www.faroe-islands.de
Das Forum für Freunde der Färöer-Inseln
Von
Es ist Mittwoch, der 19. September 2018 18.17 Uhr     (71.71 % von 2018)

Diskussionsforum Färöer Foren-Übersicht Diskussionsforum Färöer
Der deutschsprachige Treffpunkt für Freunde der Färöer-Inseln
 
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Sea Shepherds in den Färöern
Gehe zu Seite 1, 2, 3 ... 9, 10, 11  Weiter
 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Diskussionsforum Färöer Foren-Übersicht -> Aktuelle Ereignisse
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 14.06.2011 18:25    Titel: Sea Shepherds in den Färöern Antworten mit Zitat

Zumindest füllen die Sea Shepherds das Sommerloch, während es in den einschlägigen Blogs und fb-Seiten gärt, wie man die seit langem angekündigten anti-whaling Aktivisten behandeln sollte, hat nun das Nachrichten-Portal aktuelt.fo den ersten gesehen.

Interessant wird diese Meldung vor allem durch die Bündelung mit einer historischen Doku über die Festnahme zweier SS-Aktivisten in Tórshavn und durch einen wirklich abgedrehten Satire-Beitrag.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"


Zuletzt bearbeitet von George am 14.06.2011 20:25, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1441
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 14.06.2011 19:16    Titel: Sea Shepherd Antworten mit Zitat

Immerhin hast Du nicht "Festnahme zweier SS-Männer" geschrieben.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 14.06.2011 20:02    Titel: Antworten mit Zitat

Natürlich nicht.
Aber wenn man von der Oberfläche des Tier- und Walschutzes, die sie mit vielen harmlosen Menschen teilen, tiefer in ihre Weltanschauung und ihr Menschenbild eintaucht, dann werden die Assoziationen zum Faschistischen speziell dieser Gruppe sehr deutlich.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Skellig



Anmeldedatum: 27.03.2010
Beiträge: 96

BeitragVerfasst am: 14.06.2011 22:41    Titel: Re: Sea Shepherds in den Färöern Antworten mit Zitat

George hat Folgendes geschrieben:
Satire-Beitrag

wo kann man den denn finden?
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 15.06.2011 05:55    Titel: Antworten mit Zitat

Auf dem von mir oben angegebenen Link findest Du unter der Meldung drei youtube-Filme, - davon der unterste vom amerikanischen PropagandaBuster "Sea Shepherd arrest in the Faroe Islands".
Die dort eingespielten Szenen gehören längst zum kollektiven Bewußtsein auf den Färöern, - nicht zuletzt auch eine Quelle der ruhigen Überzeugung und z.T. geradezu freudigen Erwartung, daß es die färöische Polizei schon richten wird.

PropagandaBuster gibt auf seiner Blog-Seite übrigens einen schlüssigen Hintergrund für das einigermaßen überraschende geballte Interesse der Sea Shepherds an den Färöern.
Dabei auch der Link über die "Whale Wars" Pläne.





Auch in Deutschland versuchen seit Jahren Ableger Fuß zu fassen, - die derzeit letzten: W.D.G. - Whale Defenders Germany, die sich inzwischen mit Orthmüller&Co auseinander dividiert haben, und jedenfalls ihrerseits Aktivisten für die Färöer rekrutieren. Auch das nimmt teilweise satirische Züge an, wenn sich bspw. ein süddeutscher Neu-Färöer-Fan meldet (die TelNr habe ich ge-x-t):
Zitat:
Ich will unbedingt zu den färöer um mich für die wale dort stark zu machen,schreib jetzt schon das 4. oder 5. mal..bitte um antwort auch telefonisch unter 0178xxxxx ab 17:00 uhr..lieben gruß christoph

_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1441
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 15.06.2011 15:53    Titel: PropagandaBuster Antworten mit Zitat

Leider hat PropagandaBuster im Eifer des Gefechts in seinem Blog vom 14. Juni die beiden Schiffe der dänischen Marine (HDMS Vædderan F 359 und HDMS Triton F 358) fälschlicherweise der niederländischen ("Royal Dutch Navy") zugeordnet.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Skellig



