www.faroe-islands.de
Das Forum für Freunde der Färöer-Inseln
Banner
Es ist Freitag, der 19. Januar 2018 4.46 Uhr     (4.99 % von 2018)

Diskussionsforum Färöer Foren-Übersicht Diskussionsforum Färöer
Der deutschsprachige Treffpunkt für Freunde der Färöer-Inseln
 
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Calderon Delfine
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5  Weiter
 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Diskussionsforum Färöer Foren-Übersicht -> Natur / Landschaft / Tierwelt
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 29.08.2010 12:07    Titel: Antworten mit Zitat

Dieser Artikel - Du findest aber auch immer Sachen, u.k.!! Wink - gehört zur PR-Auseinandersetzung und liegt vom Fakten-Bezug auf dem Niveau der o.a. Kettenbriefe.
Auf eine seriöse Diskussion unter Gesichtspunkten religiöser Regeln wäre ich jedoch dennoch gespannt; nicht weil der Anteil an Mohammedanern in den Färöern relevant wäre (sie gibt es!), sondern weil dies ein ethisch geprägter Blick aus einer ganz anderen Richtung wäre. Und soweit ich weiß, ist Mohammedanern im übrigen der Verzehr von Walfleisch nicht untersagt.
Sowohl die islamischen (wie auch die jüdischen) Speise- und Schlacht-Bestimmungen sind zuallererst vom Tierschutz-Gedanken geprägt. In den USA ist das religions-konforme Schlachten für "halal" und "koscher" ausdrücklich als tierschutzgerecht akzeptiert; dies Fleisch wird inzwischen von einem erheblichen Anteil nicht-islamischer bzw. -jüdischer Käufer bevorzugt als Alternative zum Industrie-Schlachtfleisch.
Das ordnungsgemäße Töten der Grindwale in den Färöern erfolgt im Prinzip nach ganz ähnlichen Regeln: striktes Unterlassen vermeidbarer Qualen, schnellstmögliches Töten, Ausbluten lassen.

Szenen, in denen Männer, gleich welchen Alters und Haarfarbe wild im Waser "auf Delfine einstechen" sind damit - selbstverständlich auch nach färöischen Vorstellungen - unvereinbar und finden zuallererst in der Phantasie der "Tierfreunde" statt.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1419
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 30.08.2010 11:17    Titel: WAZ-Artikel auf dem Niveau der Kettenbriefe ? Antworten mit Zitat

Den Artikel von André ANWAR habe nicht ich entdeckt, sondern ich bekam ihn von jmd. zugeschickt. Die WAZ kann ich in Berlin nicht lesen. Im Deutsch-Färöischen Freundeskreis wird ja von mehreren Mitgliedern seit mindestens 20 Jahren alles Geschriebene in deutscher und englischer Sprache gesammelt und bibliographisch erfasst.
In dem genannten Artikel fiel mir das, was ich zitiert habe, auf, weil ich es noch nicht woanders gelesen habe. Ansonsten beschreibt er das Übliche.
Ich habe keine Zweifel, dass die Fakten stimmen:

(Geklaute) Bilder eines älteren Grindwalfanges bei Bøur wurden am 5. Dezember 2008 (und öfter) unter dem Titel

DANMARK WHAT A SHAME
von
lait-alsahara.com
ins Internet gestellt.

Zwei konservative britische Abgeordnete des Europäischen Parlaments haben 2009 dort schriftliche Anfragen zum färöischen Grindwalfang gestellt. Ihre Namen sind:
Syed KAMALL, 1967 in GB geboren, Großvater war aus Indien,
Sajjad KARIM, 1970 in GB geboren, pakistanischer Abstammung, der erste britische Moslem im EP.
Die Titel der Anfragen waren:
1) Calderon-Dolphin Hunt in the Faroe-Islands (16.7.09) und
2) Inhumane hunting of Calderon Dolphins (20.7.09).
Beide Abgeordnete sind Moslems (lt. Internetrecherche). Ausgerechnet "inhumane hunting" (!)

