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Loyniorð
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George



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BeitragVerfasst am: 10.01.2008 17:21    Titel: Loyniorð Antworten mit Zitat

Heute bin ich an einem Online-Formular für einen färöischen Buchversand (http://www.bokasolan.fo) schmählich gescheitert an den Wörtern "Brúkaranavn" und "Loyniorð".
Sie waren weder im Faroese-English Dictionary von Young noch in websters-online-dictionary zu finden; ich hab dann halt nachgefragt.
Im Nachinein fühle ich mich natürlich etwas dämlich, weil brúkari bei Young 1985 noch vor der online-Zeit auch als user und loyna auch als keep secret übersetzt wird...

Eigentlich easy ha? - Hinterher jedenfalls.

Wo finde ich als Sprachunkundiger denn solche Übersetzungen ohne rote Ohren zu kriegen?
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Arne



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BeitragVerfasst am: 10.01.2008 18:42    Titel: Antworten mit Zitat

Tendenziell findest du das im englischen Wiktionary, das ich peu à peu ausbaue:

http://en.wiktionary.org/wiki/loynior%C3%B0 (x-tra für dich Very Happy )
http://en.wiktionary.org/wiki/br%C3%BAkaranavn (steht nicht im Färöischen Wörterbuch)

Das Føroysk orðabók von 1998 steht ansonsten im Internet und kennt auch loyniorð:

http://www.obg.fo/fob/fob.php

http://www.obg.fo/fob/fob.php?leitord=loynior%F0&action=1&pageno=0

Ich glaube, die Isländer haben sowas nicht im Netz. Ich habe mal einen Isländer gesehen, der sehr neidisch wurde, als er das sah.

Alle neueren Begriffe stehen hier:

http://www.fmn.fo/listar/nyggj_ord/nyggj.htm

IT-Begriffe speziell hier (leider etwas alt):

http://www.fmn.fo/listar/teldord/teldyvirlit.htm

Man muss einfach konstatieren, dass es Komposita wie brúkaranavn gibt, die für den Färinger sofort als brugernavn oder user name verständlich sind ohne im Wörterbuch gelistet werden zu müssen. Im Wörterbuch steht übrigens auch nicht das Wort bindingarmynstur (Strickmuster), obwohl oft drauf verwiesen wird, dass bestimmte Begriffe aus der Welt der Strickmuster kommen Wink
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d.w.



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BeitragVerfasst am: 10.01.2008 20:22    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, „brúkaranavn“ und „loyniorð“ bedeuten „Benutzername / Kundenname“ und „Passwort“ (wörtlich: Geheimwort).

Die vorhandenen Wörterbücher für das Färöische – und das sind schon nicht gerade viele - sind zumeist nicht auf dem aktuellen Stand, vor allem die färöisch-fremdsprachlichen nicht. Das ist u. U. ein erhebliches und manchmal recht ärgerliches Hindernis beim Übersetzen. Wer modernes Färöisch übersetzt, ist deshalb mehr als bei anderen Sprachen auf seine Phantasie und seine Kombinationsgabe angewiesen.
Nicht selten kommt man weiter, wenn man sich bei einem färöischen Wort, das man im Wörterbuch nicht findet, fragt, wie das wohl auf Dänisch heißen könnte. Und wenn man dann im dänischen-deutschen Wörterbuch nachschlagt, findet man, wenn man Glück hat, die Bedeutung.

Eines der wenigen ziemlich aktuellen Wörterbücher ist das „Donsk-føroysk orðabók“ der Autoren Annfinnur í Skala, Janne Jacobsen, Jonhard Mikkelsen und Zakarias Wang aus dem färöischen Verlag Stiðin von 1998. Ich benutze es nicht nur, wenn ich färöische Texte (in der Regel Mails) schreiben will, sondern auch, wenn ich aus dem Färöischen übersetze. Und zwar dann so, wie ich es eben beschrieben habe. Ich versuche, bei einem färöischen Wort, das ich im Wörterbuch nicht finde, die Bedeutung zu mutmaßen. Schlage dann im deutsch-dänischen nach, wie die gemutmaßte Bedeutung auf Dänisch heißt, und anschließend in dem dänischen-färöischen, ob ich richtig getippt habe. Also, die Erfolgsquote liegt wesentlich höher als beim Lotto. Wenn das Lotto wäre, würde ich schon längst Millionär sein. Das ganze Verfahren ist zwar etwas umständlich, aber auf diese Weise kann man doch viele Ungewissheiten klären. Die Sache hat nur einen Haken: Man muss dafür auch Dänisch können.

