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Artikel in der NZZ (International) vom 4. Juni

 
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u.k.



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BeitragVerfasst am: 04.06.2016 09:46    Titel: Artikel in der NZZ (International) vom 4. Juni Antworten mit Zitat

In der heutigen Ausgabe (4.6.) der Neuen Zürcher Zeitung ist (lt. der Datenbank genios.de) ein umfangreicher Artikel über die Färöer:

Die färöische Gretchenfrage
Traut sich der einsame Atlantik-Archipel in die Unabhängigkeit von Dänemark ?

Leider noch kein Link gefunden

@Christian, Danke für den Text. Demnächst wahrscheinlich auch auf der HP der NZZ

Es kann sein, dass die beiden Artikel nur in der schweizerischen Ausgabe der NZZ waren

In der NZZ - INTERNATIONALE AUSGABE Nr. 129 erst am Montag, 6. Juni 2016, auf S. 7


Zuletzt bearbeitet von u.k. am 06.06.2016 14:06, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Christian Schöne



Anmeldedatum: 20.08.2005
Beiträge: 486

BeitragVerfasst am: 04.06.2016 10:53    Titel: NZZ vom 04. Juni 2016 Antworten mit Zitat

Samstag, 4. Juni 2016 Neuö Zürchr Zeitung INTERNATIONAL 9

Es handelt sich um einen ganzseitigen Bericht, der aus zwei Artikeln besteht:

Ein atlantisches Mini-Universum
ruh. Torshavn

Abgesehen von der aussenpolitischen
Selbstbestimmung verfügen
die Färöer über praktisch alles, was
einen Staat ausmacht: von der eigenen,
ans Altnordische angelehnten Sprache
über Flagge, Regierung und Parlament
bis zu eigenen Autokennzeichen, einem
Internet-Suffix (.fo) und einer nationalen
Airline. Nicht zuletzt weiss man in
Europa von dieser weit draussen im
Atlantik liegenden Inselgruppe auch,
weil sie eine Fussball-Nationalmannschaft
hat. Die imposanten Scheinwerfermasten
des Nationalstadions sind eine
der Dominanten der sonst eher geduckt
wirkenden Hauptstadt Torshavn. Durch
ihre entfernte Lage waren die Färöer
lange ausserordentlich isoliert. Ein zaghafter
Flugbetrieb wurde 1963 aufgenommen,
doch so richtig in Fahrt gekommen
ist er erst durch die jüngst fertiggestellte
Pistenverlängerung am Flughafen
Vagar, was nun den Einsatz grösserer
Flugzeuge ermöglicht. Vagar ist
eine ehemalige Militärbasis, die die Briten
im Zweiten Weltkrieg anlegten. Damals
wurden die Färöer präventiv von
den Alliierten in Beschlag genommen,
um die strategisch wichtige Inselgruppe
vor deutschem Zugriff zu schützen. Das
dänische Mutterland war zu dieser Zeit
deutsch besetzt. Nicht nur bessere Flugverbindungen
haben den Färöern die
Welt geöffnet, sondern vor allem das
Internet. Es lässt die Inseln an der Globalisierung
teilhaben und bietet der Bevölkerung
einen Blick über den Tellerrand
hinaus. Das bedeutet aber auch,
dass die in althergebrachten Gesellschaftsmustern
aufgewachsene ältere
Generation die Jugend nicht mehr nur an
ihren eigenen Traditionen messen darf.
Tatsächlich veranlasst ein Gefühl geografischer
und gesellschaftlicher Enge
zahlreiche junge Leute zur Auswanderung.
Sie wieder zurückzugewinnen, ist
eine wichtige und schwierige Aufgabe
für die färöische Gesellschaft. Kein Hindernis
ist immerhin der materielle
Lebensstandard, er zählt zu den höchsten
in Europa.


