestand aus einem 4-jährigen Jungen, seiner verwitweten Mutter, einem männlichen Verwandten (unserem Führer), der die Leitung des Hofs übernommen hatte, und 5 jungen Vogelfängern, die für die Saison von Strömö herüber gekommen waren.
Der Vater des kleinen Jungen kam durch einen Steinschlag ums Leben, der ihn beim Vogelfang in der Klippen-Wand traf; sein Großvater starb, als er bei der gleichen Beschäftigung ins Meer abstürzte; seinen Ur-Großvater traf ebenfalls der plötzliche Tod in Form einer Steinlawine in den Felsen.
Der Vogelfang in den Felswänden von Sora Dimun gilt als gefährlicher als die Seefahrt, und die jungen Männer, die sich dieser Herausforderung stellen, werden in ihrer Familie bis zur Abreise als so gut wie verloren beklagt."


Nach der Beschreibung der bekannten Technik des Papageitaucher-Fangs mit dem Keschernetz beschreibt, schildert Hansen den viel schwierigeren Lummen-Fang:
Zitat:
"Der Fänger nimmt seinen Kescher, befestigt einen Sitz am Ende eines steifen, dicken Seils und nähert sich der Klippenkante. Dann geht er rückwärts über die Abgrund-Kante 200 m über dem Meer. 4 oder 5 starke Männer lassen ihn behutsam hinunter.
(Hansen dokumentiert diesen Vorgang mit einem Foto, auf dem die Sichungsmänner selbst auf einem abschüssigen Hang über der Wand sitzen, - nichts für schwache Nerven!)
Wenn er den äußersten Punkt erreicht, muß er sich mit den Füßen abstoßen, denn die Nistplätze liegen eingeschnitten unter der überhängenden Wand und können nur durch eine schwingende Bewegung erreicht werden. Als ich selbst hinunter ging, habe ich mich nicht richtig abgestoßen, und die Männer mußten mich wieder soweit hinaufziehen, bis ich wieder mit den Füßen an den Felsen kam. Wenn man erst einmal schwingt, kann man den Bogen gezielt kürzer oder weiter steuern.
Eine andere Schwierigkeit findet sich in der Verdrehung des Seils, die Deinen Rücken anstelle der Füße zum Felsen bringen, aber durch Austreten und Rühren mit den Beinen in der Luft kann ein erfahrener Vogelfänger sein Gesicht zur Wand halten.
Wenn er die richtige Höhe erreicht hat, macht der Vogelfänger einen weiten Schwung, landet auf dem Felsvorsprung mit einem fliegenden Sprung und erscheint augenblicklich als der grimmige Tod: er findet sich selbst wieder in einer Kolonie mit Elterntieren, Küken und Eiern, die auf dem bloßen Fels liegen. Das Netz vor sich haltend und halb verdeckt durch den Felsvorsprung, arbeitet er sich auf das lärmende Gewimmel vor, - dabei immer sorgsam sein Seil mit sich tragend. Plötzlich streckt er den Netzkescher aus und die erschreckten Vögel fliegen ins Netz.
Der Fänger hängt sich die Vögel wie auf der Entenjagd an den Gürtel, bis er sie einem Gehilfen, der unten im Boot wartet, zuwerfen kann.
Aber er muß aufpassen, daß er nicht den Gehilfen selbst oder das Boot trifft. Es ist schon vorgekommen, daß selbst Eier, die aus dieser großen Höhe hinabfielen, den Boden eines wartenden Bootes durchschlagen haben."


Ein Ei aus 200 m erreicht eine Geschwindigkeit von ca. 200 km/h, - das klingt schon eindrucksvoll genug, um nicht davon getroffen werden zu wollen...!