Anmeldedatum: 27.03.2010
Beiträge: 96

BeitragVerfasst am: 15.06.2011 17:11    Titel: Antworten mit Zitat

George hat Folgendes geschrieben:
Auf dem von mir oben angegebenen Link findest Du unter der Meldung drei youtube-Filme, - davon der unterste vom amerikanischen PropagandaBuster "Sea Shepherd arrest in the Faroe Islands".

was ist denn das für ein merkwürdiger sprecher? ehrlich gesagt kann ich dem einfach nicht länger zuhören. ("ego")
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
d.w.



Anmeldedatum: 28.05.2006
Beiträge: 884
Wohnort: Witten an der Ruhr

BeitragVerfasst am: 15.06.2011 23:22    Titel: Antworten mit Zitat

Gestern, 15.06. erhielt ich zehn Mails von verschiedenen, vor allem weiblichen, Absendern, aus verschiedenen Ländern, vor allem aber deutschsprachigen. Alle zehn Mails hatten denselben englischen Text, in denen gegen die Grindwaltötung protestiert wurde.
Da ich auf der Webseite des DFF als Ansprechperson für touristische Anfragen hinsichtlich der Färöer mit Mailadresse genannt werde, muss ich das wohl in Kauf nehmen.
In den vergangenen Monaten kam keine einzige Mail wegen Grindwaltötung bei mir an. Davor erhielt ich einige Wochen lang immer wieder mal eine, nicht selten mit immer den gleichen blutrünstigen Fotos. Diesmal gab es als Bildbeilage entsprechende Plakate. Es sieht ganz danach aus, als ob in den kommenden Wochen mal wieder so eine Aktionswelle über uns rollen wird. Ein Anti-Grindadráp-Tsunami wird es wohl nicht werden.
Zum Glück hat mein Provider einen wirksamen Schutz vor Junk-Mails. Er hat diese zehn Mails von gestern gleich alle in die Junkbox verschoben.
_________________
Bundin er billeysur maður. (Aktualisierte Fassung eines altbekannten färöischen Sprichworts, gehört im September 2014 von einem Färinger)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 29.06.2011 07:14    Titel: Antworten mit Zitat

Pete Bethune ist in Vorbereitung des "heißen Sommers" wieder auf den Färöern und hat auf seiner Facebook-Seite seine Einschätzung der Situation in Form eines fiktiven Gesprächs mit einem Färinger veröffentlicht.

Gerade weil die weltweit miteinander konkurrierenden "Walschutz"-Organisationen derzeit alles aufbieten, um auf den Färöern Wirkung zu erzielen, halte ich es für sehr bemerkenswert, daß Bethune in seiner eigenen Szene zwischen viel Text öffentlich vermittelt,
- daß er keinen Weg sieht, die Färinger zur Aufgabe des Grindwal-Fanges zu zwingen
- daß der traditionelle färöische Walfang für sich nicht wirklich schädlich ist
- daß der färöische Walfang durchaus analog zum Walfang der Innuits gesehen werden kann

Tatsächlich führt er außer dem eher rhetorischen Bezug zu "animal rights" kein wirklich starkes Argument an, sondern verläßt sich auf die rituellen Klischees der Szene mit Vergleichen des Walfangs mit den Massenmorden der Nazis und der amerikanischen Sklaverei, um dann eine politische Perspektive zu eröffnen: den reduzierten Konsum infolge der Quecksilber- und PCB-Vergiftung und die Einführung einer Fangquote.
Da beides defacto längst stattfindet, mag man dies als Resignation werten und den Versuch, ohne Gesichtsverlust aus diesem absehbar gescheiterten "heißen Sommer" herauszukommen. Vielleicht ist es auch der Einstieg in den Abschied von der sektiererischen Ant-Färöer-Szene auf dem Weg zu zukunftsfähigeren Umwelt- und Tierschutz-Positionen. Es bleibt abzuwarten, und es bleibt spannend.

