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Archäologische Funde auf Sandoy

 
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Christian Schöne



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BeitragVerfasst am: 26.08.2013 11:20    Titel: Archäologische Funde auf Sandoy Antworten mit Zitat

Gerste belegt: Unbekannte Seefahrer befuhren schon 500 Jahre vor den Wikingern den Nordatlantik

Durham (England) - Während bislang allgemein den Wikingern die Erstbeseglung und -besiedlung des Nordatlantiks bis hin nach Neufundland zugeschrieben wurde, belegen neue Funde auf den Färöer-Inseln nun, dass die Inselgruppe schon bis zu 500 Jahre zuvor von Europäern besiedelt wurde. Wer diese Seefahrer jedoch genau waren ist weiterhin unbekannt. Der Fund stellt nicht nur die Historie der Seefahrt und Kolonisation des Nordatlatikraumes in Frage sondern hat auch Auswirkungen für unsere Vorstellungen der Kolonisation ähnlicher Inselgruppen weltweit.

Bei den Funden handelt es sich um vom Wind verwehte Sandablagerungen und darin beinhaltete Anteile von Torfasche aus menschlicher Aktivität, die in der Ausgrabungsstätte Sondum auf der Insel Sandoy freigelegt wurde und in der die Forscher Gerstenkörner fanden. Gerste ist war jedoch auf den Färöer zur damaligen Zeit nicht heimisch. Das Getreide musste also von irgendjemandem auf die Inseln gebracht und hier vielleicht sogar auch angebaut worden sein. Die datierbaren Körner waren vermutlich zufällig mitverbrannt worden und dann gemeinsam mit der Torfasche auf die Sandflächen zwischen dem 4. und 6. - und 6. und 8. Jahrhundert aufgetragen worden. Hierbei handelte es sich um eine verbreitete zeitgenössische Methode der Eindämmung von Winderosion.

Wie die Forscher um den Archäologen Dr. Mike Church von der Durham University aktuell im Fachjournal "Quaternary Science Reviews" berichten, wurden die Färöer-Inseln - da auf halbem Weg zwischen den Küsten Norwegens und Schottlands und Island gelegen (s.Abb.) - von den Wikingern im 11. Jahrhundert als Sprungbrett zu den Küsten Nordamerikas genutzt.

"Jetzt aber", so kommentiert Church seine Entdeckung, "gibt es begründete archäologische Beweise für eine Kolonisation der Färöer durch Menschen schon 300 bis 500 Jahre vor der umfangreichen Besiedlung der Inseln durch die Wikinger im 9. Jahrhundert. Allerdings wissen wir bislang noch nicht, wer diese Menschen waren und woher sie kamen."

Die Archäologen vermuten, dass ein Großteil möglicher archäologischer Beweise für diese frühe Kolonisation schon durch die Wikinger zerstört wurde. Zumindest würde dies das Fehlen der sonst gewöhnlichen archäologischen Funde für Siedlungen erklären. "Zugleich wirft dieser Umstand auch Fragen über die Geschichte der menschlichen Besiedlung anderer Inselsysteme auf, auf denen ebenfalls ehemals vorhandene archäologisch auswertbare Beweise von späteren Siedlern zerstört worden sein könnten.

"Auch wenn wir noch nicht wissen, wer diese Menschen waren, die sich hier einst niedergelassen hatten und auch nicht woher sie kamen, so zeigt der Fund doch, dass sie Torfasche herstellten, in dem sie Torf zuvor stachen, diesen trockneten und verbrannten. Alles das deutet daraufhin, dass sie sich hier für längere Zeit aufhielten und nicht nur einmal kurz an Land gegangen waren", erläutert der Mitautor der Studie Símun V Arge vom Nationalmuseum der Färöer-Inseln.

Jetzt müsse man diese Daten erst einmal "verdauen", die eine derart frühe Besiedlung der Inseln belegen, so die Forscher- Auch müsse man sie in Beziehung zu anderen Quellen setzten und fragen, ob ähnliche Szenarios auch auf anderen Inselgruppen weltweit möglich vorstellbar sind. Dies, so die Hoffnung der Archäologen, könnte zu einer ganzen Reihe neuer archäologischer Funde führen.

aus: http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de/2013/08/gerste-belegt-unbekannte-seefahrer.html
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joachim



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BeitragVerfasst am: 26.08.2013 14:13    Titel: Antworten mit Zitat