Ich bin unbedingt geneigt, die Geschichte von dem Vogelfänger, der angeblich hinaussprang ins Ungewisse, um sein verlorenes Seil "mit Händen und Füßen zu fassen" für eine erschröckliche Ausschmückung zu halten. Dafür braucht es keines überzeugenden Selbstversuchs: das Seil muß weiter weg gehangen haben als die Kescher-Stange lang war, - sonst hätte er es zweifellos damit eingefangen. Ein solcher Sprung mag in action-Filmen überzeugend gefaked werden, im Leben nie! Im übrigen hätte ihn die Sicherungsmannschaft sicherlich nicht untätig verhungern lassen...
Aber sehr eindrucksvoll und gräuslich!
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George



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BeitragVerfasst am: 28.05.2009 13:39    Titel: Antworten mit Zitat

Der Grund, warum die Umstände des Lummenfangs so wenig geläufig sind, liegt in der Tat darin, daß es ihn seit ca. 30 Jahren nicht mehr gibt.
Als Folge des Rückgangs der Populationszahlen wurden alle Formen der Jagd (Keschern, Fallen, Schrot) und das Eiersammeln Ender der 70-er Jahre verboten. Lediglich im Winter ist die Jagd mit Schußwaffe wieder erlaubt, - wohl weil die Beringung nachgewiesen hat, daß die färöischen Lummen dann im Winterurlaub sind und ihr Platz dann von den britischen Verwandten eingenommen wird...

Im sehr empfehlenswerten Buch Lundefangst von Jens-Kjeld Jensen finden sich auch Informationen zur Lummenjagd; dabei auch ein ganzseitiges Foto "Johan Hentze fyglar lomvier på Skúvoy i 1929" (s.17), das den Fänger mit Seil- und Fangausrüstung zeigt.
Der zugehörige Fotograf ist als "ukendt" gelistet, ich tippe aber auf Leo Hansen. Ich hatte das Vergnügen, Johan Hentze in den 80-ern kennen zu lernen und freue mich über dieses Foto deshalb ganz besonders.
Noch eine freudige Nachricht: "Lundefangst" wird in Kürze in einer englischen Ausgabe erscheinen.

Bei der "Lumme" handelt es sich übrigens um die "Trottellumme" (Uria aalge), die Helgoland-Besuchern vom nach ihr benannten "Lummen-Felsen" bekannt ist.
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George



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BeitragVerfasst am: 31.07.2009 11:17    Titel: Antworten mit Zitat

Im färöischen Fernsehen vom Mittwoch, den 29.07.2009 findet sich der Beitrag "Summarloti∂".
Der erste Teil beinhaltet einen Bericht über Drachensegeln in den Färöern, aber ab ca. Minute 19 folgt ein Filmbericht über die Herstellung eines traditionellen färöischen "Bergseils", wie es die Vogelfänger in den Felswänden benutzten. "Bedauerlicherweise" legt die Regie besonderen Wert auf die Dokumentation dieser färöischen Reeperbahn, aber es gibt immerhin auch einige kurze Szenen vom Einsatz dieser Seile.
Jedenfalls ist das traditionelle "Abseilen" nicht tot. Smile
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George



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BeitragVerfasst am: 10.09.2009 11:09    Titel: Antworten mit Zitat

Das traditionelle Abseilen hat auch Eingang gefunden in das örtliche Veranstaltungsangebot:
Suðuroyar Kunningarstova bietet auf seiner facebook-Seite z.Z. einen ganzen Tag "Síging" an auf Färöisch und Englisch:

Zitat:
English: On Saturday the 12th of September 2009 there will be rappelling (in the Faroese way, called síging) in Hvalba in a place west of the village, which is called Norðbergseiði. The rappelling will be from 5 o'clock in the afternoon until 8 o'clock in the evening. If the sea is calm enough the boat Tornado will be waiting below and take you for a sightseeing trip along the west coast of the norther part of Suðuroy. If the sea is not calm, the boat will not be there, the price will be the same for rappelling and boat trip or only rappelling: 450 DKK.
For further information or for signing up, please call Rúni, phone: +298 229000.