Da diese Seiten erfahrungsgemäß oftmals schnell wieder gelöscht werden, stelle ich den englischen Text hier ein.
Zitat:

“So will you be hunting whales this summer”, I say to Thor, a local Faroese whaler who has finally agreed to speak with me.

Thor looks down at his cappuccino while he ponders this. He takes a spoon, scoops some white fluff from the surface, and puts it in his mouth.

“Well”, he says finally, “we do not hunt whales. They come to us and we simply take them. It is better to call it a harvest I think.”

I raise my eyebrows but decide it is not really worth arguing the point. I am desperate to know what the whalers thinking is on the various groups amassing against them now, and what they plan to do this summer.

“Well let me rephrase it then. Will you be harvesting whales this year?”

Thor looks directly at me, and there is a confident, almost arrogant air about him. “We know many people oppose our way of life here.” He pauses and takes another spoon of white fluff. “But what is the difference between a cow and a whale? You eat cows. We eat whales. Why should you come and tell us what we cannot eat?”

It’s a common argument from whaling nations. The same threads were trotted out while I was in Japan last year. Eventually I grew tired of repeating myself to so many journalists who never wanted to hear an opposing view.

There are in fact several reasons why they are different. A farmer owns the animals, in a legal sense at least. Whereas the pilot whales hunted by Faroese are pelagic, moving across many international borders. No one has farmed them, let alone owned them.

Whales are an apex predator and play a key role in maintaining the genetic strength and health of the species they predate upon. Also whale numbers are not massive. In a sense every whale matters. Admittedly for now, pilot whales numbers are not dangerously low, however all it would take is a few other whaling nations to start hunting them again and they would quickly become threatened. Whales also have a complex family structure that is totally disrupted through mass killings.

Finally, from an animal rights perspective, the slaughter of whales is a disgrace. I am not saying I like the way cows are killed either, however the killing of whales here is especially problematic. Sometimes they are killed in seconds, but in other cases, such as in Klaksvic last year, it takes up to 15 minutes of brutality before the animals finally succumb.

“Look Thor”, I say calmly. “You and I will always disagree on whaling. And that is OK. I would rather we talk about what you plan to do this summer when all the conservation groups are here?”

He snorts and sits there glaring at me. He’s typical of many locals here - blonde hair, blue eyes, short and stocky. His face is wrinkled and gnarly from many years at sea. There is also a visible pride in the way he carries himself. His blue eyes bore in on me as he starts to answer.

“We know Animal Planet is coming here to film us…and they will lie and make us all look like evil people. That is what TV does. But we have some plans…” His voice trails off. There is a long silence as he picks his cup up and takes a sip.

“So what will you do?”

“It is possible we will simply not grind (whale) at all this summer. This was in the papers a few weeks ago. We think if we grind while they are here, we will become a hit TV show like the Japanese in Antarctica. Animal Planet will keep coming back here for years. And they will continue to lie and make us look bad. But if we do nothing this summer, well Animal Planet will walk away with nothing. They will have no TV show, despite all the money they will spend here.”

A satisfied look crosses Thor’s face, and he leans back in his chair.

“How can you control all the Islanders though? There are over a dozen beaches that can legally grind, and there is no central control. If locals want to grind, they will go and do it, regardless of what the rest of you want.”

Thor waves his hand dismissively. “Each place has a single person who says yes or no to the grind. He is a Policeman. And he reports to a Policeman in Torshavin. If the boss says no grinds, then there will be no grinds this summer.”

“And you are telling me this order has been given?”

“Well not officially. I don’t think that would happen. But if maybe the boss has a little word to all his police…then maybe he can control it…”

“Well maybe you guys should just consider not grinding indefinitely. Even if you stop the grinds this summer…well groups will still be back next year. Don’t think that this problem will go away with one summer of no action. You people are now firmly locked in the conservationist sights.“

Thor looks out the café window. Various boats bob up and down in the idyllic harbour. He gives a heavy sigh and looks back at me.

“You people just don’t understand us. The grind is so important to us. It is part of our identity. It is not a fake tradition. It is something we have been doing for centuries. And to have you come and tell us to stop is deeply offensive. What gives you the right to tell us?”

