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Eine Segelreise zu den Färöer-Inseln

 
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George



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BeitragVerfasst am: 16.11.2009 07:37    Titel: Eine Segelreise zu den Färöer-Inseln Antworten mit Zitat

In der Vorbereitung eines Segeltörns hatte der Akademische Segler-Verein Hamburg vor einigen Monaten beim DFF angefragt wegen Übersetzungshilfe von färöischen nautischen Texten.
Mit der Zeit der Nachbereitung der sommerlichen Unternehmungen jetzt zum Jahresende kam auch die Rückmeldung dieser Färöer-Segelfahrt:

Zitat:
Sie hatten uns im Sommer diesen Jahres so gut mit navigatorischen, sprachlichen, kulturellen und geographischen Tips über die Färöer-Inseln geholfen, da hatte ich damals versprochen, Ihnen einen Fahrtbericht zu schicken.




Zitat:
Eine Segelreise zu den Färöer-Inseln

Auf den Spuren Erich Bonnhöffers und Commander R.D. Grahams [s.Anm.1]



Leinen los auf den Orkney-Inseln


Am 14.6.2009 warfen wir in Kirkwall auf den Orkeny Inseln die Leinen unserer Röde Orm los, eine fast neue Elan 40, um in Richtung Thorshavn auf den Färöer-Inseln in See zu stechen. Wir das waren Thomas, Gunnar, Stefan, Hans-Jörg, Tilman und ich, Jan. Gegen die noch leicht auflaufende Tide segelten wir bei Sonnenschein und leichten Winden durch den Shapinsay-Sund und dem Westray Firth durch die Orkney-Inseln, vorbei an futuristisch wirkenden aber dennoch bereits ganz realen Turbinen eines Gezeitenkraftwerks.
Nachdem wir den offenen Atlantik erreicht hatten, begannen wir die Wachen nach unserem Wachplan zu gehen, der vorsah, dass von uns sechsen immer drei Wache hatten. Alle ca. 1,5, Stunden wurde einer ausgewechselt.
Ebenso waren die Tagwachen länger also die sogenannten Nachtwachen. Dadurch hatte man in der einen Nacht die Hundewache, um dann in der darauf folgenden Nacht erst später aus der Koje zu müssen. Sogenannte Nachtwache deshalb, weil es zu dieser Jahreszeit in diesen Breiten nicht wirklich dunkel wird. Es wurde maximal so dunkel, wie bei leichter Dämmerung, wir konnten also immer Farben sehen und auch ohne Probleme ohne künstliche Beleuchtung lesen. Die Positionslaternen haben wir so gut wie nicht gebraucht, vor allem da wir auf dem Weg zu den Färöern außer einer Bohrinsel keine anderen schwimmenden Objekte angetroffen haben.
Die Temperaturen sowohl des Ozeanwassers als auch der Luft lagen durchgehend bei 12-13° C, der Lufttemperaturunterschied zwischen Tag und Nacht betrug ca. 1°C.


Überfahrt und Ansteuerung Thorshavn


Der Wind kam die ganze Zeit optimal aus West mit 3 Bft. so dass wir eine ruhige und schnelle Überfahrt hatten. Allerdings hatte uns der Wind auf dem letzten Drittel verlassen, so dass wir 12 Stunden motoren mussten. Die Atlantikdünung hat in der tiefstehenden Sonne einen völlig surrealen Eindruck erzeugt, das Meer sah aus wie Sanddünen in der Wüste.
Spannend wurde dann noch einmal die Ansteuerung von Thórshavn durch den Nólsoyfjord, denn wir hatten viel über die chaotischen Strömungen dort gelesen. So gibt es hier eine gezeitentechnische Anomalie, die bedingt dass die Gezeitenströmung in diesem Fjord 8 Stunden nach Süden fließt und nur 4 Stunden nach Norden. Ansonsten sprechen die Färöer auch nicht von Ebbe und Flut, sondern nur von ost- bzw. westgehender Strömung, denn der Tidenhub beträgt nur ca. 10 cm. Konsequenterweise gibt es auch kein Hoch- und Niedrigwasserzeitpunkte sondern nur den Zeitpunkt des Richtungswechsels der Strömung.
Die Strömungsatlanten und das Hafenhandbuch hatten wir uns schon in Hamburg und vor der Ansteuerung immer wieder durchgelesen und uns die verschiedensten Taktiken zurechtgelegt. Dabei war das angenehme, dass wir uns um das Tageslicht keine Gedanken machen mussten, weil wir wussten, dass immer gutes Licht sein würde, auch morgens um 2 Uhr. Nebel hätte dagegen ein ernsthaftes Problem sein können und einen Landfall verhindert.
Als wir nun am Südeingang des Fjordes standen, starrten wir uns die Augen aus dem Kopf, wie es sich denn nun mit der Strömung verhielte. Aber wir konnten nichts ungewöhnliches entdecken und so schoben wir uns langsam voran. Wir konnten durch den Vergleich von Logge und GPS eine leichte Gegenströmung feststellen, die aber nur ca. 1kn ausmachte. Also alles ganz harmlos hier am Ostrand des Fjordes. Aber wie würde es in der Mitte werden, wenn wir nach Westen abbögen, um in den Hafen von Thórshavn zu gelangen?
Nachdem inzwischen die Sonne wieder aufgegangen war, tauchte sie die Hänge der Stadt in ein hellgoldenes Licht und dank der klaren Luft hatten wir eine gestochen scharfen Sicht bei der Ansteuerung. Auch in der Mitte des Fjordes war die Strömung harmlos. [s.Anm.2]
So gelangten wir ohne Mühe in den Hafen, wo wir direkt neben dem Fischerkai einen Liegeplatz fanden, morgens um 5 Uhr des 15.6.2009.