Das Wort „loyniorð“ steht sogar schon in dem großen einsprachigen färöischen Wörterbuch, „Føroysk orðabók“, das 1998 erschienen ist. Es ist auch als Internetversion zugänglichworauf Arne in seinem vorhergehenden Beitrag hinweist. Ich habe das Beispiel „loyniorð“ mal eben ausprobiert. Es funktioniert. In diesem einsprachigen Wörterbuch wird „loyniorð“ erklärt als „persönliches (geheimes) Wort, das Zugang zu z.B. einem Computer oder einem Programm gibt“. Also ganz klar: „Passwort“. Die Wortkombination „brúkaranavn“ fndet sich nicht in diesem Wörterbuch. Auf Dänisch müsste es „brugernavn“ heißen. Aber dieses Wort finde ich auch in meinen dänischen Wörterbüchern nicht. Also ist man auf seine Phantasie angewiesen. Und dann kann man eigentlich nur auf „Kundenname“ kommen.
Dieses einsprachige färöische Wörterbuch ist sehr umfangreich und deshalb ein lobenswertes Unternehmen. Es hat aber einen gravierenden Nachteil. Anders als gängige Wörterbücher anderer Sprachen, die in der Regel den tatsächlich verwendeten Wortschatz mehr oder weniger vollständig wiedergeben, enthält das einsprachige färöische Wörterbuch den Wortschatz, den das Färöische nach Meinung der Sprachpuristen haben s o l l t e. Mit anderen Worten, es ist nicht deskriptiv, sondern normativ. Das bedeutet in der Praxis, dass viele Wörter, die im Alltags- und Umgangsfäröisch, vor allem in der gesprochenen Sprache, verwendet werden, nicht in diesem Wörterbuch enthalten sind. Eben weil die Sprachpuristen der Meinung sind, dass diese Wörter, da dänischen Ursprungs, im heutigen färöischen Wortschatz keinen Platz haben sollten. Das macht die Sache für Nichtfäringer, die sich mit Färöisch beschäftigen, nicht gerade leichter.
Wenn man Dänisch kann, wird man auch ohne das färöische Wörterbuch viele dieser Wörter dänischen Ursprungs ziemlich leicht erkennen. Bei anderen, die auf den ersten Blick keineswegs dänisch wirken, muss man seine Phantasie etwas spielen lassen. Ich bin beim Übersetzen literarischer färöischer Texte immer wieder einmal auf Wörter und Redewendungen gestoßen, die mir zunächst durchaus färöisch erschienen, die ich aber nicht im färöischen Wörterbuch fand. In solchen Fällen habe ich mir dann gesagt. „Dieser Autor (manche kenne ich persönlich und weiß also, wovon ich hier schreibe) hat in Dänemark studiert, er liest seit vielen Jahren immer wieder dänische Texte, und dabei ist ihm vieles davon in Fleisch und Blut übergegangen. Er wird also, auch wenn er Färöisch schreibt, bestimmt manche Wörter und Redewendungen benutzen, die eigentlich dänischen Ursprungs sind, ohne dass ihm das beim Schreiben noch bewusst ist. Er wird sie unwillkürlich in einer färöischen Sprachform niederschreiben.“ Nun muss ich als Übersetzer diesen Wörtern und Redewendungen sozusagen nur das färöische Sprachmäntelchen ausziehen, und siehe da, ein dänisches Wort oder eine dänische Redewendung steht vor einem. Und alles weitere ist dann nur noch ein Kinderspiel.
Ich würde das nicht so beschreiben können, wenn ich das nicht schon oft genug erlebt hätte. Und deshalb ist es nach meiner Meinung für jeden, der sich wirklich intensiv mit Färöisch befasst, unumgänglich, dass er auch gut Dänisch kann.

Ich bin gespannt darauf, wie das umfangreiche färöisch-englische / englisch-färöische Wörterbuch sein wird, das schon im November erscheinen sollte, und das nun, nach dem, was ich darüber hörte, frühestens im Februar erscheinen soll. Ob es wohl die Situation derer, die aus dem Färöischen übersetzen wollen, wesentlich verbessert? Wir hatten uns im Färöerforum ab 12.09.2007 in der Sektion „Kunst/Literatur/Sprache“ unter dem Thema „Neues Wörterbuch Färöisch-Englisch ...“ damit befasst.

Im übrigen, ich bin bei Übersetzungsproblemen aus dem Färöischen allen Forumsteilnehmern gerne behilflich – im Rahmen meines Wissens, aber auch meiner zeitlichen Möglichkeiten. Wer es gerne vertraulich haben möchte, kann mich ja auch über meine angegebene E-Mail-Adresse erreichen.
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Arne



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BeitragVerfasst am: 10.01.2008 20:52    Titel: Antworten mit Zitat

d.w. hat Folgendes geschrieben:

Dieses einsprachige färöische Wörterbuch ist sehr umfangreich und deshalb ein lobenswertes Unternehmen. Es hat aber einen gravierenden Nachteil. Anders als gängige Wörterbücher anderer Sprachen, die in der Regel den tatsächlich verwendeten Wortschatz mehr oder weniger vollständig wiedergeben, enthält das einsprachige färöische Wörterbuch den Wortschatz, den das Färöische nach Meinung der Sprachpuristen haben s o l l t e. Mit anderen Worten, es ist nicht deskriptiv, sondern normativ. Das bedeutet in der Praxis, dass viele Wörter, die im Alltags- und Umgangsfäröisch, vor allem in der gesprochenen Sprache, verwendet werden, nicht in diesem Wörterbuch enthalten sind. Eben weil die Sprachpuristen der Meinung sind, dass diese Wörter, da dänischen Ursprungs, im heutigen färöischen Wortschatz keinen Platz haben sollten. Das macht die Sache für Nichtfäringer, die sich mit Färöisch beschäftigen, nicht gerade leichter.


Lieber Detlef (erstmal frohes neues Jahr, wenn man das noch sagen darf), da triffst du voll ins Schwarze. Das Føroysk Orðabók ist ein Instrument der Sprachpolitik. Es fasst eben das zusammen, was bisher an urfäröischen Begriffen verwendet wurde (und manchmal als Neologismus weiter verwendet werden kann, wie fløga = Scheibe = CD). Dadurch ist es übrigens durchaus deskriptiv. Es verzichtet aber auf Danismen und Internationalismen, wo es nur geht und ist -- du sagst es -- für Nichtfäringer verwirrend.