“Well I believe we all have a right to speak up about what we think is right and wrong. That is fundamental to good democracy. We have a right to argue for the Sudanese to stop female circumcision. Britain had a right to argue for Germany to halt their genocide in World War II? And people had the right to argue against slavery in America. In fact it is more than a right. I believe it is an obligation. That is not to say you must follow what we day, but it is correct that we should be allowed to express our views.”

“But the Faroese will never stop the grind. We will always do it. And it doesn’t matter how many TV shows you make. How many people turn up here to protest. Or how many fish import bans you impose on us. We will always do it. That is the way it is.” He takes another sip of his coffee. “What do you suggest we do anyway?” His voice is raised, and other diners are starting to look at us.

It is an interesting question that I’ve spent much time considering. I don’t believe the Faroese will give up the grind any time soon. It is just so entrenched in their social fabric. But maybe there is a glimmer of hope that progress could be made. Recent government recommendations have proposed a maximum consumption of 2 servings per month due to the pollutants present in whale meat and blubber. This would equate to just one hundred whales per year. Last year they killed nearly 1000. So locals are eating way more than what their government recommends.

I propose to Thor something that a local Faroese had suggested to me earlier in the week - that maybe the government could impose a maximum number per year - like a quota. And with time they could look to reduce it. In some ways the government is already negligent in allowing the consumption of so much toxic whale meat. If a reasonable quota was introduced it may see conservation groups turning their attention elsewhere. Certainly there are ample other marine conservation issues that need addressing. In some ways the Faroese are like Inuit people in Alaska who legally hunt whales. It is just that the sheer number of whales killed here, and to a degree the open nature of the actual kill zone, has seen the spotlight now shine on them.

The Faroese are certainly in a difficult position. Their economy has few export industries to support a people that enjoy a relatively high standard of living. They are very dependent on fish exports to Europe, and especially Britain. A UK supermarket ban on Faroese fish imports has already been mooted in parliament, and if passed into law, would reverberate around this tiny economy. What may hurt them even more would be the US halting its import of farmed salmon – one of the few high margin growth industries here. The other growth industry for them is tourism. If a mainstream TV series airs on the Faroese grind, then this amazing place will likely become the Taiji of Europe, and the only tourists coming here in future will be protesters.

It cannot be nice having foreigners (like me) coming in and telling you what to do. I wonder how American’s would react if Faroese people turned up and protested outside US abattoirs opposing the consumption of beef and pork. They’d be moved on in quick time I expect. It is a credit to the people here that they continue to treat my team and I with courtesy and respect, despite our opposing views.

We continue chatting for another hour. I can see Thor is contemplating the quota idea. The thought of all us pesky activists leaving these shores must be most appealing to them. But it is also a big concession to outside pressure, and will not come easily to this proud and dignified people. Thor finally gets up to leave. He grabs my hand in a powerful grip and shakes it. “You be careful here”, he says. “”Many people are upset that you come back here. And they are not all as forgiving as me.”

I smile at him. “I’ll be careful”, I say. “And I want you to stop doing to the grind.”

A big laugh erupts from him. In fact it is the first laugh he’s given. “I will never stop the grind”, he says. “It is part of who I am. My father took me to the grinds. And I take my sons to the grinds. But maybe in the future…we will not kill so many. Maybe even a quota could happen…” he laughs again and wanders outside.

Dark clouds have rolled in of the North Atlantic, and it reflects my pessimism about this place. I hate the grind. I think it barbaric. But at the same time I understand the importance the people here place on it. I can see why they are reluctant to see it go. Perhaps a quota would be a step forward that could partially placate both sides. Many of us would dearly love to see progress made here. One thing is certain, if they continue whaling here at current numbers, they will pay a heavy price.

_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
d.w.