Die färöische Gretchenfrage

Traut sich der einsame Atlantik-Archipel in die Unabhängigkeit von Dänemark?
Seit Jahrhunderten unter
dänischer Hoheit, aber
geografisch isoliert und mental
eigenständig, suchen die Färöer
nach der idealen Formel für ihre
Zukunft. Doch die vollständige
Unabhängigkeit ist politisch
stark umstritten.
RUDOLF HERMANN, TORSHAVN
Ein nordisches Häuschen steht am Wasser,
wie aus dem Bilderbuch: die Basis
weiss getüncht aus Stein, darüber ein in
Dunkelrot gehaltener Holzaufbau und
zuoberst ein grasgrünes Dach, das deshalb
grasgrün ist, weil es – dem örtlichen
Usus entsprechend – tatsächlich mit
Grasziegeln gedeckt ist. Durch eine
schlichte Tür tritt man ein und findet
sich in einer gemütlichen Stube mit
niedriger Holzdecke und wunderbarem
Ausblick auf den Hafen wieder. Da
liesse sich ausgezeichnet Ferien machen,
denkt man unwillkürlich. Doch der
Gastgeber, der hier den Besucher empfängt,
ist nicht in den Ferien, sondern an
der Arbeit. Es ist Poul Michelsen, der
Aussenminister der Färöer.
Regieren im Museumsquartier
Tinganes, das Regierungsviertel der
Färöer in der Hauptstadt Torshavn,
nimmt sich aus wie ein Freilichtmuseum.
Auch die Kanzlei des färöischen Ministerpräsidenten,
direkt gegenüber vom
Aussenministerium gelegen, ist in einem
ähnlichen Holzhaus untergebracht. Von
hier aus wird der 18 Inseln zählende
Archipel regiert, der mit 1400 Quadratkilometern
Landmasse flächenmässig
etwas kleiner ist als der Kanton Zürich.
Nicht ganz 50 000 Einwohner nennen
die Inselgruppe ihre Heimat; 20 000 von
ihnen wohnen in Torshavn, der einzigen
Stadt.
Bei der Anreise auf die Färöer bleibt
dem Besucher ausreichend Zeit, über
die spezifische Situation dieser Inselgruppe
nachzudenken: Wer mit dem
Schiff von der Nordspitze Dänemarks
kommt, verbringt anderthalb Tage auf
See. Mit dem Flugzeug fliegt man von
jeder Seite her lange Zeit über Wasser,
bis man endlich den Archipel in den
Weiten des Nordatlantiks erblickt. Setzt
man dann den Fuss an Land, kommt ein
eigentümliches Gefühl auf. Das Bewusstsein
dafür lässt sich nicht verdrängen,
rundherum von Hunderten Kilometern
Meer umgeben zu sein.
«Nur das färöische Volk allein», sagt
in seiner hübschen Amtsstube der Aussenminister
Michelsen, «kann den Färöern
ihre Zukunft garantieren. Sind wir
Teil eines grösseren Organismus, fallen
unsere Interessen unweigerlich unter
den Tisch. Wir sind zu klein, um irgendwo
den nötigen Einfluss haben zu können.
» Belegen lasse sich diese These einfach,
meint er, man brauche bloss etwa
die Entwicklung auf den britischen
Shetlandinseln anzuschauen.
Doch es ist rund tausend Jahre her,
dass die Färöer nicht Teil eines grösseren
Organismus waren. Damals fanden
am Ort, wo heute die Regierung amtet,
die Zusammenkünfte des Althing statt,
der allgemeinen Ratsversammlung, die
eines der ersten europäischen Parlamente
überhaupt war. «Tinganes» heisst
denn auch etwa so viel wie «Versammlung
auf der Landzunge». Im Jahr 1035
kamen die Färöer dann unter die norwegische
Krone, die ihrerseits später mit
Dänemark in einer Doppelmonarchie
aufging. 1814 verlor Kopenhagen Norwegen
wieder, behielt aber die Kontrolle
über die Färöer.
Diese geniessen seit 1948 als Teil des
Königreichs Dänemark sehr weit gehende
Selbstverwaltungsrechte. Bloss in
den Bereichen Sicherheits- und Aussenpolitik
sowie Währung liegen gewisse
letzte Entscheidungen bei Kopenhagen.