Daher, und das sagst du auch, ist ein Dänisch-Färöisches Wörterbuch unverzichtbar, das näher liegende Entsprechungen kennt, und sei es nur als anschauliches Synonym.

Man bräuchte eine Liste der "Unwörter" im Färöischen, die aber zur Umgangssprache gehören. Also der Danismen, die uns Deutschen unheimlich nützen und den Spracherwerb beschleunigen.

Wollen wir das nicht im Internet machen? Eine Liste aller Danismen im Färöischen, die oft sogar indirekt (nieder)deutscher Herkunft sind?

Zitat:
Wenn man Dänisch kann, wird man auch ohne das färöische Wörterbuch viele dieser Wörter dänischen Ursprungs ziemlich leicht erkennen. Bei anderen, die auf den ersten Blick keineswegs dänisch wirken, muss man seine Phantasie etwas spielen lassen. Ich bin beim Übersetzen literarischer färöischer Texte immer wieder einmal auf Wörter und Redewendungen gestoßen, die mir zunächst durchaus färöisch erschienen, die ich aber nicht im färöischen Wörterbuch fand. In solchen Fällen habe ich mir dann gesagt. „Dieser Autor (manche kenne ich persönlich und weiß also, wovon ich hier schreibe) hat in Dänemark studiert, er liest seit vielen Jahren immer wieder dänische Texte, und dabei ist ihm vieles davon in Fleisch und Blut übergegangen. Er wird also, auch wenn er Färöisch schreibt, bestimmt manche Wörter und Redewendungen benutzen, die eigentlich dänischen Ursprungs sind, ohne dass ihm das beim Schreiben noch bewusst ist. Er wird sie unwillkürlich in einer färöischen Sprachform niederschreiben.“


Ja, das ist eine Folge der kollektiven Zweisprachigkeit trotz offizieller Einsprachigkeit, wie es der Hamburger Professor Kurt Braunmüller in seinem Buch "Die skandinavischen Sprachen im Überblick" nennt (3. Auflage 2007, habe es mir gerade besorgt und kann es vorbehaltlos weiter empfehlen, was interskandinavische vergleichende Sprachwissenschaft betrifft) .

Vielleicht (das ist jetzt mein Gedanke) ist es so wie mit denjenigen, die sich leichter mit vielen Fremdwörtern ausdrücken können, als mit Sicherheit die deutschen Entsprechungen zu verwenden.

Eine Frage ist ja auch, wie sehr die Jugendlichen durchweg mit Lehrinhalten in der Muttersprache konfrontiert werden. Erst wenn alle Studiengänge auf Färöisch sind, ... und siehst du, das wird es nie geben. Man wird also sprachpolitisch die Jugend so puristisch wie möglich formen wollen, einfach weil man weiß, dass sie andererseits immer mehr fremden Spracheinflüssen ausgesetzt sind (und sein müssen, um in der globalisierten Welt mitzureden!).

Es ist daher faszinierend, wie die Leute auf www.kjak.fo ihre Sprache anwenden. Dort ist man allgemein um ein gewisses Niveau bemüht (im Vergleich zu dem Slang auf www.planet.fo ich meine den "Kjak" dort: http://www.olivant.fo/planet/?page=min&sub=13 Laughing ).
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Klaus



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BeitragVerfasst am: 10.01.2008 22:49    Titel: Antworten mit Zitat

Auch von mir erstmal ein frohes neues Jahr!

Eine sehr gute Idee!!! Ich finde, ein solches "Echtes färöisches Wörterbuch" ist schon längst überfällig. Immer wieder treffe ich auch beim lesen färöischer Texte auf Wörter, die in keinem färöischem Wörterbuch stehen. Durch meine Schwedischkenntnisse entziffere ich nicht wenige Wörter als dänische Ableger. Aber genau die Wörter, die im färöischen Sprachalltag zum Teil recht häufig verwendet werden, MÜSSEN in einem vernünftigen Wörterbuch zu finden sein...
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Arne



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BeitragVerfasst am: 11.01.2008 09:21    Titel: Antworten mit Zitat

Dazu wäre es sehr gut, wenn es ein färöisches etymologisches Wörterbuch gäbe. Es geht mir ja aber auch nicht um ein Wörterbuch, sondern einfach nur um eine Wortliste Färöisch-Deutsch mit verwandten Wörtern, die man mehr oder weniger leicht erkennen kann. Natürlich müsste man jeweils dazu sagen, ob es auch standardsprachliche Abweichungen gibt.
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Klaus



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BeitragVerfasst am: 11.01.2008 13:33    Titel: Antworten mit Zitat

Genau, eine Liste, in dem die färöischen Wörter ausländischer Abstammung und der Alltagssprache drinstehen. Damit wäre das färöisch lernen schon erheblich einfacher als mit den bestehenden (soll)färöischen Wörterbüchern.

Möglicherweise kann daraus auch ein kleines Heft entstehen, welches die Wörter beinhaltet, die in den färöischen Wörterbüchern bisher nicht erscheinen (dürfen).
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George



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BeitragVerfasst am: 11.01.2008 13:39    Titel: Antworten mit Zitat

Danke.
Ich lese und lerne (und bin beeindruckt).