Anmeldedatum: 28.05.2006
Beiträge: 884
Wohnort: Witten an der Ruhr

BeitragVerfasst am: 29.06.2011 23:27    Titel: Antworten mit Zitat

Das Schlachten von Grindwalen ist für viele (nicht alle !!!) Färinger zweifellos so etwas wie eine "Heilige Kuh".
Es gibt wohl wenig, was schwieriger ist als das Schlachten "heiliger Kühe".
Für nicht wenige Anti-Waltötungsakivisten ist offenbar gerade der Kampf gegen die Waltötung auf den Färöern auch so eine Art "Heilige Kuh".
Ich habe den Verdacht, dass das eine das andere bedingt.
Wem daran gelegen ist, dass diese "heilige Kuh" der Färinger nicht länger am Leben bleibt, der sollte die Färinger, die am Grindadráp festhalten wollen, mit sich und ihrem Grindadráp alleine lassen. Irgendwann wird diese "heilige Kuh" dann an Auszehrung sterben. Und Grindwale wird es danach immer noch genug geben.
_________________
Bundin er billeysur maður. (Aktualisierte Fassung eines altbekannten färöischen Sprichworts, gehört im September 2014 von einem Färinger)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 30.06.2011 10:28    Titel: Antworten mit Zitat

d.w. hat Folgendes geschrieben:
Das Schlachten von Grindwalen ist für viele (nicht alle !!!) Färinger zweifellos so etwas wie eine "Heilige Kuh".
Es gibt wohl wenig, was schwieriger ist als das Schlachten "heiliger Kühe".


Lieber Detlef,

es macht mich sehr nachdenklich, daß Du den Begriff "Heilige Kuh", der in der seriösen Sozialwissenschaft auf den "überirdischen" Status der Wale gerade in der urbanen esoteriknahen Kultur des Westens angewandt wird, nunmehr umdrehst und gegen die Verankerung des 'traditionellen' Walfangs der Färinger wendest. Falls es sich nicht nur um einen rhetorischen Ausrutscher handelt, ist dies sachlich und von der intellektuellen Figur einigermaßen absurd.

Da Du Dich zu diesem Thema in Deiner DFF-Funktion gelegentlich auch öffentlich äußerst, möchte darauf etwas grundsätzlicher eingehen.

In diesem Forum hat es eine Vielzahl von Austausch, Erörterung und Auseinandersetzung um den färöischen Walfang gegeben. Besonders die kenntnisreichen Hinweise von Dir etwa über die Folklorisierungs-Diskussion in der Literatur und im Verlauf der färöischen Nationsbildung waren mir wertvolle Anstöße zur eigenen Auseinandersetzung, und ich kann an mir die Binsenweisheit bestätigen, daß man aus keiner Diskussion so herausgeht, wie man hineingegangen ist.

Wenn ich im Forum Früheres zum Thema aus den vergangenen Jahren nachlese – z.B. unsere gemeinsamen Gedanken zum Gedicht
„Der Grindwalfang an den Färöerinseln“ von Joseph Viktor von Scheffel -, dann bedaure ich sehr, daß ‚der’ DFF und letzten Endes „wir“ keinen Weg finden, einiges von diesen wertvollen Beiträgen durch eine zeitgemäße Internet-Publikation präsent und zugänglich zu erhalten. Dies gilt selbstverständlich gleichermaßen für andere Themengebiete: Die Forumsstruktur alleine ohne eine dauerhafte Komponente läßt Inhalte tendenziell allzu leicht unter der Bildschirmunterkante verschwinden, - vieles, in dem einige gedankliche Mühe und Arbeit steckt, bleibt dadurch flüchtig. Und es hat – wie auch hier – oftmals den Anschein, als müsse man längst diskutierte Themen immer wieder bei „Guten Morgen!“ anfangen.
Das will ich nichtsdestotrotz auch hier gerne wieder tun:

Ich habe noch nie davon gehört, daß ähnliche Begrifflichkeiten wie „Heilige Kühe“ – trotz einiger gesellschaftlicher Auseinandersetzung - auf die in unserem Land stattfindende Jagd auf "unsere" Wildtiere angewandt würden, obgleich hierzulande etwa die „traditionelle“ Hasenjagd, was Tierschutz, Artenschutz, Nachhaltigkeit und soziale Einbindung angeht, deutlich hinter dem färöischen Grindwalfang zurückfällt.