Der Journalist des Artikels, André ANWAR, ist Korrespondent für mehrere deutsche Zeitungen. Er hat z.B. auch über die Mohammed-Karrikaturen aus Skandinavien berichtet. Den Nachnamen ANWAR (ca. 242 mal in Deutschland) findet man übrigens häufiger in Verbindung mit Vornamen, die ursprünglich aus dem arabischen Raum stammen.
Ich glaube schon, dass der Autor weiß, worüber er schreibt.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 30.08.2010 14:57    Titel: Antworten mit Zitat

Danke, Uwe,

der Artikel von Anwar ist u.a. in den Stuttgarter Nachrichten erschienen und online einsehbar.

Ich habe nur ganz kurz nachgesehen:

Andrea Vollmer hat im Jahr 2007 ihre Diplomarbeit als Fotostudentin der FH Hannover auf den Färöern gemacht:
FØROYAR: Anlegen im Nordatlantik

Johanna Roto (angegeben als vom färöischen Kulturverband) ist Mitarbeiterin in Nordregio, Nordic Centre for Spatial Development mit Adresse in Stockholm; sie war vorher an der Universität Helsinki.
Sie hat im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit als Kartographie-Expertin am Theme Grindwal-Fang gearbeitet, aber hat m.W. nie eine Funktion in den Färöern gehabt.

Die konkrete Beschreibung der Jagd kann nicht aus eigener Beobachtung stammen, - "spitze Stäbe", "bei vollem Bewußtsein" stammt aus dem Vokabular der "Walschützer"; usw.

Das macht mich nun schon etwas neugierig, und ich sehe mir das in den nächsten Tagen mal näher an.



Ergänzung:

SCHRIFTLICHE ANFRAGE von Syed Kamall (ECR) an die Kommission
Betrifft: Jagd auf Calderon-Delfine auf den Färöer-Inseln

SCHRIFTLICHE ANFRAGE von Sajjad Karim (ECR) an die Kommission
Betrifft: Unmenschliche Jagd auf Calderon-Delfine

Das Europäische Parlament dokumentiert eine Vielzahl von Anfragen von Abgeordneten verschiedener Länder und diverser Parteien, von links bis rechts, zur färöischen Grindwal-Jagd. Die beiden o.a. englischen Abgeordneten sind die einzigen, die den Begriff "Calderon-Delfine" verwendet haben.
Der Begriff stammt eindeutig aus den Kettenbriefen, über die hier im Forum zu lesen ist.
Die Antwort auf diese Anfragen hätte aufgrund der bekannten Rechtslage eigentlich auch jeder Forums-Teilnehmer geben können, aber britische Abgeordnetenbüros funktionieren sicherlich nicht anders als deutsche.

Die jeweilige Herkunft spielt angesichts der pauschalen Fragestellungen sicherlich keine Rolle, - es gibt bspw. auch einen Fragesteller aus den Niederlanden mit italienischem Namen; das ist einfach gut Europa.


2. Ergänzung:

Die arabische Webseite heißt www.lail-alsahara.com/. Einige Angaben darüber finden sich hier, u.a. daß sie auf einem US-Server gehostet ist.

Wer nach dieser Webseite googelt wird im Bilder-Modus etliche Färöer-Fotos sehen und darüber auf die jeweiligen Webseiten zugreifen können. Es sind immer wieder dieselben Fotos verwendet, auf Webseiten und in Blogs, als Beispiele führe ich diese deutsche und diese türkische an.
Die Fotos werden manche von uns schon kennen, - interessant daß sie nun ein arabisches copyright haben.

Den arabischen Text, auf den Anwar sich bezieht habe ich - naturgemäß - nicht gefunden, - bedauerlicherweise aber auch an keiner Stelle eine Übersetzung. Vielleicht sind andere hier erfolgreicher. Ich würde sehr gerne erfahren, ob es für die Behauptung "Wahrscheinlich als Reaktion auf die umstrittenen Mohammed-Karikaturen" auch nur den Hauch einer Begründung geben kann.

