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Historische Darstellung der färöischen Waljagd
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George



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BeitragVerfasst am: 11.09.2011 20:33    Titel: Historische Darstellung der färöischen Waljagd Antworten mit Zitat

Im Zusammenhang mit der Erörterung über das historische Verschwinden der färöischen Insel "Munken" ist hier im Forum ausführlich, insbesondere von d.w., die berühmte 1539 erschienene „Carta Marina“ von Olaus Magnus erwähnt worden. Die „Carta Marina“ ist zwar nicht die älteste Kartendarstellung Nordeuropas, aber sie ist wohl die erste, in der wir Nordeuropa, - und uns besonders interessierend die Inselgruppe der Färöer -, wieder erkennen können.

Zur Geschichte der früheren nordischen Karten-Darstellungen gibt es die ausgezeichnete Seite aus Finnland. Sie lädt ein zum Stöbern und Vergleichen.

Olaus Magnus hatte an seiner Karte 12 Jahre gearbeitet, seine Karte war nicht coloriert, d.h. Käufer konnten sie nach eigenem Wunsch ausmalen. Die Originalkarten schienen nicht nur lange Zeit verschollen, - sie waren später auch nicht digitalisiert zugänglich. Das ist mit dem o.a. finnischen Projekt auf eindrucksvolle Weise anders geworden: die Carta Marina digital.

Uns interessiert natürlich vor allem die Darstellung der Färöer. Und wir stellen fest, daß die Originalkarte sich in den Details der Darstellung durchaus von der späteren farbigen Kopie unterscheidet:





Diese farbige und wohl bekannteste Kopie wurde 1572 von Antoine Lafréry in Rom in einem kleineren Format gedruckt.
Die Karte stellt in toto zweifellos eine verläßliche Kopie (im Sinne von Vervielfältigung) der Originalvorlage dar, im Detail fehlen Landschaftsteile und Namen, - dies berührt aber wohl nicht den Realitätsgehalt.
In der Personen-Darstellung fällt er einigermaßen ab gegenüber Magnus, - dessen färöische "Schotten" einschließlich des anschaulichen Dudelsackspielers werden irgendwie zu "grauen Mäusen".

Ich bleibe für die Details dennoch bei dieser Kopie, weil die colorierte Darstellung einfach anschaulicher ist:





Wie fast alle frühen Darstellung von Walen, - wenn es sich denn nicht um vollkommene Phantasie-Geschichten handelte -, wird hier das Schlachten eines gestrandeten Wals gezeigt. Dies war die an europäischen Küsten - mit Ausnahme der Basken - übliche Weise, eines Groß-Wales habhaft zu werden: die Wale trieben entweder zufällig, als "Gottesgeschenk" an, oder es wurde vorher mit Giftpfeilen etwas nachgeholfen.
Der Zeichner schildert also keine "färöische" Situation, sondern seine eigene gelernte Vorstellung vom Walfang.
Wichtig ist ihm zu zeigen, daß der Wal über Haken am Ufer vertäut ist, um nicht mit der nächsten Flut wieder abzutreiben.
Die Zeichnung des Wals als schuppigen Fisch ist durchaus zeitgemäß, - bis zu den ersten Naturwissenschaftlern wie Clusius sollte es noch über ein halbes Jahrhundert dauern, und die ersten zoologisch wirklich verläßlichen Wal-Darstellungen gibt es erst nach 1800...!

Wir können also davon ausgehen, daß Olaus Magnus als früherer skandinavischer Bischof selbstverständlich wußte, daß auf den Färöern Wale gefangen wurden, - die Kirche profitierte imerhin von ihren Grindwal-Anteilen -, aber die besonderen färöischen Umstände mitzuteilen, war er entweder nicht im Stande, - oder es war ihm nicht wichtig, sie diente lediglich als Staffage.