Daß der jahrtausendalte nachhaltige Walfang der Färinger ins westliche Visier geraten ist, nachdem sich das industrielle Massen-Abschlachten durch die westlichen Walfänger wirtschaftlich nicht mehr lohnte, hat ausschließlich etwas zu tun mit der kulturellen Transformation der westlichen Metropolen.
Ich verweise hierzu erneut gerne auf die Arbeiten des Amsterdamer Wissenschaftlers Rob van Ginkel, z.B.
“KILLING GIANTS OF THE SEA: CONTENTIOUS HERITAGE AND THE POLITICS OF CULTURE”, z.B. hier S.89:

Zitat:
“With whaling having come under increasing scrutiny from environmentalists and with the media exposure their campaigns received, public resistance to whale hunting has been on the rise since the 1970s as is evidenced by the successful Save the Whales campaign. Whales have become powerful symbols of environmentalism and have turned into the poster child for conservation.33 They are invoked ‘as a metaphor for all that is sublime in nature’ (Gupta 1999: 1742). Whales have increasingly become ‘charismatic’ or ‘flagship’ species (Kinan and Dalzell 2003) and ‘a symbolic fixture in contemporary western society’ (Stoett 1997). The environmental movement has totemised cetaceans that have come to represent the ‘goodness’ of nature.34 Though not all whale species are threatened with extinction, they are often lumped together as the endangered whale that needs human protection. Moreover, certain characteristics – including intelligence and sentience—are often attributed to this mystified ‘super whale’ (Kalland 1992, 1993, 1994) and supposedly make it akin to human animals. Some traits of different whale species are lumped together and projected onto this fictive marine mammal. The iconic status of whales and dolphins that evolved out of the environmentalists’ campaigns led to anthropomorphizing cetaceans. They were incorporated in human society first by keeping them in oceanariums, then by turning them into film and TV heroes (Flipper, Willy the killer whale) and stuffed toys. Whales became ‘pets’. In short, environmentalists, whale-watchers, whale-huggers, and the public at large have come to see whales not as a source of food and other products, but as sacrosanct gentle giants, representing a better kind of nearhumanity. Whereas whales were made human, whale hunters were dehumanised into barbaric brutes.“


Der Walfang gehört bei den Färingern seit jeher ebenso selbstverständlich zur Nahrungsgrundlage wie bei uns etwa das Getreide. Wieso sollte das eine – bei allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen – zeitgemäß sein und das andere nicht? Ein Vergleich der Artenvielfalt in der „impact area“ von militärischen Truppenübungsplätzen mit unserer Kulturlandschaft zeigt, daß alle konventionelle militärische Zerstörungskraft nicht annähernd soviel ökologischen Schaden anrichten kann wie die „ordnungsgemäße Landwirtschaft“. Unsere Landwirtschaft hat in der Moderne gerade die ökologischen Overkill-Fähigkeiten entwickelt, die dem färöischen Walfang glücklicherweise vollkommen abgehen. Welche Schalter gehen bei solchen Urteilen über „Zeitgemäßes“ in unseren Köpfen eigentlich ein und aus?

Der Begriff „Heilige Kuh“ bezeichnet im übertragenen Sinn in der Umgangssprache ein Tabu, also etwas, das nicht angetastet werden darf oder an dem nichts zu rütteln ist. Nichts davon entspricht der gesellschaftlichen Situation des Walfangs in den Färöern. Wir, auch Du und ich, haben hier ja gerade an den verschiedensten Stellen thematisiert, daß und wie dort eine lebhafte Diskussion über den Walfang stattfindet.