Die Grasdächer von Thorshavn


Nachdem Klar-Schiff-Machen und Frühstück machten wir uns zur Erkundung der Stadt auf.
Bei blitzblauem Himmel aber einer kühlen Brise entdeckten wir die Grasdächer der Häuser, in denen auch die Regierung der Färöer untergebracht ist, die alte Festung, auf der noch englische Geschütze aus dem zweiten Weltkrieg vor sich hinrosten. Auch den Hafenmeister besuchten wir, um unseren Obolus zu entrichten. Die Jungs hatten die Ruhe weg und waren durch uns hektische Großstädter nicht aus der Ruhe zu bringen. Der Vorgang des Kassierens von ca. 20 Euro Hafengeld und Ausstellen einer Quittung dauerte gut und gerne seine 10 Minuten, während derer aber auch kein Wort zuviel gesprochen wurde. Die meiste Zeit ging damit drauf, erst den Block, dann den Stift, dann die Gebührentabelle und am Ende den unentbehrlichen Stempel, ohne den keine Bürokratie funktioniert, zu suchen. Dazwischen musste der Zettel noch mit konzentrierter Miene von einem Schreibtisch zum anderen getragen werden.
Von den Fischern, die direkt vor uns anlegten, kauften wir mehrere fangfrische Dorsche, die wir mit Genuß zum Abendessen verspeisten.


Auf der schiefen Bahn


Für den nächsten Tag hatten wir ein Auto für eine Rundfahrt gemietet. Allerdings hatten wir vergessen unser Sonnenscheinabo zu verlängern, deshalb hatten wir pottendicken Nebel, so dass wir besonders auf den Passstrassen kaum mehr als 50 m weit gucken konnten. So hatten wir uns das nicht vorgestellt!
Aber unbeirrt fuhren wir in die nordwestliche Ecke der Insel Esturoy, die mit der Insel Streymoy, auf der Thórshavn liegt, mit einer Brücke verbunden ist. Dort konnte man dann auch schon wieder mehrere Meilen weit gucken. Bei leichtem Nieselregen kraxelten wir auf den Felsen umher, schauten den Fischern beim Slippen eines Fischerbootes zu und fuhren dann weiter an herrlichen Fjorden und Tälern nach Erdu.
Auf dem Rückweg statteten wir noch der alteehrwürdigen Ruine der Magnuskathedrale aus dem 13. Jhd. in Kirkjubøur einen Besuch ab, welches wunderbar einsam durch einen Bergrücken von Thorshavn abgetrennt ist. Man kann dort auch eine Tageswanderung hin machen. Die Kathedrale wurde nie vollendet und steht daher seit eh und je ohne Dach da. Um die Ruine, von der die vier Seitenwände vollständig erhalten sind, vor den Unbilden der Natur zu schützen, wurden Schutzkonstruktion aus Stahlrohren und Holzplatten über die Wände gestülpt. Daher kann man aktuell die Ruine leider nicht in ihrer vollen Pracht bestaunen.
Da der Wind immer noch kalt war und wir langsam müde waren, trollten wir uns alsbald wieder.