Allerdings bestimmte genau diese Illustration der Färöer in der Carta Marina über lange Zeit das Bild der Färinger und der Färöer in Europa: Olaus Magnus galt - nicht zu Unrecht - als Autorität und wurde in großem Umfang kopiert und interpretiert. Ein eindrucksvolles Beispiel ist diese färöische Szene (man beachte wiederum den Dudelsackspieler):

,

"Leute von den Faeröern zerlegen einen gestrandeten Wal.
Buchholzschnitt von "FO", wohl Franz Oberrieter, nach Holzschnitten aus Werken von Olaus Magnus. Diese Abbildung stammt aus Conrad Gesner, "Nomenclator aquatilium animantium", Zürich: Froschauer, 1560, S.176. (Walfangsammlung Barthelmeß, Köln)"

Diese Abildung samt Untertext stammt aus "Monstrum horrendum. Wale und Walstrandungen in der Druckgraphik des 16. Jahrhunderts und ihr motivkundlicher Einfluss"; Klaus Barthelmess, Joachim Münzing; Kabel Verlag (1991), ISBN-10: 3822501751 ISBN-13: 978-3822501757.
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joachim



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BeitragVerfasst am: 13.09.2011 07:11    Titel: Wälder? Antworten mit Zitat

Danke für den Tipp. Das kannte ich noch gar nicht.

Aber nicht nur der Dudelsackspieler ist bemerkenswert.

Irre ich mich oder sind das hier



Bäume links auf der Abbildung?

Färöer und Bäume, die wurden meiner Kenntnis nach erst im19 Jahrhunderts angelegt. Oder gab es auf den Färöer (wie in Irland) im Mittelalter Bäume? War Holz nicht immer schon Mangelware auf den Inseln?

JO
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u.k.



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BeitragVerfasst am: 13.09.2011 10:12    Titel: Re: Wälder? Antworten mit Zitat

joachim hat Folgendes geschrieben:


Bäume links auf der Abbildung?

Färöer und Bäume, die wurden meiner Kenntnis nach erst im19 Jahrhunderts angelegt. Oder gab es auf den Färöer (wie in Irland) im Mittelalter Bäume? War Holz nicht immer schon Mangelware auf den Inseln?

JO


Die Darstellung ist wohl nur der Phantasie entsprungen und nicht dem Wissen über die tatsächlichen Verhältnisse auf den Färöern. Siehe auch die Lage und die Namen der einzelnen Inseln.
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George



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BeitragVerfasst am: 13.09.2011 10:18    Titel: Antworten mit Zitat

Es gab in historischer Zeit ein paar Birken und Wacholderbüsche, sowie zwergenwüchsige "Baum"-Arten, - mehr dazu auf "100 Jahre Baumpflanzung in den Färöern".

Einige Wacholder-Restbestände konnten sich trotzt intensiver Nutzung bis heute retten, - aber mehr "Wald" als die paar Strünke, die man im Torf hat finden können, hat es nach der Eiszeit nicht gegeben.

Der Baum-Darstellung von Olaus Manus kann man sich von zwei Seiten nähern:
Wie ist seine Darstellung in vergleichbaren Gebieten, - und wie ist seine Darstellung im eindeutig fiktiven Bereich?

Vegetationsmäßig waren die Shetland Inseln mit den Färöern vergleichbar, insbesondere was den Baumwuchs betrifft.
Hier ist also "Hetlandia":


"Hetlandia" ist hier unbewaldet, - die Darstellung trifft die Realität; - aber sicherlich so zuverlässig, wie auch eine stehengebliebene Uhr zweimal am Tag die richtige Uhrzeit anzeigt, - die Informationen über die Shetland Inseln waren damals in Skadinavien so gut wie über die Färöer.


Für den zweiten, fiktiven Bereich ist die Insel "Tile" (auf seiner Karte zwischen den Orkneys und den Färöern) von Interesse. Tile geht auf die unbeglaubigte Überlieferung von Ptolemeus "Thule" zurück, aber da Ptolemäus eine so würdige Autorität war, mußte die Insel irgendwo untergebracht werden:



Diese definitiv fiktive Insel ist gleichwohl mit Bäumen begrünt worden, sogar Ortschaften, Kirchen, sowie die Einwohnerzahlen sind angegeben...