In diesem Zusammenhang erstaunt,
dass auch die Färöer einen Aussenminister
haben und sogar an fünf Orten,
nämlich Kopenhagen, Brüssel, Reykjavik,
London und neuerdings Moskau,
Repräsentationen unterhalten. Noch
mehr überrascht, dass die Inseln zwar
aus internationalem Blickwinkel ein Teil
Dänemarks sind, das seinerseits Mitglied
der EU ist – selber jedoch ausserhalb
der EU stehen. Als Dänemark 1973
der damaligen EG beitrat, hatten die
Färöer die Möglichkeit, diesen Schritt
nicht mitzutun. Mit der Europäischen
Freihandelsassoziation (Efta) befindet
man sich jedoch in Beitrittsgesprächen.
Lehren aus «Makrelenkrieg»
Diese komplizierte Konstellation ist für
Aussenstehende nicht einfach nachzuvollziehen
und führt mitten hinein in die
Diskussion, die das politische Gespräch
auf den Färöern seit Jahrzehnten prägt:
Ist vollständige Unabhängigkeit von
Dänemark möglich? Wäre sie sinnvoll?
Dänemark sei ein kleiner Staat innerhalb
der EU, und die Färöer seien ein
kleines Element innerhalb Dänemarks,
sagt Michelsen. Aus dieser Ausgangslage
ergebe sich, dass Dänemark die
färöischen Interessen gegenüber Brüssel
kaum adäquat vertreten könne –
auch deshalb, weil die färöischen Interessen
sich nicht notgedrungen mit den
Prioritäten Dänemarks deckten.
Ein illustrierendes Beispiel dafür aus
jüngerer Vergangenheit ist der sogenannte
«Makrelenkrieg»: Die Nordostatlantik-
Anrainer, einige von ihnen Teil
der EU, stritten sich um Modalitäten
und Quoten beim Fang pelagischer (also
in mittlerer Wassertiefe schwimmender)
Fischarten. Weil keine Einigung zustande
kam, verhängte die EU ein
Embargo gegen die Färöer und schloss
die Häfen. Für die Färöer trat damit
einerseits der etwas groteske Fall ein,
dass sie als unter dänische Oberhoheit
fallendes Territorium nicht mehr nach
Dänemark liefern konnten. Andrerseits
konnten sie auch nicht erwarten, dass
sich Kopenhagen für sie in Brüssel besonders
starkmachen würde. Denn während
Fischerei für die Färöer die mit Abstand
wichtigste volkswirtschaftliche
Einkommensquelle ist, ist die Branche
in Dänemark bloss eine unter vielen.
Der «Makrelenkrieg» ist inzwischen
zwar beendet; die EU-Häfen können
wieder angesteuert werden. Doch hat er
den Färöern gezeigt, dass sie sich vor
allem auf sich selbst verlassen müssen.
Dennoch sind bei weitem nicht alle Einwohner
der Insel dafür, vollkommen unabhängig
zu werden. Man befürchtet
politische Marginalisierung als Mini-
Staat irgendwo im Atlantik und wirtschaftliche
Probleme beim Ausbleiben
des Unterstützungsbeitrags aus dem
dänischen Zentralhaushalt. Dieser
macht laut dem färöischen Statistischen
Amt etwa 10 Prozent der Staatseinnahmen
aus. Ende des 20. Jahrhunderts war
es inmitten einer schweren Fischereikrise
die Finanzhilfe Kopenhagens gewesen,
die die Färöer vor dem Bankrott
bewahrt hatte.
Aussenpolitischer Hochseilakt
Um die Jahrtausendwende kamen Hoffnungen
auf, dass neben der Hochseefischerei
die Erdölförderung zu einem
wirtschaftlichen Standbein werden
könnte, das allenfalls sogar die finanzielle
Grundlage für den Schritt in die
Unabhängigkeit generieren würde. Daraus
ist bisher jedoch nichts geworden.
Doch ist nach den Worten Poul Michelsens,
der neben den politischen Aussenbeziehungen
auch den Aussenhandel für
die Färöer verantwortet, immerhin eine
Dienstleistungsindustrie im Erdölbereich
entstanden, die in den Jahren des