Im "Original" hier:

https://www.dur.ac.uk/news/newsitem/?itemno=18471

und hier:

https://www.dur.ac.uk/archaeology/research/projects/?id=249&mode=project

JO
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Christian Schöne



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BeitragVerfasst am: 13.09.2013 11:32    Titel: Bericht in Spiegel online: Ureinwohner überraschten Wikinger Antworten mit Zitat

Als die Wikinger sich auf den Weg gen Nordamerika machten, benutzten sie die Inseln im Nordatlantik quasi als Trittsteine. Der erste kleine Schritt führte sie auf die Shetlands. Von dort aus ging es weiter zu den Färöern und dahinter lag dann schon Island. Doch als sie auf den Färöern ankamen, mussten sie feststellen, dass sie nicht die ersten waren.


Ob sie noch lebende Menschen antrafen, ist nicht überliefert. Zumindest aber werden sie wohl, als sie sich nach ihrer Ankunft umschauten, deren Häuser gefunden haben. Wahrscheinlich rissen sie die Behausungen ab und bauten einfach neue drüber - geblieben ist von den ersten Siedlern auf den Färöern deshalb keine Spur.

Oder fast keine. Denn eine Gruppe von Archäologen um Mike Church von der britischen Durham University und Símun V. Arge vom Nationalmuseum der Färöer haben doch etwas gefunden, was die Anwesenheit von Menschen lange vor Ankunft der Wikinger verrät:
verkohlte Gerstenkörner. Da Gerste auf den Färöern nicht heimisch ist, muss jemand sie nach Á Sondum auf der Insel Sandoy gebracht haben.

Und die C14-Datierung sagt auch, wann. Mindestens zweimal lebten hier in der Bucht Menschen für einen längeren Zeitraum: zunächst von der Mitte des vierten bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts und dann noch einmal vom späten sechsten bis zum späten achten Jahrhundert.

Die verkohlten Körner sind das einzige, was von den ersten Siedlern blieb. Alles andere ist längst weg. Die archäologischen Schichten sind in Á Sondum rund drei Meter dick, berichten die Forscher in ihrem Aufsatz, der demnächst im Fachmagazin "Quarternary Science Reviews" erscheinen wird.

"Überrascht und erfreut"

Die obersten Lagen sind Müllhaufen aus dem 19. Jahrhundert, am Boden der Schichten liegen die Reste eines Wikinger-Langhauses. Anhand von verkohlten Getreidekörnern aus dem Herdfeuer und einer dünnen Abfallschicht neben dem Haus konnten die Archäologen das Gebäude datieren. Es stammt aus dem neunten Jahrhundert - Wikinger bauten es also bereits kurz nach ihrer Ankunft auf den Färöern.

Die älteren Gerstenkörner fanden die Ausgräber dann beim Durchsieben des Erdreichs um das Haus. Dabei stießen sie auf mehrere Flecken von Torfasche, in denen die Körner lagen. Um das sandige, erosionsgefährdete Erdreich fruchtbarer zu machen und durch Bewuchs weitere Erosion zu verhindern, hatte man Asche aus dem Herdfeuer über den Boden gestreut - "eine weit verbreitete Maßnahme gegen Bodenerosion, die im Nordatlantik in der Zeit praktiziert wurde", schreiben die Forscher. Wenn Torf verbrennt, lässt er große Mengen an Asche zurück - von dem Dünger produzierte jeder Haushalt also reichlich.

Die Gerstenkörner waren beim Kochen zufällig ins Feuer gefallen und dort verkohlt. Als die Asche ausgekehrt und über den Erdboden verteilt wurde, kamen sie einfach mit. "Wir waren überrascht und erfreut, als wir die Ergebnisse der Datierung bekamen", sagt Church. "Aber wir hatten bereits während der Ausgrabung vermutet, dass die Ascheschichten früh sind - weil sie nämlich unter dem Langhaus der Wikinger lagen."

Der Fund zeigt auch, dass die Besiedlung in Á Sondum keine vorübergehende Notunterkunft oder Zwischenstation auf einer Reise war. Denn der Topf stammte von den Färöern selber. Um daraus Brennstoff zu gewinnen, muss man ihn aber nicht nur stechen, sondern auch trocknen - ein Prozess, der mehrere Monate in Anspruch nimmt. Wer nur eben mal kurz übernachten will, legt sich keine Torfreserve an.