Fazit:
Die Begrünung der Inseln durch Olaus Magnus hatte zu einem hohen Anteil dekorativen Charakter.


Im übrigen war Holz auf den Färöern insoweit "Mangelware", als es bis zum Ende des 20. Jahrhunderts kein eigenes Wald-Holz gab, - Bäume "wuchsen" hingegen am Strand, als Treibholz. Wertvoll war es aber immer.
So hat die Insel Viðoy ihren Namen vom Holz (viður), das besonders dort angetrieben wurde.
Anders als die Shetlander mußten die Färinger aber z.B. ihre Boote nicht als komplette Bausätze aus Norwegen einführen, sondern konnten sie selbst bauen.


Anders als zum Bauwuchs stellt die Carta Marina bezüglich der Formung des damaligen - und z.T. sogar unseres heutigen(!) - Bild vom Wal eine eindrucksvolle Fundgrube dar. Wer weiß z.B. nicht, daß Schwertwale (Orcas) große Wale anfallen und bei lebendigem Leibe auffressen?
Hier ist die Illustration, die dieses Bild entscheidend transportiert hat:


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joachim



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BeitragVerfasst am: 13.09.2011 14:09    Titel: Antworten mit Zitat

Danke Euch beiden, nu ist mein Weltbild wieder inOrdnung... Wink

JO
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joachim



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BeitragVerfasst am: 14.09.2011 08:50    Titel: 1865: Holz war kostbar Antworten mit Zitat

Erstmal ganz OT, wie es neudeutsch heißt. Banal formuliert: Alte Männer neigen zur Weitschweifigkeit, muss aber sein:
Was machten wir ohne Tante Google? Und vor allem ohne „Google Books“? Stundenlang in muffigen Bibliotheken zwischen mannshohen Buchregalen auf einem Stuhl sitzen, welcher rein „rückentechnisch“ gesehen so sicher in der heiligen Inquisition als Büßerbank bestens geeignet gewesen wäre. Da ist unrasiert abhängen (chillen sagt man wohl dazu), Laptop auf dem Bauch und googeln schlicht bequemer.

Trotzdem, diesen merkwürdigen Geruch nach Papier, Staub, Buchleim, Bohnerwachs, Linoleum.... irgendwie vermiss ich ihn ja doch.


Wie auch immer, endlich zum Thema:

Holz, Bäume, Färöer


In diesem Artikel geht es um den Golfstrom, die Färöer kommen nur am Rande vor.

(Rechtschreibung und Lesefehler der OCR von mir angepasst)

Zitat:

Der dänische Capt. Irminger stellte über diesen Gegenstand in den (1800, Anmerkung von mir) dreißiger Jahren Beobachtungen in den nordwestlichen Partien des atlantischen Ozeans an...

Capt. Irminger sah im Jahre 1844 große Massen Treibholz bei der südlichen Spitze von Stromoe (wohl Streymoy, dän. Strømø gemeint, Anmerkung von mir) , einer der Färöer, darunter sehr große Bäume, welche von den Eingeborenen zu Brettern und Balken verarbeitet und zum Häuserbau verbraucht wurden. Er berechnete, aus verschiedenen Anzeichen, dass der Golfstrom dieses Holz von Florida zu den Färöer in dem Zeiträume von 160 Tagen geführt haben müsse. Schon früher waren ähnliche Funde und Beobachtungen bei den Färöer gemacht worden. Im Jahre 1819 hatte ein Däne, Herr Lyngbye, dort verschiedene Teile eines amerikanischen Indianer-Kanus gefunden, welches aus Mahagoniholz konstruiert war. Auch berichten die dänischen Geschichtsschreiber, dass das Treibholz in früheren Zeiten in so großer Menge zu den Küsten der Färöer und Islands angelangt sei, dass es wesentlich zur Wohlfahrt der Eingeborenen beigetragen habe, aber dass es in neuerer Zeit seltener geworden und jetzt von den Insulanern schmerzlich vermisst würde. Sie bringen diese Erscheinung mit der wachsenden Vermehrung der Bevölkerung des Mississippi-Tals und der Vereinigten Staaten in Verbindung, und glauben, dass der Mississippi, weil das Holz seiner Wälder jetzt mehr als früher verbraucht wird, deswegen nicht mehr so große Massen von Holz in den Golf von Mexiko hinabführte wie früher und dass daher auch ihre nördlichen Gegenden an Holz Mangel leiden.