Schaukelei nach Tvøroyri

Am nächsten Tag hatte Rasmus dann doch wieder ein Einsehen mit uns und ließ die Sonne scheinen. Das war also ideal, um wie geplant nach Tvøroyri auf der Insel Suðuroy zu segeln.
Zunächst tankten wir, wo aber keine unserer Kreditkarten an der Tanksäule funktionierten, der freundliche Tankwart dann mit seiner Karte aushalf und wir ihm das Geld in bar gaben. Die Zahlen des Zählwerks der Tanksäule waren so zerfallen, dass wir nicht genau erkennen konnten, wie viel die genaue Rechnung betrug, aber es kam mit unseren überschlägigen Berechnungen hin.
Dann segelten wir zunächst in Rauschefahrt durch den Nølsoyfjord in südlicher Richtung zu den Stromkabbelungen am Kap Kirkjubønes. Es herrschte Westströmung, weil wir ja auch nach Westen wollten. Hatten wir also richtig geplant. Aber wir sind einen großen respektvollen Bogen um das Kap gesegelt, bevor wir in den Hesturfjord nach Nord-Westen einbogen, weil hier auf Grund der starken Strömung eine ziemlich kabbelige See stand. Die Wellen waren zwar nur ca. ½ m hoch, aber kurz und steil und schwappten gelegentlich an Deck. Da wir nicht wussten, wie es da sonst noch zu geht, haben wir diesen Bereich weiträumig gemieden. Dann aber sind wir bei zwei Windstärken mit 10 Knoten über Grund an den kleinen Inseln Hestur und Koltur durch den Hesturfjord gesegelt, so stark war die Strömung, ca. 6 Knoten. Am Nordende dann erwartete uns wieder die langgestreckte Atlantikdünung, die auch noch die Wellenausläufer eines Sturmes, der Tags zuvor über Großbritannien hinweggefegt war, mit sich führte. Da wir recht wenig Wind hatten und die Strömung stark gegen die Dünung lief, ergab das ein fürchterliches Geschaukel mit flappenden Segeln. Zum Glück muß man sich hier nicht um Wassertiefen sorgen, denn es ist selbst 100 m vor der Küste noch locker 40 – 50 m tief. So bargen wir die Genua und motorten den Rest der Strecke, d.h. über 30 sm, vorbei an den schroffen, jäh aus dem Ozean aufragenden Westflanken der Inseln Sandoy, Skuvoy, Stora Dimun (Großer Teufel) und Litla Dimun (kleiner Teufel), letztere ist unbewohnt. Das ist angesichts der schieren Unzugänglichkeit vom Wasser aus auch kein Wunder.
Die Ansteuerung Tvøroyris bot dann noch einen navigatorischen Leckerbissen, da die Fjordeinfahrt um zwei Ecken schön mit Ober- und Unterfeuern bzw. deren Tagzeichen markiert waren.
Im Hafen selbst lagen wir dann zwischen zwei Fischkuttern, wovon der eine als Nebenerwerbsquelle dient, wie uns der Besitzer erzählte. Wir wurden vom Hafenmeister freudig begrüßt, er zeigte uns sofort die kostenlosen Duschen und Toiletten, wie auch der ganze Hafen für uns kostenlos war. Man freute sich ganz einfach über den seltenen Besuch. Allerdings waren wir nicht die einzige Yacht, es gab noch eine englische und eine norwegische Yacht.


Eine sehr kurze Speisekarte

Abends wollten wir dann essen gehen. Das einzige Restaurant befand sich in einem kleinen Hotel. Die Menüwahl gestaltete sich dann sehr einfach, denn es gab nur ein Gericht: Ein halbes Hähnchen mit Bratkartoffeln und Salat. Es schmeckte wunderbar. In diesem Ort ist es üblich, dass man rechtzeitig vorher anruft, wenn man zum Essen vorbeikommen will, damit die Küche die Zutaten besorgen kann. Auf Grund der geringen Bevölkerungsdichte kommen so wenige Gäste vorbei, dass sich eine üppige Vorratshaltung nicht lohnt.
Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen von der Färöerinseln. Wir stachen wieder in See, diesmal Kurs Ost Richtung Shetland Inseln. Das Wetter war wieder 1a, achterlicher Wind und Sonnenschein, so dass wir sofort den Spi zogen und ihn 160 sm lang nicht wieder bargen, abgesehen davon, dass er zwischendurch einmal selbst von oben kam, weil das Fall gebrochen war. Aber wir setzten ihn mit dem 2. Fall wieder, und weiter ging´s.
Wir setzten unsere Reise von den Shetland Inseln nach Bergen in Norwegen fort, wo wir zum Abschluß unserer Reise hochsommerliche Temperaturen antrafen und uns wie am Mittelmeer fühlten.

Skipper und Autor: Jan Prahm, ASV-Hamburg, www.asv-hamburg.de



Anmerkungen von mir:
1. Anmerkung zu Segeltour von Graham
2. Wie der Seegang bei etwas schlechterem Wetter vor Suðuroy aussehen kann zeigt diese aktuelle Aufnahme aus dem Färöischen Fernsehen.

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