norwegischen Erdöl- und Erdgasbooms
dort ein gutes Auskommen fand.
Inzwischen ist jedoch ein anderer
wirtschaftlicher Hoffnungsträger aufgetaucht:
die Aquakultur. Bei der Lachszucht
sind die Färöer zu einem Boutique-
Produzenten auf höchstem Niveau
geworden. Und weil sie ausserhalb
der EU stehen und zudem aussenpolitisch
sehr vorsichtig navigierten, waren
sie 2014 nicht davon tangiert, als Russland
im Gegenzug für EU-Sanktionen
ein Importembargo für westliche Lebensmittel
verhängte. Davon waren bei
Fischprodukten auch die Nicht-EULänder
Norwegen und Island betroffen,
weil sie die Brüsseler Sanktionspolitik
mittrugen. Die färöischen Lachsproduzenten
fanden sich damit plötzlich in der
wirtschaftlich attraktiven Position des
einzigen europäischen Anbieters wieder,
der noch Lachs nach Russland liefern
konnte.
Vor gut einem Jahr eröffneten die
Färöer dann ihre Moskauer Repräsentation.
Mit den Sanktionen steht das allerdings
nicht in Zusammenhang; die Vorbereitungen
für diesen Schritt liefen bereits
früher. Wie Aussenminister Michelsen
sagt, gehen die Handelsbeziehungen
viel weiter zurück; zu Russland und zuvor
der Sowjetunion pflege man sie seit
vierzig Jahren. Es sei auch nicht so, dass
man übermässig auf den russischen
Markt fokussiert sei. Dennoch hatte die
Regierung angesichts der grossen Abhängigkeit
der Inseln von Fischexporten
einen diplomatischen Hochseilakt zu bewältigen,
als es um den politischen Kurs
im Kraftfeld EU - Russland ging.
Nun, da die Färöer wirtschaftlich so
gut aufgestellt sind wie kaum zuvor,
wäre nicht vielleicht der Zeitpunkt gekommen,
den Schritt in die vollständige
Unabhängigkeit zu wagen? Die Bevölkerung
ist in dieser Frage gespalten, und
zwar ziemlich genau hälftig. Rasche
Entwicklungen sind deshalb nicht zu erwarten.
Mit der graduellen Übernahme
von Verantwortung in diversen Bereichen,
sagt Aussenminister Michelsen,
könne die Politik der Bevölkerung
demonstrieren, dass man dafür bereit
sei. Das Ziel der Unabhängigkeit, daran
lässt er keinen Zweifel, ist für ihn klar.
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u.k.



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BeitragVerfasst am: 04.06.2016 11:18    Titel: Rudolf HERMANN (ruh.) Antworten mit Zitat

Schön, dass die NZZ mit Rudolf HERMANN seit 2015 einen neuen Skandinavienkorrespondenten (inkl. Baltische Staaten) mit Sitz in Stockholm hat. Von der Vorgängerin (Dänin) hat man ja (fast ?) nichts über die Färöer lesen können.
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joachim



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BeitragVerfasst am: 06.06.2016 02:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hier auch online.

http://www.nzz.ch/international/europa/zukunftdes-atrantik-archipels-die-faeroeische-gretchenfrage-ld.86883
_________________
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Es ist alles schon gesagt, nur nicht von allen.
Karl Valentin
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u.k.



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BeitragVerfasst am: 06.06.2016 14:04    Titel: Korrektur Antworten mit Zitat

Die beiden Artikel sind in der

NZZ - INTERNATIONALE AUSGABE Nr. 129 erst am Montag, 6. Juni 2016, auf Seite 7 erschienen.

Die falsche Information von genios.de bezog sich auf die schweizerische Ausgabe vom Samstag
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