Quelle: Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, Band 19, Reimer, 1865

http://books.google.com/books?id=zgVBAAAAcAAJ&pg

Seite 264 im Buch (in GoogleBooks Seite 274)

Gruß JO
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George



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BeitragVerfasst am: 14.09.2011 21:21    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Joachim, "Es ist schon alles gesagt! Nur noch nicht von allen!" Razz Wink
Nein, ich freu mich über das Revival, der Artikel ist es allemal wert. Ich konnte nur der Versuchung nicht widerstehen, das Karl Valentin Zitat im Original zubringen... (Wir haben ganz lange in München gewohnt und einiges wie der Buchbinder Wanninger ist bei uns heute noch Kult.)

Ich hatte das große Vergnügen, daß ich Informationen aus dem von Dir genannten Beitrag vor einiger Zeit hier im Forum nachgehen konnte. Ein vorläufiges Ende hat diese Recherche gefunden, seitdem ich in den Besitz von zwei vitunýra (Entada gigas) geraten bin, die in diesem Bericht erwähnt werden.

Die Vorstellung fasziniert mich nach wie vor, wie an solchen Golfstrom-Küsten wie den Färöern immer schon Gegenstände aus Amerika angespült wurden, - kaum denkbar, daß das karibische Indianer-Kanu aus dem Bericht das erste Artefakt gewesen sein sollte.

Und kein Wunder, daß solche Gegenstände aus einer anderen Welt Eingang in die Mythologie gefunden haben.
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joachim



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BeitragVerfasst am: 15.09.2011 05:25    Titel: Antworten mit Zitat

George hat Folgendes geschrieben:
...
Ich hatte das große Vergnügen, daß ich Informationen aus dem von Dir genannten Beitrag vor einiger Zeit hier im Forum nachgehen konnte....
.

Und ich dachte, ich hätte schon alles in diesem Forum gelesen. Der Beitrag ist offenbar durchgeflutscht. Naja, doppelt hält besser....

JO
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George



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BeitragVerfasst am: 15.09.2011 09:06    Titel: Antworten mit Zitat

joachim hat Folgendes geschrieben:
Und ich dachte, ich hätte schon alles in diesem Forum gelesen. ...

Das geht mir auch öfters so. Cool
Wenn ich dann doch die Such-Funktion zur Kontrolle betätige, stoße ich dann meist auf vergrabene Goodies von "u.k."...

Zwei Gedanken dazu:

1. Dieses - vorzügliche! - Forum fließt durch ein buntes Feld von Themen und Fundsachen. Manches davon, - ich denke sofort an einige Beiträge von d.w. -, wäre einer präsenteren und öffentlich zugänglicheren Erhaltung wert.
Arne hat jahrelang ihm wichtige Themen in Wikipedia umgesetzt, davon profitieren Färöer-Interessierte heute noch.
Aber für das Forum wirklich wünschenswert wäre eine dauerhafte Ergänzung durch eine Webseiten-Funktion. My kingdom for an idea...