Das "Schlimme" auf den Färöern ist, daß es keinen wirklichen Druck gibt, die Sprache erlernen zu müssen. Wenn ich als Deutscher vor einem Schild krambúð stehe, dann weiß ich, was ich dahinter finde.
Im Touristinfo sitzen SchülerInnen, die Deutsch in der Schule lernen. Bei Fachbegriffen (z.B. aus der streymkort, die sie nicht erklären können), verweisen sie auf den Autor, den sie kurzerhand anrufen.
Der alte Herr, den ich besuche, begrüßt mich auf Deutsch; und erklärt seine Kenntnisse aus einer längst zurückliegenden Erfahrung mit einem deutschen U-Boot...
Praktisch alle, mit denen ich zu tun habe, sprechen Englisch; ob Bootsbauer, Minister, Fischer, Dorfbürgermeister, Präparator, auch der glücklich Angetrunkene, der mich mitten in der Nacht in meinem Zelt in der hinterletzten Einöde an seinem Glück teilhaben lassen will.
Und in den ganz seltenen Fällen, wo es nicht klappt (einmal an der Essenausgabe im sjómansheim), steht eine junge Frau auf und kommt mit einer Selbstverständlichkeit zu Hilfe, die jede Peinlichkeit ausschließt.
Das letzte, altgewordene Bauernehepaar auf Koltur allerdings, mit dem haben wir uns ohne Sprache verstehen müssen. Das bedaure ich heute sehr.

Zitat:
http://en.wiktionary.org/wiki/loynior%C3%B0 (x-tra für dich Very Happy )

Ich bin "Very Happy"!


Zitat:
Im Wörterbuch steht übrigens auch nicht das Wort bindingarmynstur (Strickmuster), obwohl oft drauf verwiesen wird, dass bestimmte Begriffe aus der Welt der Strickmuster kommen Wink

Das war mir garnicht aufgefallen, wohl weil solche "großen" Komposita selbst für mich zu erkennen sind?
Im Young ist unter "Principal Sources Cited" das Føroysk bindingarmynstur ausdrücklich aufgeführt, mit der Erläuterung im Vorwort, daß dies den Quellen des Orðabók von Jacobsen und Matras 1974 entspricht. Einige, längst nicht alle Strickmuster-Bezeichnungen sind tatsächlich aufgenommen, z.B. gásareyga, und sind dann mit Quelle und Seitenangabe auf das Strickmusterbuch versehen. Ich finde das eine unglaublich sympathische Herangehensweise von diesen Sprach-Werkern.

Zitat:
http://en.wiktionary.org/wiki/br%C3%BAkaranavn (steht nicht im Färöischen Wörterbuch)

Bei der neugierigen Kontrolle, ob Google das schon kennt, bin ich interessanterweise auf brúkaranavn im ungarischen(!) Wiki gestoßen...
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d.w.



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BeitragVerfasst am: 11.01.2008 19:17    Titel: Antworten mit Zitat

George hat Folgendes geschrieben:
Wenn ich als Deutscher vor einem Schild krambúð stehe, dann weiß ich, was ich dahinter finde.


Das Wort „krambúð“ gehört zu den färöischen Wörtern, die mir ans Herz gewachsen sind. Treffender als mit diesem Wort kann man das Ambiente in einem färöischen Dorfladen gar nicht kennzeichnen. Übrigens wird das Wort sogar vom einsprachigen färöischen Wörterbuch akzeptiert, obwohl es zweifellos vom dänischen „krambud“ abstammt. Und von diesem stammt der Wortteil „kram“ wiederum aus dem Niederdeutschen.
Die deutsche Wortform „Krambude“ wird im Duden leider nur als herabsetzende Bezeichung für „Kramladen“ definiert. Die besondere Atmosphäre färöischer Dorfläden könnte durchaus das Thema für ein kurzen Fernsehfilm abgeben. Bei uns kennt man das ja gar nicht mehr.
„Krambúð / krambod“ hat für mich ungefähr so ein Flair wie die dänische Aufschrift „Isenkram“ bei Haushaltswarengeschäften. Man begegnet dem Wort auch auf den Färöern noch, obwohl es bei den Puristen verpönt ist. Aber „isenkram“ klingt doch in deutschen Ohren ganz anders als „jernvøra“ (Eisenware). Und kann ein Wort wie „reiðskapshandil“ (Gerätehandel) jemals so schön klingen wie „isenkramforretning“?

Es ist wahr, die Färinger machen es dem ausländischen Besucher mit ihrem entgegenkommenden Verhalten sehr schwer, genug Motivation zum Färöischlernen zu bekommen.
Kein Mensch auf den Färöern erwartet ernsthaft, dass ein ausländischer Besucher Färöisch spricht. Im Grunde steckt aber in dieser so entgegenkommend erscheinenden Einstellung auch eine Menge Resignation. „Wer sind wir schon, dass wir erwarten könnten, dass andere unsere Sprache lernen? Und wir wissen ja selbst nur zu gut, wie schwierig die ist.“ Unser dänischer Forumsfreund Erik, der seit einigen Jahren in Porkeri wohnt, erzählte mir, dass er sich bemüht, speziell die Südinselbewohner zu etwas mehr Initiative bei der Ankurbelung des Tourismus zu motivieren. Eine der typischen Reaktionen war anfangs, wie er mir sagte, die Bemerkung: „Wer wird denn schon zu uns hier kommen?“ Das ist dieselbe Resignation.
Wer sich für Sprachen interessiert, sollte sich durch das Entgegenkommen der Färinger nicht demotivieren lassen. Wenn ich in London am Trafalgar-Square jemand auf Englisch nach dem Weg frage, beeindruckt das die Leute dort auch nicht im Geringsten. Übrigens bin ich früher bei Aufenthalten in London selbst mehrmals nach dem Weg gefragt worden – auf Englisch natürlich. Würde ich auf Deutsch nach dem Weg fragen, würden mich manche vielleicht sogar für verrückt halten. Wenn ich aber als Ausländer in Tvøroyri oder sonstwo auf den Färöern auf Färöisch nach dem Weg oder nach sonst was frage, dann ist das fast eine Revolution. In Tórshavn bin ich übrigens vor Jahren einmal von einer Frau nach dem Weg gefragt worden. Es stellte sich dann heraus, dass es eine Isländerin war, und als ich mich als Deutschen zu erkennen gab, sprach sie mich sogar auf Deutsch an.
Vor einigen Jahren ging ich mit meiner Frau in Vágur auf der Südinsel in in ein Geschäft. Es liegt ungefähr gegenüber der Kirche, auf der anderen Straßenseite. Meine Frau wollte sich dort nach Wollwaren umschauen. Wir unterhielten uns beide im Laden miteinander, so dass die anwesende Verkäuferin hören konnte, dass wir zweifellos keine Einheimischen waren. Als ich dann die Verkäuferin auf Färöisch ansprach, ging sie auf der Stelle wortlos nach hinten in einen Nebenraum und kam kurz danach mit einem Gästebuch zurück. Sie bat mich, dass wir uns in ihr Gästebuch eintragen sollten. Das habe ich in meinem ganzen Leben, in welchem Geschäft und in welcherm Land auch immer, noch nie erlebt.
Dieses Erlebnis zeigt wohl mehr als viele Worte, wie viel es für einen Färinger bedeutet, wenn ein Ausländer sich die Mühe macht, seine
Sprache zu sprechen.
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Klaus