Ich denke einstweilen, daß es sich um eine "ganz normale" Kampagne handelt, nur eben auf Arabisch... Wink
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1419
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 31.08.2010 12:42    Titel: "Nicht aus eigener Beobachtung" ? Antworten mit Zitat

Ob die Beschreibung eines Grindwalfangs von André ANWAR in verschiedenen Zeitungen (s.o.) aus eigener Beobachtung stammt oder nicht, möchte ich nicht beurteilen. Jedenfalls ist der Artikel mit dem Vermerk "aus Torshavn" versehen. Der bisher letzte Grindwalfang in diesem Jahr hat wohl am 5. August in Leynar stattgefunden (73 Grindwale).

Das benutzte Vokabular der "Walschützer" ist nicht unbedingt ein Indiz gegen den eigenen Augenschein des Autors.

Auch GRABA hat in seiner Schilderung eines 1828 miterlebten Fangs in Tórshavn in seinem 1830 erschienenen TAGEBUCH Formulierungen aus DEBES und LANDT benutzt.

Der auf den Färöern praktizierten Grindwalfang scheint die Fotografin Andrea VOLLMER bei der Abgabe ihrer Diplomarbeit 2007 noch nicht so sehr gestört zu haben, siehe die dazugehörige Erläuterung vom Juli 2007 und Info bei GEO:
http://www.fotostudenten.de/index.php?id=322
http://www.geo.de/GEO/fotografie/junge-fotografie/50925.html?maction=profile&user=28096&state=9&college=30&pg=1

Die Fotos sind auch auf:

www.andreavollmer.de/index.php?/Projects/projekt-1/
Ein Foto zeigt das blutgefärbte Wasser in der Bucht von Tjørnuvík, das folgende getötete Wale.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 16.09.2010 15:58    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe interessehalber die Angaben von André Anwar überprüft, weil mich die journalistische Mechanik interessierte, wie so ein Artikel zustande kommt.

Es ist am Ende ziemlich einfach, und ich kann mich festlegen:

Der Artikel setzt sich im großen Ganzen aus Recycling-Informationen zusammen, die sich jedermann in wenigen Minuten zusammensuchen kann, um sein Zeilen-Debutat billig aufzufüllen.
Nichts an dem Artikel weist auf ein konkret beobachtetes Ereignis hin; - Anwar behauptet auch nicht einmal, daß er selbst etwas beobachtet habe.
Er erweckt beim Leser jedoch den Eindruck, es handele sich um einen authentischen Bericht durch Angabe des Reportage-Orts "Torshavn", - die Falschschreibung ist original -, sowie durch Zitate namentlich genannter Personen, die als eingefangene Life-Kommentare erscheinen.

Beide Zitate sind Täuschungen:

Die Eine war definitiv seit Jahren nicht auf den Färöern, die Andere ist hell empört, daß sie namentlich in einem solchen Zusammenhang zitiert wird. Selbstverständlich hat der Autor niemals mit ihr gesprochen. Möglicherweise stammen die Texte aus irgendwelchen Publikationen, dann ohne jeden Zusammenhang und - nicht überraschend, weil darunter die Fiktion des Authentischen verginge - ohne Quellenangabe.

Es gibt lediglich zwei originäre Angaben, - die eine:
Zitat:
Dann geht es schnell. Männer eilen zu ihren Motorbooten – eine Flasche Bier in der einen, das Steuer in der anderen Hand. Sie treiben die Meeressäuger in eine Bucht, dann beginnt das Gemetzel. Im flachen Wasser stoßen die Färinger den Tieren spitze Stäbe ins Atemloch am Rücken, um deren Ortungssystem außer Kraft zu setzen.

Die "Flasche Bier" ist Anwar's Zugabe, um die Jagd ins richtige Licht zu stellen. Die Erwähnung von Alkohol während der Jagd findet sich an keiner anderen Stelle im großen, weiten Netz. Und wir können sicher sein, gäbe es eine solche Beobachtung, wir hätten vielfach in mehreren Sprachen davon gehört.
Jederman wird mir beipflichten, daß die blásturongul („Blaslochangel“) auch mit vergessener Brille nicht mit "Spitze Stäbe" verwechselbar ist. Müßig darauf hinzuweisen, daß damit nicht der Ortungssinn ausgeschalten werden soll, - wozu auch, der Schlepphaken dient dazu, den Wal auf dem Strand zu fixieren um den tödlichen Schnitt präzise zu setzen. Jede Form von "Stäben", ob als Speer oder Harpune ist seit 1985 förmlich verboten.
Wer so etwas schreibt, hat definitiv selbst nichts gesehen.