2. Ich war auf die o.a. Golfstrom/Treibholz-Fundstelle seinerzeit ebenfalls durch die Gugl-Tante gestoßen, - gesucht hatte ich als begeisterter Küsten-Kanuwanderer nach Treffern mit Färöern und Kanu/Kajak/Canoa etc., - et voila!!!
Will sagen, - gleiche Fundstellen sagen nix aus über die verschiedenen Blickwinkel und die Zusammenhänge, die andere erkennen.
Meine o.a. Bemerkung war allein dem gräßlichen Carl geschuldet, - der wirkt wie Göte...
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George



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BeitragVerfasst am: 17.09.2011 11:19    Titel: Antworten mit Zitat

Gestern ist mir im Antiquariat für € 8 die "Reise durch die Nordischen Länder im Jahre 1592" zugelaufen. Das ist ein "Bericht des Augustin Freiherrn zu Mörsberg und Beffort St. Johanniter Ordens-Prior in Dänemark geschrieben den 1. April 1603". Leider führte ihn die ausgedehnte Reise nicht über die Färöer, aber das Buch vermittelt interessante Endrücke über die Vorstellung und Wahrnehmung von Nordeuropa im 16. Jhdt, - und über eine ausgesprochen aristokratische Art des Reisens, die sich vornehmlich an Fürstenhöfen orientierte.
Mitgenommen habe ich das Buch vor allem deshalb, weil ihm die (etwas verkleinerte) Carta Marina von Olaus Magnus beigefügt war.

Ich möchte durchaus empfehlen, diese Karte in die Hand zu nehmen und sich darin zu orientieren. Es ergibt sich ein vollkommen anderer Eindruck, als wenn man am Bildschirm die digitale Kartenversion mit der Zoom-Lupe durchsucht.
Vergegenwärtigen wir uns, daß die wirtschaftlich veranlaßten Expeditionen in die noch ausgedehnten weißen Flächen der damalige Welt überwiegend erst nach Olaus Magnus erfolgten*), dann haben wir doch schon von Grönland - oder dem vermeintlichen Grönland -, bis zum Nord-Pazifik ein erstaunliches Bild des Nordens vor uns.
Olaus Magnus gibt darin außer den damaligen geografischen Kenntnissen auch das zeitgenössische Wissen über die jeweiligen Regionen wieder, - so wird in den Finnischen Marken Schneeschuh gefahren, und an der russischen Pazifiküste finden sichn Abbildungen Baidarka-ähnlicher Boote.

Und da wird es wirklich interessant, wenn man vergleicht, welche Informationen damals vorlagen und welche er verbreitete. Als Probe aufs Exempel können wir uns Island ansehen, das seit dem frühen Mittelalter ein Literatur-Land gewesen ist, außerordentlich schriftkundig und belesen im Vergleich zu Kern-Europa.
Die Carta Marina vermittelt ein wildes Land mit "Chaos", gefährlichen Vulkanen und Raubtieren.
Das Selbst-Bildnis der Isländer seiner Zeit ist ihm aber uninteressant, - er vermittelt seine Sicht, und das ist die "herrschende" Vorstellung aus Zentral-Europa, - eine nahezu koloniale.

Diese Bilder von der Fremdheit und Absonderlicheit der Außengrenzen der damaligen Welt hatten für lange Zeit prägende Wirkung. Und für die Färöer war eben das Bild des Wal-Schlachtens bestimmend.


*) Die Erkundungsfahrten zur Erschließung des Walfangs um Grönland und im Nordmeer erfolgten in rascher Folge um 1600, - von daher hängt auch unser ältestes Kajak in Deutschland als Mitbringsel aus Grönland 1605/6 in der Lübecker Schiffergesellschaft.
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BeitragVerfasst am: 19.09.2011 09:37    Titel: Re: 1865: Holz war kostbar Antworten mit Zitat

joachim hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Capt. Irminger sah im Jahre 1844 große Massen Treibholz (...)
Auch berichten die dänischen Geschichtsschreiber, dass das Treibholz in früheren Zeiten in so großer Menge zu den Küsten der Färöer und Islands angelangt sei, dass es wesentlich zur Wohlfahrt der Eingeborenen beigetragen habe (...)