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BeitragVerfasst am: 11.01.2008 20:12    Titel: Antworten mit Zitat

Wobei dabei auch noch betont werden muss, dass es alles andere als leicht ist, überhaupt erstmal Material zu finden, womit man Färöisch lernen könnte.

Ein ähnliches Erlebnis hatte ich im Sommer 2006 im Nordlandhaus in Tórshavn nach einem nordischen Literaturabend, wo Dichter aus Island, den Färöern und Shetland teilnahmen. Ein älterer Mann, wo sich nachher rausstellte, dass er einer der färöischen Sprachpuristen ist (Detlef, erinnerst du dich?), sprach mich auf Färöisch an und fragte, ob ich ein Isländer wäre. Nun, ich habe dann auf Färöisch geantwortet, dass ich kein Isländer, aber Deutscher wäre. Sehr verwundert über die Antwort auf Färöisch fragte er mich auf Deutsch, woher ich "so gut" Färöich könnte, worauf ich ihm dann weiter auf Färöisch antwortete, dass ich Färöisch lernen würde. So unterhielten wir uns eine Weile auf Färöisch. Er hat sich alle Mühe gemacht, langsam und deutlich zu sprechen, damit ich ihm auf Färöisch verstehen konnte. Die paar Wörter, die ich nicht wusste, habe ich auf Schwedisch eingebaut, oder wenn's gar nicht mehr ging, auf Deutsch. Da er ja gut Deutsch konnte, war das kein Problem. Das war meine erste rein färöische Unterhaltung. Und mein Gesprächspartner hat sich sichtlich gefreut, sich mit einem jungen Detschen auf Färöisch unterhalten zu können. Very Happy
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d.w.



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BeitragVerfasst am: 11.01.2008 21:13    Titel: Antworten mit Zitat

Klaus, ja, ich erinnere mich. Ich glaube, das war Jóhan Hendrik Winther Poulsen (ich schreibe seinen Namen in aller Ehrfurcht vollständig aus - gewöhnlich wird er nur als Jóhan Hendrik W. Poulsen bezeichnet).
Für meine Begriffe ist er der färöische Sprachpapst schlechthin, das Oberhaupt aller färöischen Sprachpuristen. Und mit dem hast Du Dich ausführlich unterhalten! Welche Ehre!!!
Aber, das muss man ihm zugute halten, die moderne färöische Sprache hat er um einige eingängige Wortschöpfungen bereichert. Die wichtigste davon ist das Wort "telda" (Computer). Das wiederum ist für mich schöner als die dänische "datamaskine".
Es gibt übrigens im färöischen Diskussionsforum kjak.fo einen, dem das Neuwort "telda" offenbar so gut gefällt, dass er sich deswegen als Pseudonym die Bezeichnung "Arni við teldu" ausgesucht hat. Dreimal darfst Du raten, wer das wohl ist. Kleiner Tip: Das Wort "Arni" musst Du färöisch ganz korrekt aussprechen, und "við" heißt "bei" oder "an".
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Arne



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BeitragVerfasst am: 11.01.2008 22:59    Titel: Antworten mit Zitat

d.w. hat Folgendes geschrieben:
Klaus, ja, ich erinnere mich. Ich glaube, das war Jóhan Hendrik Winther Poulsen (ich schreibe seinen Namen in aller Ehrfurcht vollständig aus - gewöhnlich wird er nur als Jóhan Hendrik W. Poulsen bezeichnet).


Ach doch der Papst persönlich

Zitat:
Für meine Begriffe ist er der färöische Sprachpapst schlechthin, das Oberhaupt aller färöischen Sprachpuristen. Und mit dem hast Du Dich ausführlich unterhalten! Welche Ehre!!!