Der zweite originäre eigene Beitrag bringt den Bezug zur "islamischen Welt", dem der ansonsten nichtssagende Artikel die Titelzeile "Seltsame Schützenhilfe von arabischen Medien" und wohl auch die Verbreitung verdankt:
Zitat:
Die letzte Delfinjagd gab es anlässlich des färöischen Nationalfeiertags am 29.Juli. Danach haben Tierschutzverbände zum Boykott sämtlicher Waren von der Inselgruppe aufgerufen. Sonderbare Schützenhilfe haben sie dabei von arabischen Medien erhalten. Wahrscheinlich als Reaktion auf die umstrittenen Mohammed-Karikaturen, mit denen Dänemark 2005 den Ärger der islamischen Welt auf sich zog, veröffentlichten einige Zeitungen und Internetportale jetzt Fotos, auf denen junge blonde Männer im Wasser auf Delfine einstechen. „Die barbarischen Dänen“, titelten sie.

Es gibt wohl eine "Petition" gegen den Grindwalfang mit diesem Datum, der letzte "Boykott" der Walschützer ist am 26.05.2010 mit Ortmüllers Konterfei in Bild verzeichnet, - allerdings nicht gegen die Färöer. Am 30.07.2010 übernimmt dieselbe Bild den Horrorbericht der Sea Shepherd von der mißglückten Klaksvík-Jagd; - kein Wort von Boykott. Der einzige Hinweis auf einen möglicherweise beabsichtigten, jedoch nicht näher datierten und bis heute nicht ausgelösten Boykottaufruf findet sich bei Ortmüller.
Dort findet sich auch der einzige Hinweis auf den "islamistischen" Zusammenhang.
Zitat:
Anmerkung von WDSF und ProWal: Es ist bedenklich, dass dieser "Hoax" aus islamistischen Bereichen, der eine Gegenreaktion auf dänischen Karrikaturen ist, weiter zirkuliert.

Dieser Hinweis ist deshalb rätselhaft, weil die "Calderon"-Kettenbriefe, auf die sich die TU-Hoax-Seite bezieht, überhaupt nicht im Zusammenhang mit islamischer Herkunft erwähnt werden.

Bei dem "islamischen" Beitrag, der oben mit Link geschildert ist, handelt es sich um einen der üblichen von "Walschützern" plazierten Artikel, - nur eben nicht auf deutsch oder englisch, sondern in mehreren außereuropäischen Sprachen.
Der suggerierte Zusammenhang mit den Vestergaard-Karrikaturen ist durch nichts belegt und hanebüchen.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1419
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 17.09.2010 08:28    Titel: Neues vom Boulevard Antworten mit Zitat

http://www.boulevard-baden.de/lokales/menschen-helfen/2010/09/16/verbotener-kommerzieller-handel-mit-walfleisch-auf-faroer-inseln-aufgedeckt-253565
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 17.09.2010 11:45    Titel: Antworten mit Zitat

Danke u.k., ich habe herzlich gelacht! Der Artikel hat schon einen hohen Unterhaltungswert, weil ja jeder Färöer-Besucher weiß, daß man auf den Färöern Walfleisch bekommen kann; - privat, im Supermarkt, in Gaststätten; - ein Witz zu lesen, daß dies heimlich und mit falschem Bart aufgedeckt werden müßte.