Treibholz gibt es auch heute noch die Menge, aber auch einiges andere...
Das Treibholz kam aus Mittelamerika direkt mit dem Golfstrom und aus Sibirien über polare und Nordmeer-Strömungen.


fb-Photo of Turið Vestergaard Í Dali; Drift wood in Botnskarð og Botn, Trongisvágur
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joachim



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BeitragVerfasst am: 19.09.2011 22:12    Titel: Antworten mit Zitat

Da sieht man, wie zugemüllt die Meere sind. Und nicht nur die.

JO
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George



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BeitragVerfasst am: 20.09.2011 19:58    Titel: Antworten mit Zitat

Die folgende Illustration ist im englischen und einigen anderen Wikipedia und ergo als public domain in einer Vielzahl weiterer Publikationen veröffentlicht.
Unschwer ist das Original-Motiv zu erkennen, - die Färöer-Illustration von Olaus Magnus. Es ist ein Fahnenschwenker zum Dudelsackspieler dazugekommen und etliches andere drumherum, aber die Ursprungs-Information ist unverkennbar.

Die Bild-Angabe, es handele sich um ein Faksimile erscheint mir unklar, denn die angegebene Vorlage in dem monumentalen Werk "La cosmographie universelle d'André Thevet ,... illustrée de diverses figures des choses plus remarquables veuës par l'auteur"; Thevet, André (1516-1590); G. Chaudière (Paris);1575 ist, wie der u.a. Screenshot aus des online-Faksimiles zeigt, seitenverkehrt.



Allerdings ist mir erst in dieser Wiedergabe ein interessantes Detail aufgefallen, das ich beim Olaus Magnus Original und allen weiteren Reproduktionen bisher übersehen hatte: Das Tier hat ganz offensichtlich Brüste!
Es mag sein, daß Olaus Magnus, auf dessen Färöer-Original alle diese weitverbreiteten Darstellungen zurückgehen, nie selbst einen Wal gesehen hatte, - deshalb die Darstellung als fisch-ähnlichem Phantasie-Tier; aber er hat sich wohl sagen lassen, daß es sich bei diesem Tier um ein Säugetier handelt, - und diese neue Information hat er - eigentlich unübersehbar – den Betrachtern vermittelt.



Der Bildtext des Originals "Comme en prends la Baleine" ist korrekter als der Wikipedia-Text "Whale-Fishing", - es geht schließlich nicht um Fischfang, sondern um die Verarbeitung eines gestrandeten Wals.
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BeitragVerfasst am: 22.09.2011 16:22    Titel: Antworten mit Zitat

Mit dem Aufkommen der Fotografie war die Darstellung der Grindwale zwangsläufig realistischer, obgleich es nach 1800 auch sehr exakte zeichnerische Abbildungen gab. Fotografien waren aus technischen Gründen lange gestellte Stand-Aufnahmen, wie diese hier aus einer Veröffentlichung des französischen Arztes M.H.Labonne nach seiner Färöer-Fahrt 1887:



"Arrivée des dauphins morts á la maison de M. Öström"

in "Un mois dans l'archipel des Faerøer", M.H.Labonne, in "Le Tour du Monde", 1887 p. 395


Die damalige Drucktechnik konnte mit der der Fotografie nicht mithalten, so daß zunächst ein Foto gemacht wurde, - Labonne bedankt sich ganz herzlich bei Mademoiselle Mueller, der "charmanten Tochter" des Tórshavner Bürgermeister für die fotografische Assistenz -, und nach diesem Foto wurde dann die Druckplatte gestochen. Meist wurde, wie auch hier, der Fotograf nicht gewürdigt, sondern nur der kunstbegabte Handwerker.

