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Einwohner Nolsoy's stammen von schottischem König ab

 
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George



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BeitragVerfasst am: 23.12.2009 19:28    Titel: Einwohner Nolsoy's stammen von schottischem König ab Antworten mit Zitat

In Beschreibungen der Insel Nólsoy findet sich an einigen Stellen der Hinweis auf Ruinen im "Korndal", grasüberwachsene Grundmauern steinerner Hütten, von denen die größte als "Prinsessutoftir" bezeichnet wird, weil darin eine Prinzessin gewohnt habe. Die dazugehörige Sage wird ausführlich von Nelson Annandale*) berichtet. Daraus geht hervor, daß die gesamte Einwohnerschaft von Nólsoy - bis vor kurzem jedenfalls - vom schottischen Königshaus abstammen sollte:
__________________________

"Im kleinen Tal Kongsdaal auf Nólsoy kann man immer noch die Grundmauern von ein paar kleinen Hütten oder Schuppen in den Heu-Wiesen und Kartoffel-Beeten des Dorfs Eide erkennen. Eine dieser Ruinen, die etwas größer ist als die anderen, obwohl nicht größer als ein kleines Schlafzimmer in einem modernen Haus, ist bekannt als das "Prinzessinnen-Haus". Es heißt, daß darin vor langer Zeit eine schottische Prinzessin gelebt habe. Sie war die Tochter König Jacob's von Schottland, und hatte heimlich einen Pagen namens Eric geheiratet, der aus dem Ausland an den Hof ihres Vater's gekommen war.
Aus Furcht vor Entdeckung floh sie mit ihrem Mann und vielen Gefolgsleuten mit einem Schiff und kam schließlich zu den Färöern. Hier hatte kurz zuvor die Pest gewütet und hatte die Einwohner Nólsoy's ausgelöscht. Sie ließ sich von ihren Leuten ein Haus in Kongsdaal bauen, wo sie bald darauf einen Sohn zur Welt brachte. Ihr Vater verfolgte sie sogar bis zu den Färöern. Das erste was sein Blick traf, als er auf Nolsoy landete, war sein kleiner Enkelsohn, der zufällig am Ufer spielte. Der Junge kam ganz nach seiner Mutter, und der König erkannte ihn auf den ersten Blick als seinen Enkelsohn. Die Schönheit und der männliche Blick des Knaben ebneten den Weg zur Vergebung, König Jakob wurde versöhnlich gegen seine Tochter und ihren Mann und bat sie, mit ihm nach Schottland zurückzukehren. Dies lehnten sie jedoch ab und ihr Vater segelte ohne sie nach Schottland zurück. Dem Sohn allerdings, der Vater und Tochter durch seine Geburt versöhnt hatte, war vom Schicksal bestimmt, durch seinen Tod Schwierigkeiten mit einem ganz anderen Monarchen zu verursachen.

Als der König nach Schottland zurückgekehrt war, spielte sein Enkel wieder einmal am Meeresufer, wo er so unglücklich in sein Messer fiel, daß er sich selbst ums Leben brachte. Daraufhin konfiszierte König Christian von Dänemark die Hälfte der Insel der Prinzessin, weil er sie als Katholikin nicht leiden konnte. Die Hälfte davon übertrug er einem Nobelmann an seinem Hof, die andere Hälfte behielt er selbst. Etwa ein Drittel von Nólsoy ist heute noch Kronbesitz, und der Britische Konsul in Torshavn teilte mir mit, es sei historisch verbürgt, daß die Hälfte der Insel dem frühere Eigentümen als Strafe wegen Papistentum ("popery") genommen worden war. Wer dieser Eigentümer wirklich war, kann ich nicht sagen, aber die Insel-Bewohner glauben fest, daß es sich um die Tochter König James II von Schottland gehandelt hat, zu dessen Zeiten sie die Färöer wohl erreicht haben mag, auch wenn sie womöglich keine Königstochter war, und auch wenn die Katholikenverfolgung erst Generationen später stattfand.

Aus diesem Grunde jedenfalls heiraten einige Familien unter Berufung auf die Abstammung von der Prinzessin bis zum heutigen Tag ausschließlich untereinander. Waren sie nicht die Abkömmlinge des Königs von Schottland? Und aus diesem Grund sagt man den Bewohnern dieser kleinen Insel, die kaum einmal mehr als 200 Köpfe zählten, nach, daß sie noch bis vor Kurzem vollkommen unduldsam waren, wenn einer ihrer Söhne eine Braut von außerhalb heimführen wollte.
Eine unverkennbar sehr alte Frau erklärte mir, daß sie auf Nólsoy förmlich boykottiert worden war, als ihr erster Mann, ein Nólsoyer, sie zu sich nahm, - weil sie selbst aus Streymoy stammte.
(...)
Es heißt auch, daß einige der Gefolgsleute der schottischen Prinzessin nicht auf Nólsoy, das ganz von ihren Kindern bewohnt wurde, geblieben sind, sondern daß jedenfalls einige von ihnen nach Suderoy gezogen sind. Es ist von mehreren Beobachtern bemerkt worden, daß die Menschen dieser Insel, im Durchschnitt etwas kleiner und dunkler sind als diejenigen der übrigen Inselgruppe und wissenschaftliche Untersuchungen haben diese Bemerkungen in Gänze bestätigt."


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*) Nelson Annandale war stv. Leiter des Indischen Museums in Kalkutta als sein Buch 1905 herauskam.
Nach seinen Angaben im Vorwort ist es das Ergebnis der Arbeit einer ganzen Reihe Sommer- und Herbst-Urlaube, die er zwischen 1896 und 1903 auf den Färöern und auf Island verbracht hat.

The Faroes and Iceland: Studies in Island Life - Nelson Annandale; Oxford, Clarendon Press, 1905.
neu erschienen:
2009, ISBN: 1113540796, Gebundene Ausgabe, Verlag: Bibliobazaar, 208 S.
2009, ISBN: 1458875636, Taschenbuch, Cambridge Scholars Publishing, 162 S.
Das Buch ist in allen Versionen im Buchhandel bzw. Antiquariat erhältlich; ich habe den Text digitalisiert
und leider ohne Abbildungen im "Internet Archive" gefunden.
Übersetzung des Auszugs von mir.

Fotos des Prinzessinnen-Hauses finden sich bei Eileen Sandá und bei der Tourist Information Nolsoy.


Die Geschichte von der Nólsoyer Prinzessin gibt es als Kinderbuch in färöischer Sprache:
Kongsdóttirin í Nólsoy. Tórshavn: Føroya lærarafelag, 1996. ISBN 99918-1-080-3
geschrieben von Oddvør Johansen, illustriert von Edward Fuglø, beide in ihrem Fach bekannte und ausgezeichnete Künstler.

Die Prinzessin heißt übrigens Marianna.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
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