Und wie so oft schmücken sich unsere deutschen "undercover"-Helden mit fremden Federn und mit falschen:

Der Handel mit Walfleisch innerhalb der Färöer und nach Dänemark ist von anderen Walschutz-Organisationen, nämlich von der "Whale and Dolphin Conservation Society", "Foundation Franz Weber"1) und "OceanCare" längst untersucht und beschrieben worden; siehe "Report on whaling in the Faroe Islands".
Dieser Bericht hatte zu einer Anfrage an die Deutsche Bundesregierung geführt, die Antwort liegt seit Mai 2010 als Drucksache 17/1689 vor. Darin wird bestätigt, was jeder Interessierte ohnehin weiß, daß nämlich Island und Norwegen einen Vorbehalt gegen die CITES (Washingtoner Artenschutzübereinkommen) eingelegt haben und legal untereinander und mit den Färöern handeln können; dieser Handel wird in geringfügigem Umfang wahrgenommen. Die Färöer sind kein CITES-Land.
(Außerhalb der CITES-Bestimmungen bezieht sich das Verbot des Handels mit Walfleisch ausschließlich auf die Ausnahme-Genehmigungen der IWC für die indigenen Gesellschaften wie Grönland. Auch dort ist dieses Verbot im übrigen wegen seines kolonialen Charakters höchst umstritten.)
Vor diesem Hintergrund bekommt der heldenhafte "undercover"-Einsatz zur Aufdeckung von Walfleischangeboten in den Färöern schon die Anmutung eines Cartoons.

Anmerkung:

Daß die CITES-Bestimmungen auch von den Färöern eingehalten werden, habe wiederum andere im Selbstversuch festgestellt: der färöische Lieferant für die Sendungen nach Dänemark verschickt kein Walfleisch nach Deutschland, auch nicht im Einzelfall. Das ist auch gut so, weil rechtswidrig und mit Strafe bedroht.


1)Die FFW ist eine eher konservative Schweizer Natursschutz-Organisation, die sich v.a. dem Landschafts- und allgemeinem Naturschutz und der Behandlung von Schlachtvieh widmet, - aber auch mal spendenträchtige Kampagnen wie z.B. mit Brigitte Bardot gegen das "Robbenschlachten" mitfährt. Das Thema Grindwaljagd auf den Färöern ist für den FFW bislang eine Trittbrettfahrer-Aktion mit der üblichen flammenden Empörung "mit Harpunen, Haken, Lanzen und Walfangmessern wird die ganze Herde abgeschlachtet". Der bislang einzige originäre Beitrag der FFW ist der o.a. Bericht von Birgith Sloth, zusammen mit Liselotte Jensen von OceanCare. Birgith Sloth fungiert hier als Beraterin ("consultant") des FFW, gehört aber eigentlich der "Whale and Dolphin Conservation Society" an, die jedenfalls nicht spektakulär mit blutigen Färöer-Fotos wirbt. Sloth hat in den 80ern an der offiziellen dänischen IWC-Delegation teilgenommen, und widmet sich in den letzten Jahren u.a. dem Nachweis von Rechtsverstößen, etwa dem rechtswidrigen Handel mit isländischem Walfleisch; Lotte Jensen ist ebenfalls Dänin, Umweltingenieurin und ist bekannt geworden mit Arbeiten für wirklich gefährdete Spezies, wie z.B. Pottwale im Mittelmeer.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1419
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 07.10.2010 09:28    Titel: B.-B.-Stiftung hat protestiert Antworten mit Zitat

Gerd NIEWERTH: Wal-Schützer klagen Dänemark an

http://www.derwesten.de/nachrichten/panorama/Wal-Schuetzer-klagen-Daenemark-an-id3777723.html

Mit lesenswerten Kommentar (der 2.)

Über diese Aktion haben auch andere Regionalzeitungen kurz berichtet.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1419
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 16.11.2010 08:33    Titel: Kommentare zum Grindwalfang ... Antworten mit Zitat

... auf einer Ankündigung zu einer Wanderreise:

http://www.abenteuer-reisen.de/node/31998

Ich gehe mal davon aus, dass die Kommentatoren eh' nicht daran dachten, auf die Färöer zu reisen. Es wird ihnen auch nicht gelingen, jmd. mit diesen "Argumenten" von einer Färöerreise abzuhalten.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 27.11.2010 10:56    Titel: Antworten mit Zitat