Ich schwöre, dass ich den obigen Kommentar schrieb, ohne die nächste Zeile gelesen zu haben. Very Happy

Zitat:
Aber, das muss man ihm zugute halten, die moderne färöische Sprache hat er um einige eingängige Wortschöpfungen bereichert. Die wichtigste davon ist das Wort "telda" (Computer). Das wiederum ist für mich schöner als die dänische "datamaskine".



http://de.wikipedia.org/wiki/Johan_Hendrik_Winther_Poulsen


Zitat:
Es gibt übrigens im färöischen Diskussionsforum kjak.fo einen, dem das Neuwort "telda" offenbar so gut gefällt, dass er sich deswegen als Pseudonym die Bezeichnung "Arni við teldu" ausgesucht hat. Dreimal darfst Du raten, wer das wohl ist. Kleiner Tip: Das Wort "Arni" musst Du färöisch ganz korrekt aussprechen, und "við" heißt "bei" oder "an".


Irgendein Färinger sagte mal, das wäre der coolste Name, der ihm je untergekommen sei. Ich konnte darauf nichts antworten Embarassed Ich dachte einfach an Jógvan við Keldu und vor allem auch seine nette Tochter Tóra við Keldu, mit der ich mal das Vergnügen hatte etwas per Mail zu kommunizieren. Sie war ja mal ein Schwimm-Star im Behindertensport. Naja, und telda und kelda reimen sich ja, und deshalb dachte ich, das wäre ein witziger Name, der auf den ersten Blick grótføroyskt aussieht.

Vielleicht hätte man auch Arni á Telduni sagen können. Ich weiß, dass es mindestens einen Rodmund gibt, der so heißt (á Kelduni), nämlich auf www.faroenature.net , deren Mailingliste ich hiermit allen Naturfreunden empfehle, die Färöisch lesen können. Dort gibt es auch eine Liste der Vogelnamen usw.
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d.w.



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BeitragVerfasst am: 12.01.2008 00:44    Titel: Antworten mit Zitat

Arne hat Folgendes geschrieben:

Lieber Detlef (erstmal frohes neues Jahr, wenn man das noch sagen darf), da triffst du voll ins Schwarze. Das Føroysk Orðabók ist ein Instrument der Sprachpolitik.


Lieber Arne, (Achtung, andere dürfen jetzt ruhig weiterlesen. Es gibt hier keine Privatgeheimnisse) ich danke Dir für Deine guten Wünsche zum neuen Jahr und wünsche Dir dasselbe.

Im übrigen stelle ich erfreut fest, dass wir hinsichtlich der Beurteilung färöischer Wörterbücher und der offiziellen färöischen Sprachpolitik ganz einer Meinung sind.

Mir ist auch schon mehr als einmal der Gedanke gekommen, dass man eigentlich ganz gut ein Wörterbuch derjenigen Wörter der färöischen Umgangssprache gebrauchen könnte, die nicht in die färöischen Wörterbücher aufgenommen wurden, da sie als „unfäröisch“ gelten. „Unfäröisch“! Was für ein Wort! In den sechziger Jahren hat doch tatsächlich ein Jógvan við Ánna ein Wörterbuch mit dem Titel „Føroysk málspilla og málrøkt: óføroysk-føroysk orðabók“ (Färöische Sprachverderbnis und Sprachpflege: unfäröisch-färöisches Wörterbuch) veröffentlicht. Schaut man hinein, stellt man fest, dass es ganz einfach ein dänisch-färöisches Wörterbuch ist. Seitdem wissen wir, was „unfäröisch“ ist. Eben alles, was dänisch ist.
Als Deutscher kann man ja bei dem Wort „unfäröisch“ so richtig ins Sinnieren kommen. Unfäröisch – undeutsch !!?? Wo ist da der Unterschied? „Wider den undeutschen Geist!“ Und vom undeutschen Geist kann man schnell auf die „entartete“ Kunst kommen usw., usw. Ist „unfäröisch“ auch so ein bisschen „entartet“?
Zurück vom Sinnieren. Ein Wörterbuch aller „unfäröischen“ Wörter in der färöischen Alltagssprache – als inoffizielle Ergänzung zum offiziellen einsprachigen färöischen Wörterbuch - wäre eine wirklich praktische Hilfe. Frage nur, wer soll das machen und wer soll das finanzieren?
Das Machen ist wohl das kleinere Problem. Ich kann mir schon vorstellen, dass Färinger, die sich ausdrücklich nicht als Sprachpuristen verstehen, Interesse hätten, so etwas zu machen.
Aber wie steht es mit der Finanzierung? Die ist das große Problem bei färöischen Wörterbüchern. Wegen der geringen Auflagen ist die Herausgabe eines färöischen Wörterbuchs kein Verlagsgeschäft, das sich rentiert. Es geht eigentlich nur mit staatlichen Zuschüssen. Aber in allen Institutionen, die über die Vergabe solcher staatlichen Finanzmittel entscheiden, haben seit Jahren die Sprachpuristen das Sagen. Und für jeden, der mit ihrer Unterstützung etwas Färöisches veröffentlich, für den gilt die alte deutsche Volksweisheit: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
Man braucht also einen Finanzier, der einerseits großes Interesse an einem solchen Projekt hat und vielleicht auch ein bisschen Motivation, den Sprachpuristen damit eins auszuwischen, und der andererseits ein so gutes finanzielles Polster besitzt, dass er sich leisten kann, eine Investition, rein finanziell beurteilt, in den Sand zu setzen. In einem übertragenen Sinne wäre sie natürlich alles andere als in den Sand gesetzt.
Wir werden wohl weiter von solch' einem so schön unfäröischen Wörterbuch träumen und uns stattdessen ganz prosaisch auf unseren Verstand und unsere Phantasie verlassen müssen.