Herr Öström, ein gebürtiger Schwede, war Leiter eines Geschäftshauses ("the normal Company limited") mit einer großen neuen Fischfabrik (1886) in Tórshavn. In welcher Weise die Grindwale hier verarbeitet wurden, und was die abgeschnittenen Köpfe bedeuten, kann ich noch nicht sagen.

Wir können jedoch davon ausgehen, daß - abgesehen von der künstlichen Aufstellung für das Standfoto - diese Abbildung realistisch ist.

Anders war dies bei bewegenden Szenen und abseits des festen Foto-Standplatzes wie die folgende Abbildung zeigt:


La péche des dauphins; Labonne p. 409

Diese wild bewegte Jagdszene konnte sowohl foto-technisch als auch faktisch nicht fotografiert worden sein; - Labonne berichtet vom Hörensagen. Es wäre auch überraschend, wenn er in den vier Wochen seines Aufenthalts - zumal mit den langsamen Transportmitteln - zufällig selbst Augenzeuge eines "grind" geworden wäre. Er macht also eine Zeichnung, nicht nach der Natur, sondern von einem Gemälde des Engländers M.Hanhart. Von Hanhart sind etliche Gemälde im National Maritime Museum erhalten, darunter auch färöische Themen, aber leider nicht Labonne's Vorlage "Whale hunting in Westmanshaven Bay".

Das Bild läßt sehr bezweifeln, daß der Maler jemals selbst einen lebenden Grind, geschweige denn einen Grindwal-Fang mit eigenen Augen gesehen hat; - die überwiegend untypischen Rückenflossen, die durchweg fischförmig dargestellten Fluken, der völlig untypische Blas, die merkwürdigen Körperhaltungen lassen dies Urteil eindeutig zu.

Dann erklärt sich auch leicht, daß hier Jagd- und Kampfszenen dargestellt werden, die wir aus keiner authentischen Schilderung kennen; - das Harpunieren zumal mit Lanzen ist nie eine Option im Grindadráp gewesen. Die wilde Jagd abseits des Strandes hat es so nie gegeben.

Diese Abbildung ist definitiv ein Fake, ein Phantasiegebilde. Sie wird unglücklicherweise durch die Aufahme in Labonne's ansonsten weitgehend realistischen Bericht förmlich geadelt und für echt genommen. Später soll sie noch an vielen Stellen, bis hin zur Postkarten-Produktion, auftauchen als Darstellung des wilden färöischen Grindwal-Fangs. Dennoch: einfach nur ein Fake.
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u.k.



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BeitragVerfasst am: 27.09.2011 09:45    Titel: GLOBUS 54.1888 Antworten mit Zitat

Ein Teil der Illustrationen zum Aufsatz von M.H. LABONNE in Le Tour du Monde, darunter die beiden oben gezeigten, wurde im 54. Band der Zeitschrift GLOBUS 1888 wiederveröffentlicht:
H. SCHUNKE: Die Färöer, in: GLOBUS 54. Band 1888, S. 49-55, 65-70. 85-88, 101-105
Der Aufsatz von SCHUNKE ist leider nur eine Zusammenstellung von Berichten anderer Autoren.

"Seit 1886 besteht in Thorshavn eine englische Gesellschaft zur Ausbeutung des Grindwalfanges, die "Normal Company Limited", welche von einem Schweden von Geburt, H. OESTRÖM, geleitet wird. Derselbe hat - entsprechend seinem Berufe - vor seiner Wohnung ein paar mächtige Walfischkinnladen als Thorpfeiler aufgerichtet. In dem großen Schlacht- und Waaarenhause (!) riecht Alles nach Fischthran, Alles ist von Fett durchdrungen, überall hängen Theile von Walkörpern, und auf den Gängen bewegt man sich zwischen Mauern von Fischfleisch. Die Gesellschaft macht gute Geschäfte." (SCHUNKE, S. 70)

Eine Abb. des Tores aus Walfischkinnladen befindet sich auf S. 104 "Haus eines Großhändlers".
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