Die Frankfurter Rundschau bringt heute (27.11.2010) eine Doppelseite zum Thema Walfang: "Des Wahnsinns fette Beute".
Anders als das Thema vermuten läßt, handelt es sich um ein Streitgespräch zwischen vernünftigen Menschen, dem Kulturhistoriker Klaus Barthelmess und dem Naturschützer Volker Homes (WWF). Und das Interessanteste: das Wort "Färöer" taucht nicht ein einziges Mal auf...! Wenn das die Kollegen von der dänischen POLITIKEN wüßten! Rolling Eyes
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
joachim



Anmeldedatum: 21.04.2010
Beiträge: 231
Wohnort: Ahlen

BeitragVerfasst am: 27.11.2010 20:35    Titel: Antworten mit Zitat

George hat Folgendes geschrieben:
Die Frankfurter Rundschau bringt heute (27.11.2010) eine Doppelseite zum Thema Walfang.....
.......das Wort "Färöer" taucht nicht ein einziges Mal auf...!

Dafür aber in der "Bildergalerie (ab Bild 5.)
Der Tenor der Bildunterschriften ist zwar nicht ganz so polemisch wie bei anderen und die Fotos sind nicht ganz so "blutig".

JO

P.S. Meine Meinung zu den Thema: Ich bin gespalten.
Ich habe immer noch die Idee für ein Plakat: "Gegen das Abschlachten der Wale auf den Färöer...." Und als Bildhintergrund ein Foto aus einem deutschen Schlachthof.......
Rechts unten dann abgesetzt ein gut gegrilltes Steak......

P.S.S. Vor allem hebt sich der Bericht bzw. das Gespräch wohltuend von dem Ortmüller Video ab, der bekanntlich in geheimer Misson auf den Färöer einen uns bisher unbekannten, mystischen Ort Namens "Tooorschhoorn" oder so ähnlich fand, wo blutrünstige Barbaren ihre Kinder zu Massenmördern erziehen. (Einen Link spare ich mir, wer will kann bei Youtube suchen)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 28.11.2010 09:36    Titel: Antworten mit Zitat

joachim hat Folgendes geschrieben:
Dafür aber in der "Bildergalerie (ab Bild 5.)

Das ist der Nachteil, wenn man die Papierversion liest und dann den Web-Artikel verlinkt, ohne nochmal reinzusehen... Wink

Ich bin überhaupt nicht gespalten im Zusammenhang mit dem Thema Jagd.
Eine nüchterne Herangehensweise für Naturschutz im Sinne von Artenschutz kann nur der Nachweis der Nachhaltigkeit sein, - die ist im Fallem der Grindwale eindrucksvoll gegeben, dies gilt auch für die Krierien des Tierschutzes bezüglich der Vermeidung unnötiger Qualen.

Ich habe auch große Sympathie für den vollständigen Schutz von Walarten in internationalen Schutzgebieten, weil damit ein umfassender Naturschutz im Sinne von Biosphärenschutz verbunden ist.
Bevor bspw. der Luchs im Harz wieder eingeführt werden konnte, mußte sichergestellt werden, daß er wieder geeignete Umweltbedingungen vorfindet; dies hat jahrzehntelange Anstrengungen gebraucht. Die Tatsache, daß der Luchs nun natürlich im Harz lebt, zeigt daß die gesamte Biosphäre für ihn paßt.
Bei Walen hieße dies, daß zuvörderst die Nahrungskette wieder aufgebaut wird und daß das Gift aus dem Meerwasser kommt, - mit tief einschneidenden Konsequenzen u.a. für die Fischerei-Wirtschaft und unsere Wirtschaft insgesamt.
Die großen Naturschutzverbände haben das eigentlich längst begriffen.

Ich habe auch Sympathie für Tierliebe, die sich auf Bambi und Flipper richtet, und die Gesellschaft muß ebenso umgehen können mit Menschen, die sich vor jeden wegen Kernfäule zu fällenden Parkbaum stellen, weil sie das für einen Naturfrevel halten, wie wie mit Menschen, die die nachhaltige Bewirtschaftung von Wildtieren verhindern wollen.