Vor mehreren Wochen erfuhr ich rein zufällig durch eine Mail von Prof. Kurt Braunmüller, dass er soeben eine dritte Auflage seiner Einführung „Die skandinavischen Sprachen im Überblick“ veröffentlicht habe. Er schrieb u.a.: „Besonders der färöische Teil ist verbessert worden, weil ich nun eben für schwierige Details bei einem Muttersprachler nachfragen konnte.“ Gemeint ist damit der Färinger Hjalmar P. Petersen, der zur Zeit an der Uni in Hamburg arbeitet. Ich habe mir auch die dritte Auflage besorgt. Du hast Recht, Arne, das Buch von Kurt Braumüller ist wirklich das Beste zu dem Thema, das heute auf Deutsch vorliegt. Allerdings muss ich schon sagen, die Arbeit mit dem Buch setzt voraus, dass der Leser mit der philologischen und linguistischen Fachterminologie einigermaßen vertraut ist. Und da stoße ich doch gelegentlich schon einmal an meine Grenzen.

Anfang Dezember wurde die zweite PISA-Studie mit den Ergebnissen der Tests veröffentlicht, an denen färöische Schulen im März 2006 teilgenommen hatten. Das Ergebnis war für die Färöer wieder mehr als ernüchternd. Sie lagen erneut weit hinter den Ergebnissen anderer skandinavischer Länder, von Finnland ganz zu schweigen. Schon die deutschen Ergebnisse wurden bei uns ja nicht gerade bejubelt, und die lagen noch erheblich besser als die färöischen.
Ich meine, man muss wirklich ernsthaft fragen, ob nicht auch die besondere färöische Sprachsituation und Sprachpolitik zu diesem Ergebnis beigetragen haben.
Die färöische Tageszeitung Sosialurin befragte aus Anlass der Veröffentlichung der Ergebnisse Schüler der Fólkaskúli in Vestmanna, und die sagten u.a. Folgendes:
„Es ist wenig erfreulich, etwa in der 10. Klasse Biologie als Unterrichtsfach zu haben, wenn es in dem Fach weder auf Färöisch noch auf Dänisch Unterrichtsmaterial gibt.“
„Die große Frage ist auch, welche Fachwörter wir lernen sollen. In Chemie hatten wir in der achten Klasse ein dänisches Lehrbuch, aber als wir in die neunte Klasse kamen, bekamen wir ein färöisches Lehrbuch.“ Dazu muss man wissen, dass „Chemie“ auf Dänisch „kemi“ heißt, aber auf Färöisch „evnafrøði“.
„Es ist nicht immer leicht zu wissen, wie diese verschiedenen Dinge so heißen. Man wird leicht verwirrt.“
Und bezüglich der Testaufgaben sagte ein Schüler: „Das war in eine so „steinfäröische“ („grótføroysk“) Sprache übersetzt, dass nicht alle verstanden, worum es in der Frage ging. Deshalb antworteten mehrere einfach nur irgend etwas.“

Ich lese häufig und immer sehr interessiert im färöischen Diskussionsforum kjak.fo. Das ist nicht selten für mich die spannendste Lektüre auf Färöisch. Mir ist dabei schon mehr als einmal der Gedanke gekommen, es könnte einmal jemand eine Examensarbeit oder vielleicht sogar eine Dissertation mit ungefähr folgendem Titel schreiben: „Analyse der färöischen Gegenwartssprache aufgrund der Beiträge zum färöischen Diskussionsforum kjak.fo“. Das wäre ein Thema! Der Stoff ist so reichlich, der würde glatt für zwei Arbeiten reichen. Zugegeben, viele Teilnehmer bemühen sich wirklich, gutes Färöisch zu schreiben, aber ich habe dort auch schon Beiträge gefunden, da haben sich mir sozusagen die Haare gesträubt. Und das bei mir als Nichtfäringer!
Arne, mit planet.fo gebe ich mich nicht ab. Ich bin jetzt 70, und da habe ich allmählich das Recht, mich nicht mehr für jeden Quatsch interessieren zu müssen, den manche ganz junge Leute gerade besonders top, high, cool oder, weiß der Teufel, was, finden. Und wenn die dann nicht einmal richtig Färöisch können, dann ist das für mich sowieso undiskutabel.

Ich erwähnte in meiner Mail vom 10.01. schon das färöisch-englische / englisch-färöische Wörterbuch, auf das wir so gespannt warten. In einem Gespräch mit der färöischen Tageszeitung Sosialurin sagte der Mitverfasser und Verleger Jonhard Mikkelsen, dass er bewusst auf öffentliche Finanzhilfen für die Herausgabe verzichtet habe, damit ihn niemand bei der Gestaltung des Wörterbuchs unter Druck setzen konnte. Ich staune nur, wie der Verleger Jonhard Mikkelsen mit seinem kleinen Verlag Sprotin, wohl die Finanzierung geschafft hat. Ich vemute, dass die Verzögerung des Erscheinungstermins etwas mit den Finanzen zu tun hat. Nun hoffe ich nur, dass Jonhard Mikkelsen und sein Mitautor Annfinnur í Skála auch den Mut zu „unfäröischen“ Wörtern gehabt haben.