Fern jeder „Heiligen Kuh“-Klassifizierung lassen sich im eigenen färöischen Kontext zwei Fakten nachweisen, - zum einen die zunehmende Wertschätzung des Grindadráp als Alleinstellungsmerkmal im Zuge der färöischen Nationsbildung, - ähnliches gilt auch für das zu diesem Zeitpunkt wirtschaftlich eigentlich schon überholte Färöer-Boot. Ich halte die Wertschätzung dieses historischen und sozialen Walfang-Erbes für etwas, worauf die Färinger in der Tat stolz sein können. Nichts außer unserem verblendeten Blick in den eigenen Spiegel spricht dagegen.
(Bei einem Blick auf die deutsche Nationsbildungs-Geschichte kann ich nicht umhin festzustellen, daß es zeitgleich im 19. Jahrhundert weit, weit Unangenehmeres gab, etwa die Instrumentalisierung des Judenhasses zur „deutschen“ Ethnisierung durch Stöcker und andere… Dies nur, um die Bezüge etwas zu rechtzurücken.)
In früheren Jahrzehnten wurde der Grindadráp auch selbstbewusst in der Außenwerbung der Färöer benutzt. Seit dem westlichen Sinneswechsel etwa in den 70ern hat man dies aus PR-Gründen wohlweislich unterlassen.
(Noch einmal zum historischen Kontext: Bis in die 70er Jahre haben "wir" in der Bundesrepublik Deutschland einen hohen Anteil an Walöl verarbeitet.)

Der zweite Punkt ist, daß sich die Färinger – selbstverständlich! – gegen die unglaublichen Haß- und Morddrohungs-Kampagnen aus dem Westen zur Wehr setzen; van Ginkel referiert diesen Effekt so:
Zitat:
‘The higher the wave of protest, the greater the value of the hunt and the consumption of whales will have in identity contexts; as boundary markers and as a cultural defence against influence from the Western metropolises’ (Nauerby 1996: 164). However, this does not mean that they regard the hunt ‘as a static, immutable symbol of traditional Faroese culture’ (Sanderson 1990: 196). Still, opinion polls show 95 per cent of the Faroese support the grindadráp.

Dies ist gerade nicht die Beschreibung eines „Heilige Kuh“-Tabus. Im Gegenteil.

Notorische, sektiererische „Walschützer“ wie Bethune bekommen auf den Färöern jede Medien-Plattform, die sie wollen, auch in Jugend-Sendungen, - Bethune durfte vergangene Woche sogar Schüler in einer Schule agitieren. Er wird in den Geschäften freundlich bedient und er findet Gesprächspartner. Einen sympathischeren, offeneren und selbstbewußteren Umgang mit einem Exponenten der weltweiten Haßkampagnen gegen die Färöer lässt sich kaum vorstellen.
Ich bin Teilnehmer an internen färöischen Informations- und Diskussionsrunden über die Anti-Whaling-Kampagnen und kann bestätigen, daß dieser gelassene, offene Umgang nicht nur nach außen stattfindet.

In der Auseinandersetzung um den Walfang gibt es nun durch die Quecksilber- und PCB-Vergiftung des Walfleisches ein verqueres Kreuzungsmuster.
Die gesundheitlichen Folgen des Walfleisch-Konsums sind derzeit der einzige wirkliche Grund, warum der Grindadráp tendenziell zurückgehen mag. Die gesellschaftliche Diskussion ist in einigem vergleichbar mit der Diskussion über die Gefahren des Rauchens bei uns. Die enthaltsamen Reaktionen insbesondere von Schwangeren und Müttern bezüglich Walfleisch sind seit Jahren ebenso eindeutig wie vorher schon die entsprechenden von Schwangeren und Müttern bei uns gegenüber Nikotin.
Man sollte aber auch nicht verschweigen, daß es Untersuchungen gibt, die diese Gefährdung durch Walfleisch einigermaßen relativieren, bzw. einen Rückgang der Vergiftung konstatieren.

Die nachvollziehbare Reaktion auf die gesundheitliche Bedrohung hat nichts, aber auch gar nichts zu tun mit der grundsätzlichen Frage der Berechtigung des färöischen Walfangs; auch wenn sich die „Walschützer“ gerade hieraus ihr „Recht“ ableiten wollen, den Färingern ihre Einstellung vorschreiben zu können.

Fazit:

Als denkender Mensch - und wie viel mehr auch als Freund der Färöer! - liegt mir daran, Verständnis zu wecken für die Unterschiede in den kulturellen Kontexten bei uns und in den Färöern. Diese Unterschiede machen im Übrigen einen nicht zu unterschätzenden Teil des Reizes aus, den die Färöer auf uns ausüben.