Die Ausprägungen des Naturschutzgedankens sagen zuallererst etwas über die Gesellschaft aus, in der sie stattfinden, und mich macht in unserer westlichen, aufgeklärten Gesellschaft ernsthaft besorgt das Aufkommen einer neuen religionsartigen Tier-Ethik, die die menschliche Ethik in Grund und Boden relativiert.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Skellig



Anmeldedatum: 27.03.2010
Beiträge: 96

BeitragVerfasst am: 28.11.2010 12:12    Titel: Antworten mit Zitat

George hat Folgendes geschrieben:
Kulturhistoriker Klaus Barthelmess


Die Behauptung von Barthelmess, dass man heutzutage Wale jagen "muss", halte ich für Unsinn. Er spricht auch nicht über sein Fachgebiet und ist sich offenbar selbst nicht sicher.

Die Menge der größeren Tiere richtet sich nach den Mengen in der unteren Nahrungskette.
Das Gleichgewicht stellt sich immer wieder von allein ein, oder sagen die Biologen heute etwas anderes?
Wenn die Überfischung der Meere zunimmt, gibt es auch weniger größere Tiere, die von diesen Fischen leben usw.
Die Wale könnten nicht dauerhaft ein Ungleichgewicht verursachen, das geht einfach nicht. Das haben sie auch nie getan.


Zuletzt bearbeitet von Skellig am 28.11.2010 13:04, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 28.11.2010 13:03    Titel: Antworten mit Zitat

Skellig hat Folgendes geschrieben:
Die Behauptung von Barthelmess, dass man heutzutage Wale jagen "muss", halte ich für Unsinn.

Die Hege als eine positive Leistung des Jägers war immer schon überwiegend eine Propaganda-Behauptung zur Image-Verbesserung des Jagd-Standes, - sie galt im wesentlichen der Trophäenzucht.
Im Prinzip ist es richtig, daß die Räuberpopulationen den Veränderungen der Beutepopulationen folgen, jedenfalls bei spezialisierten Räubern. Andere, wie etwa der Grindwal können in gewissen Grenzen auch auf andere Beutetiere ausweichen. Am Ende pendelt sich in jedem Fall ein "Gleichgewicht" ein. Das hat Millionen Jahre überall funktioniert, - bis der Mensch eingegriffen hat.

Die Dezimierung von Tierbeständen ist nämlich dann "notwendig", wenn es um wirtschaftliche Interesse geht. Ein klassisches Beispiel sind die Monokultur-Wälder, deren gesamter Aufwuchs niedergefressen würde, wenn man den Rehbestand nicht drastisch reduzierte. Das ist natürlich der Fluch der bösen Tat, weil feststeht, daß naturnah bewirtschaftete Mischwälder nicht durch Rehwild gefährdet sind.
Ähnlich ist es bei Robben und Walen. Die kanadische Fischerei kann selbstverständlich belegen, welche gewaltigen Mengen Fisch die seit dem Niedergang der Jagd enorm gestiegenen Robbenbestände ihnen "wegfressen".
Die Isländer können selbstverständlich belegen, daß die überdimensionierten Dorschbestände die Futtertiere für die Papageientaucher vertilgen, die ihnen wiederum wichtig sind, letztendlich eine Folge der Überfischung an den europäischen Küsten, usw. usw. Wir alle wissen, daß Eingriffe im Einzelfall auch für den Artenschutz notwendig sein können.
Wenn das Gleichgewicht erst einmal aus den Fugen ist, dann sind menschliche Eingriffe immer eine Interessenabwägung, und das muß man sich im Einzelnen ansehen. So allgemein wie Barthelmess macht das überhaupt keinen Sinn.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Skellig



Anmeldedatum: 27.03.2010
Beiträge: 96

BeitragVerfasst am: 28.11.2010 13:08    Titel: Antworten mit Zitat

George hat Folgendes geschrieben:

Die Dezimierung von Tierbeständen ist nämlich dann "notwendig", wenn es um wirtschaftliche Interesse geht.

Da sind wir uns völlig einig.

In der Vergangenheit hat der Mensch seine Futterkonkurrenten auch oft überschätzt, z. B. den Wolf. Wölfe fressen u. a. auch viele Mäuse. Wink
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Diskussionsforum Färöer Foren-Übersicht -> Natur / Landschaft / Tierwelt Alle Zeiten sind GMT
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5  Weiter
Seite 4 von 5

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB2.de