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Die deutsche Walfangstation Lopra auf Suðuroy

 
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George



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BeitragVerfasst am: 21.09.2011 10:55    Titel: Die deutsche Walfangstation Lopra auf Suðuroy Antworten mit Zitat

In früheren Forums-Beiträgen haben wir den Hintergrund eines Gerüchts erörtert, nämlich über den möglichen Zusammenhang der deutschen Walfangstation in den Färöern mit (militärischen) Kriegsvorbereitungen.
Es hat sich kein Hnweis darauf gefunden.

Ich möchte hier das Thema Lopra - losgelöst von dem o.a. Gerücht - neu eröffnen. Anlaß ist die gerade erfolgte Publikumsöffnung der ehemaligen färöischen Walfangstation við Áir, sowie einige neue Literaturfunde.

Auch in við Áir findet sich übrigens deutsche Vergangenheit:


(Schlotterhose & Co Maschinenfabrik von Jan Egil Kristiansen auf Flickr)


Das Firmenzeichen ist von 'Schlotterhose & Co', einem führenden Anlagenhersteller für Fischverarbeitung, 1992 vom Weltmarktführer 'Nordischer Maschinenbau Rud. Baader GmbH und Co. KG' (Lübeck) aufgekauft, die heute u.a. Anlagen zur Lachsverarbeitung in den Färöern stellt.


Ich ziehe zum Einstieg u.k.'s Zusammenfassung der Literaturlage aus dem o.a. Thread hierher:

u.k. hat Folgendes geschrieben:
Der in einem früheren Beitrag erwähnte Illustriertenbericht:

Auf Großwalstation Lopa.
Deutsche Chemiker, Ingenieure und Arbeiter betreuen die Versuchsanlage zur Verbesserung der Walöl-Gewinnung
, in:

Neue Illlustrierte Zeitung, Berlin, XII. Jg. 1936 Nr. 2 vom 9. Januar, S. 28 und 29

Bildbericht von Dr. Else ZIMMERMANN-OST (8 Fotos, davon 2 aus der NYT)

"...Auf den Fangboten und in der Fabrik arbeiten ausschließlich Färinger (die deutsche Studienkommission hatte mit dem sonstigen Bereich nichts zu tun)..."

Sowie :

Der Wal als Vitamin-A-Quelle zugleich ein Bericht über die Forschungsreise nach der Walfangstation Lopra, Färöer,

von Dr. med. Karl-Heinz WAGNER und Marc VERMEULEN, Leipzig
in:

Die Ernährung. Zeitschrift für das gesamte Ernährungswesen in Forschung, Lehre und Praxis, Leipzig, Band 4, Heft 7, Juli 1939, S. 193-199

(haben in der Zeit vom April bis Juli 1938 dort die häufigsten Walarten untersucht; wiss. Untersuchung, nur etwa eine halbe Seite über die Färöer)

Karl-Heinz WAGNER hat 1939 in Leipzig über das Thema Das Vorkommen von Vitamin A und (BETA)-Carotin bei Finn-, Blau- und Spermwal promoviert (Dissertation gedruckt) 70 Seiten.
Aus der Verlagsanzeige:

"Der Verfasser unternahm eine Forschungsreise nach der Walfangstation Lopra auf Sudero - Faroer, mit dem Ziele, das Vorkommen des Vitamin A im Organismus des Wales mengenmäßig zu bestimmen. Unter den denkbar größten äußeren Schwierigkeiten gelang es ihm, die gestellte Aufgabe vollkommen zu lösen (...)" (Zitat)

Die "großen Schwierigkeiten" waren unter anderem die Beschaffung von Butter, die auf den Färöern nicht produziert wurde (Margarine wurde dort vorgezogen). "Unsere Ernährung geschah durch Brot, Butter, Fische, Kartoffeln, ferner Walfleisch und Konserven. die Konserven wurden uns in reichlichem Ausmaß von der Braunschweiger Konservenindustrie 1) kostenlos zur Verfügung gestellt. (Aus dem o.g. Aufsatz, S. 193; die Fußnote 1) lautet: "Den Braunschweiger Konservenfirmen danken wir für ihre freundliche Untersützung."

In der mir jetzt vorliegenden Habiblitationsschrift von Dr. K.-H. WAGNER wird anscheinend nur im Geleitwort von Prof. Dr. Arthur SCHEUNERT, Leipzig, kurz auf die "Forschungsreise nach der Walfangstation Lopra auf Suderø-Færøer" und die Untersuchungen "an dort frischgeschossenen Walen" hingewiesen.

Über Lopra gibt es eine fär. Monographie von Erling POULSEN aus dem Jahr 1998, die mir nicht vorliegt.

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George



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BeitragVerfasst am: 11.10.2011 08:37    Titel: Antworten mit Zitat

In den 30er Jahren waren deutsche Firmen und Wissenschaftler im färöischen Walfang, allerdings auf Großwale, engagiert und haben auf der Insel Suðuroy eine eigene Forschungsstation betrieben (in Lopra). Stichwort Ölverarbeitung, Fetthärtung, Margarine, Nitroglyzerin, wirtschaftliche Autarkie.

Mit dem praktischen Walfang hatte die deutsche Station nach meinen bisherigen Informatonen nichts zu tun, - der wurde von Norwegern und Färingern betrieben.

Nun finde ich bei Klaus Barthelmeß, einem über jeden Zweifel erhabenen Walfang-Fachmann, folgende Information*):
Zitat:
"Von 1938 an wurden deutsche Walschießer in der Zwischensaison vor der Walfangstation Lopra, Färöer, wo seit 1935 die oben genannte Hamburger Ölfirma Brinkmann & Mergel geschäftlich involviert war, und auf einem Schießstand in Walsrode, Niedersachsen, ausgebildet."

Klaus Barthelmeß ist leider vor kurzem verstorben, und somit nicht mehr befragbar.
Der heutige Senior-Chef der Hamburg-Harburger Ölfirma Brinckman & Mergell, die die Lopra-Station seinerzeit betrieben hatte, hat diese Zeit selbst nicht miterlebt, alle aktiv Beteiligten sind mittlerweile verstorben.


Walsrode liegt erfreulicherweise nur einen Katzensprung vor Hannover, sodaß ein Archivbesuch dort ohne großen Aufwand möglich wäre.
Der Stadtarchivar hat mir auf Anfrage eine mögliche Erklärung für die Auswahl ausgerechnet dieses Heide-Städtchens zur Walschieß-Ausbildung gegeben:
Zitat:
Ich bezweifele allerdings, dass hierfür ein Schießstand in Walsrode benutzt wurde. Vielmehr vermute ich einen Zusammenhang mit der Firma Wolff & Co. Walsrode, die in jener Zeit einen Prüf-Schießstand im Löverschen unterhielt.
Ich nehme an, dass es dabei um die Waljagd mit Harpunen ging, die aus Kanonen abgeschossen wurden. Hierfür waren sicher spezielle Treibsätze erforderlich, die in Bomlitz produziert und dann vor Ort getestet worden sein dürften. Vielleicht wurde den Harpunieren auf dem Schießstand der Firma der Umgang mit der Harpunen-Kanone und die Anbringung der Treibsätze gezeigt.


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*) "Deutsche Walforschung der 1930er Jahre, ihre Funktion in der nationalen Walfangpolitik, ihre Ergebnisse und wissenschaftliche Rezension"; PDF-Download
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