Wer waren denn nun die frühen Färöer-Pioniere? Wo kamen sie her und wie viele gab es von ihnen? Waren es kirchliche Missionare, die der iro-schottische Mönch Dicuil in seinem Werk 'De mensura Orbis terrae' erwähnt? Eigentlich beschreibt er darin die Besiedlung Islands, doch er erwähnt noch eine weitere Inselgruppe im Nordatlantik - wahrscheinlich die Färöer.

Seit tausend Jahren am selben Ort

Auch späteisenzeitliche Kolonisten aus Schottland oder skandinavische Eroberer aus der Prä-Wikingerzeit halten die Forscher für möglich. Und wollten die frühen Siedler weiter nach Island? Oder waren sie gekommen, um zu bleiben - bis die Wikinger schließlich dazustießen und das technische Know-how mitbrachten, um die Reise gen Westen fortzusetzen?

"Um diese Fragen beantworten zu können, müssen zunächst noch weitere und besser erhaltene Prä-Wikinger-Siedlungen auf den Färöern gefunden, ausgegraben und analysiert werden", geben die Forscher zu. Doch das könnte schwierig werden. Denn gutes Siedlungsland ist rar auf den bergigen Inseln.

Es bleiben im Grunde nur die schmalen flachen Grasstreifen am
Ende der Buchten. Und da diese so einladend sind, haben sich die Menschen auch immer wieder die gleichen Plätze ausgesucht. Wer neu kam, nutzte die Baumaterialien der Vorgänger für die eigenen Häuser und die Inhalte ihrer Abfallgruben als Dünger auf den Feldern.

Einige der heutigen Färöer-Dörfer stehen immer noch am selben Fleck, an dem sie vor mehr als tausend Jahren gegründet wurden - dort, wo es zu gut ist, um wegzuziehen. Wenn tatsächlich Spuren einer ersten Besiedlungswelle aus der Zeit vor den Wikingern erhalten sind, dann liegen sie tief unter den modernen Häusern.

"Wir planen aber, auf die Färöer zurückzukehren und werden versuchen, noch weitere ähnliche frühe Stätten zu finden", verrät Church. "Wir werden sehr genau hinschauen und nach ähnlichen Bedingungen am Fuß von erodierenden Küstenstreifen suchen müssen."

Von Angelika Franz. Quelle: Spiegel Online
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joachim



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BeitragVerfasst am: 13.09.2013 13:26    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für den Hinweis.

Hier der Link dazu: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/gerstenkoerner-auf-faeroeer-inseln-wikinger-nicht-die-ersten-siedler-a-920664.html
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BeitragVerfasst am: 13.09.2013 20:40    Titel: Antworten mit Zitat

Der zitierte Aufsatz in "Quarternary Science Reviews" ist unter http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0277379113002230 verfügbar.

Ursprünglich war ich davon überzeugt, dass es sich bei den von Church et al. datierten Gerstenkörnern um Zeugnisse iroschottischer Wandermönche handle, die sich nicht dauerhaft niedergelassen, aber vielleicht doch schon Einsiedeleien gegründet und Ackerbau betrieben hatten. Immerhin schreibt schon Dicuil um 825 in De mensura orbis terrae: "Illae insulae [...] in quibus in centum ferme annis heremitae ex nostra Scotia navigantes habitaverunt [...] nunc causa latronum Normannorum vacuae anachoritis [...]." (Jene Inseln [...], auf denen fast hundert Jahre lang fahrende Eremiten aus unserem Schottland gewohnt haben [...], sind jetzt wegen der normannischen Räuber von Einsiedlern verlassen [...].") Und die wiederholte Erwähnung eines Vogelparadieses in der Navigatio Sancti Brendani deutet darauf hin, dass Iren sich schon im 6. Jh. auf den Färöern aufhielten.

Eines der Gerstenkörner wird aber von Church et al. auf die Zeit zwischen 245 und 430 n. Chr. datiert, und das ist für iroschottische Wandermönche eindeutig zu früh. In diesem Zusammenhang erscheint allerdings bemerkenswert, dass auf Island an verschiedenen Orten römische Kupfermünzen aus der Zeit von 270 bis 305 n. Chr. und Knochen eines ca. 1.700 Jahre alten Schafes entdeckt worden sind. Meines Erachtens ist nicht unwahrscheinlich, dass sich die Römer bereits um 300 n. Chr. auf Island aufhielten. Dann ist aber auch nicht minder plausibel, dass es sich bei dem ältesten Gerstenkorn auf Sandoy um ein römisches Relikt handelt.
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