Für diejenigen, die mit "rappelling" nichts anfangen können, - jeder Engländer hätte auch "abseiling" verstanden Smile
Diese Veranstaltungen finden regen Anklang, den Fotos und den Beiträgen der stolzen Eltern zufolge, nehmen am Abseilen auch begeisterte Schulkinder teil. Die Technik sieht vertrauenserweckend sicher aus, aber das Gefühl in dieser himmelhohen Wand muß überwältigend sein...
_________________

Der traditionelle Vogelfang ist derweilst nicht vergessen, - soeben hat auf Mýkines der jährliche Fang der einjährigen Basstölpel stattgefunden, der "grey gannets". Der englische Name weist darauf hin, daß die Jungvögel noch nicht die strahlend schwarz-weiße Farbe der Alttiere aufweisen; einen entsprechenden deutschen Namen kenne ich nicht.
Auf der Mýkines-Seite findet sich ein Beitrag zur Geschichte und Technik des "grey gannet"-Fang.
Der Fang ist heute streng limitiert, die überkommene Fangtechnik wird überwiegend zum Beringen der Vögel benutzt. Für die Vogelschutz-Aktivisten, die für diese Aktion auch von anderen Inseln zu Hilfe kommen, winkt sozusagen ein gänsegroßer Festtagsbraten als Lohn der Arbeit.
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Erik



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BeitragVerfasst am: 10.09.2009 11:44    Titel: Fotos - Vogelfang Antworten mit Zitat

http://www.flickr.com/photos/14716771@N05/2538730851/

http://www.flickr.com/photos/14716771@N05/2539599268/

http://www.flickr.com/photos/14716771@N05/2538730843/sizes/l/

http://www.flickr.com/photos/14716771@N05/2538730831/sizes/l/

http://www.flickr.com/photos/14716771@N05/2538730807/sizes/l/
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George



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BeitragVerfasst am: 23.09.2009 06:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hier sind Fotos vom diesjährigen Fang der "grásúla" (grey gannet/junge Baßtölpel)
Dazu Fotos von 1954.
Besonders die letzteren illustrieren den "gefährlichen Vogelfang" (in schwarz-weiß).
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u.k.



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BeitragVerfasst am: 23.09.2009 07:19    Titel: Bodo ULRICH (Fotos 1954) Antworten mit Zitat

Sagenhafte Fotos.

Bodo ULRICH kennen einige Mitglieder des DFF, weil er vor einigen Jahren mal bei einer Mitgliederversammlung des Vereins aufgetaucht ist. Den Film haben wir auch schon mal gesehen. Die Qualität der Kopie war allerdings nicht so toll.

Siehe auch:

ULRICH, Bodo:Gannet-Hunting in the Faeroes, in:
The Geographical Magazine, vol. 28 (February) 1956, pp. 471-7 (mit Fotos)

"Excellent photographs and a brief commentary"
John F. WEST:Faroe: the emergence of a nation. 1972, p. 289
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George



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BeitragVerfasst am: 24.09.2009 16:25    Titel: Antworten mit Zitat

Ich muß nachtragen, daß die jungen Baßtölpel auf den Färöern nicht mehr ornithologisch beringt werden. Beim Einsammeln der grauen Baßtölpel-Jungen wurden bislang die weißen Jungen (weiß wegen der noch vorhandenen Küken-Daunen) beringt. Das fand auf Mykines seit 1932 statt und ist zu einem mir nicht bekannten Zeitpunkt eingestellt worden. Seit 1990 wurde die Beringung wieder durchgeführt und zwar von Jens-Kjeld Jensen und Oskar Joensen. Dieses Projekt wurde nun eingestellt wegen der Verletzungsgefahr (für die Jungvögel):

Die Baßtölpel werden leider in außerordentlich hohem Maß Opfer der Umweltverschmutzung mit Plastikmüll. Die Elterntiere zeigen eine unglückliche Vorliebe für Netzteile und Angelschnur-Gewirr und polstern die Nester damit regelrecht aus. Viele Küken sind von klein auf regelrecht eingeschnürt in diese Todesfallen und haben keine Chance. Es wird befürchtet, daß die ornithologischen Ringe zusätzlich dazu beitragen könnten, daß die Vögel sich in dem tödlichen Plastikmüll verheddern.

Ein ähnlicher Effekt ist bei kleinen Austerfischern beobachtet worden, an denen sich Schafwolle in großen Knäueln festgehängt hatte.
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