Den Begriff „Heilige Kuh“ im Sinne von tabuisiertem Starrsinn im Festhalten am färöischen Walfang drückt den Färingern ja gerade den irrationalen sektiererisch-esoterischen Stempel ihrer Gegner auf; - und nichts wäre falscher. Das ist nicht nur meine persönliche Meinung, sondern die vielfältigen internationalen Untersuchungen der letzten Jahre belegen im Gegenteil den überwiegend pragmatischen, realitätsbezogenen Umgang der Färinger mit diesem Walfang.

Völlig unbenommen von den vielfältigen Haßkampagnen können die Färinger im ökologischen und sozialen Vergleich ihres überkommenen Walfang-Nahrungsmittel-Erwerbs mit der Fleisch- und Pflanzen-Produktion im industrialisierten Westen mit allem Recht stolz sein auf diese Tradition.
Wir sollten uns bemühen, Verständnis dafür zu wecken, indem wir die Unterschiede in unseren erlernten Sichtweisen aufarbeiten, anstatt sie mit falschen Schlagwörtern zuzukleistern.

Mit freundlichen Grüßen!
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1441
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 30.06.2011 12:31    Titel: "Heilige Kühe" Antworten mit Zitat

Der Ausdruck "heilige Kühe" für die färöische Position (soll heißen: Mehrheit der fär. Bevölkerung) in der Grindwalfangdiskussion ist sicherlich falsch gewählt.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
u.k.



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 1441
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 01.07.2011 11:28    Titel: "Wale sind keine heiligen Kühe" Antworten mit Zitat

Artikel von Michael MIERSCH :

http://www.maxeiner-miersch.de/standp2001-07b.htm

erschienen in DIE WELT vom 27. Juli 2007.

Frage: Für wen sind Wale "heilige Kühe" ?

"Wale sind die mythischen Kulttiere der grünen Bewegung"
- nicht für die Färinger.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 02.07.2011 18:41    Titel: Antworten mit Zitat

Nach heftigen Protesten insbesondere von Eltern hat Pete Bethune mittlerweile keinen Zutritt mehr zu den färöischen Schulen.

Zu seinem Earthrace-Team in den Färöern gehören die AktivistInnen Pamela Newlove, Kanada; Donald U Newe, Frankreich; Sandi Sullivan, USA; Wilma van Elzen, Holland; Anna Wikland, Schweden; Maare Liiv, Estland. Alle sind sie in ihren Ländern umfassend vernetzt.
Zudem wird von Earthrace in anderen Ländern, an der Spitze in England, organisiert und erfolgreich politische Lobby-Arbeit betrieben.

Außer diesem Team befinden sich zur Zeit Gruppen aller hier benannten Organisationen, auch aus Deutschland, in den Färöern.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
George



Anmeldedatum: 16.12.2007
Beiträge: 1188
Wohnort: Deutschland, Nähe Hannover

BeitragVerfasst am: 13.07.2011 15:00    Titel: Antworten mit Zitat

Die beiden Schiffe der Sea Shepherds "Steve Irving" und "Brigitte Bardot" befinden sich z.Z. auf ihrer Fahrt zu den Färöern in den Shetland Inseln, - siehe den Bericht in The Shetland Times; - die Übersetzung der üblichen Lügen von Watson spare ich mir allerdings.

Ich bin gespannt, mit welchen Mitteln die bereits in den Färöern anwesende "Walschützer"-Konkurrenz die Medien-Wirkung der kriegerisch bemalten "Steve Irving" toppen will.
_________________
"es ischt beweglich rund um die färörer herrrum"

"Bundin er bátleysur maður"
"Bound is a man who has no boat"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Diskussionsforum Färöer Foren-Übersicht -> Aktuelle Ereignisse Alle Zeiten sind GMT
Gehe zu Seite 1, 2, 3 ... 9, 10, 11  Weiter
Seite 1 von 11

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB2.de