Im vergangenen Sommer erschien auf den Färöern von meinem guten Freund André Niclasen, Gymnasiallehrer für Deutsch und Russisch am Gymnasium „í Hoydølum“ und am Lehrerseminar in Tórshavn, inzwischen offiziell im Ruhestand, ein Buch mit dem Titel: „Føroya mál á manna munni – móðurmál og málrøkt“ (Die Sprache der Färöer im Mund der Menschen – Muttersprache und Sprachpflege). Ich habe für das neue TJALDUR-Heft , Nr. 39, des Deutsch-Färöischen Freundeskreises, das in diesem Monat erscheint, eine ausführliche Rezension dieses Buches geschrieben und auch zwei Abschnitte aus dem Buch übersetzt. Das Buch ist eine wirkliche Streitschrift wider den Sprachpurismus auf den Färöern. Das erste Buch über färöische Sprache, in dem es immer wieder etwas zu lachen gibt. Der Verfasser hat nämlich in seinem Buch Sprachglossen (málteigur) zusammengestellt, die er in den Jahren 1992-1998 in der Tageszeitung Sosialurin veröffentlicht hat. In diesen Sprachglossen hat er bestimmte Erscheinungen in der färöischen Sprache, die ihm als überzeugtem Nichtpuristen gegen den Strich gingen, humoristisch und teilweise auch satirisch aufgespießt. Für die Buchveröffentlichung hat André Niclasen den bekannten Karrikaturisten der Zeitung Sosialurin, Óli Petersen, als Illustrator gewinnen können, dessen, teilweise großartige, Karrikaturen in dem Buch wirken, wie wenn man ein an sich schon schmackhaftes Essen noch zusätzlich gewürzt und verbessert hätte. Ich kann das Buch nur bestens empfehlen. Erschienen ist das Buch im Læribókaforlagið. Ich glaube, das ist André Niclasens eigener Verlag. Nach einem Bonmot ist ja bekanntlich der größte Verlag auf den Färöern der „Egið forlag“ (Eigener Verlag), auch wenn er häufig einen anderen Namen trägt.
Andrés Buch hat eine große Resonanz gefunden. Er sagte mir Anfang Oktober, dass von der Erstauflage von 1000 Exemplaren bereits ca. 900 verkauft seien. Rechnet man diese Zahlen einmal auf die Verhältnisse im deutschen Sprachgebiet um, dann käme man auf eine Auflage von ca. 2,29 Millionen Exemplaren bzw. eine verkaufte von 2,06 Miliionen Exemplaren.
Andrés Buch erinnert mich vom Stil her sehr an die drei Bände „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ von Bastian Sick. Der hat ja auch schon von den beiden ersten über zwei Millionen Stück verkauft.

Klaus, ich danke Dir ebenfalls noch einmal für Deine Neujahrswünsche.

Dies ist übrigens mein 500. Beitrag in diesem Forum. Da müsste ich ja eigentlich einen ausgeben. Bloß, wie macht man das in einem Forum? Ich bitte also alle, die da gerne mitfeiern würden, sich vorzustellen, sie hätten jetzt ein kühles Getränk einer gewissen Brauerei, die einen Widder auf einem Schräghang auf ihrem Firmenetikett hat, in der Hand, und wir würden uns alle zuprosten. Natürlich gut färöisch mit „Skál“! Aber bloß nicht „skål“, damit wir uns nicht den gesammelten Zorn aller Sprachpuristen zuziehen. Klaus, wenn du „skål på svenska“ sagst, ist es aber ausnahmsweise erlaubt.
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d.w.



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BeitragVerfasst am: 12.01.2008 01:05    Titel: Antworten mit Zitat

Arne hat Folgendes geschrieben:
Irgendein Färinger sagte mal, das wäre der coolste Name, der ihm je untergekommen sei. Ich konnte darauf nichts antworten :oops: Ich dachte einfach an Jógvan við Keldu und vor allem auch seine nette Tochter Tóra við Keldu, mit der ich mal das Vergnügen hatte etwas per Mail zu kommunizieren.
Vielleicht hätte man auch Arni á Telduni sagen können.


Arne, Du zwingst mich ja gleich zu meinem 501. Beitrag, wo ich doch von meinem 500. immer noch etwas aus der Puste bin.
Also, Arni við teldu finde ich auch ganz cool, bzw. originell, aber Arni á telduni überhaupt nicht. Soll ich mir beim letzteren etwa vorstellen, dass Du auf dem Monitor hockst - wenn's nicht gerade ein Flachbildschirm ist?
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Anne



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BeitragVerfasst am: 12.01.2008 16:42    Titel: Antworten mit Zitat

d.w. hat Folgendes geschrieben:
Dieses Erlebnis zeigt wohl mehr als viele Worte, wie viel es für einen Färinger bedeutet, wenn ein Ausländer sich die Mühe macht, seine Sprache zu sprechen.


Ich habe bisher auch die Erfahrung gemacht, daß sie die Skandinavier ganz allgemein wie die kleinen Kinder freuen, wenn sie feststellen, daß man zumindest versucht, ihre Sprache zu sprechen.

Das habe ich mit Schweden festgestellt, die zuvor, zwar freundlich, aber doch irgendwie verschlossen waren. Sobald ich sie aber etwas auf schwedisch gefragt habe, wurden sie auf einmal sehr redseelig und wollten am liebsten alle gleichzeitig mit mir reden.

Mit den Norwegen ist es ähnlich, die sind immer sehr erstaunt, daß man sie versteht oder ihnen sogar Antwort gibt (obwohl ich gar kein Norwegisch spreche, aber Schwedisch reicht auch für alles).

Am "schlimmsten" sind aber wirklich die Färinger. Als ich zum ersten Mal mit den Leuten von Týr redete, konnte ich gerade mal "Eg eiti Anne" sagen, und wurde unter den Bandmitgliedern herumgereicht wie eine Rarität und mußte immer wieder den gleichen Satz sagen...und als Heri dann rausgekriegt hat, daß ich mehr verstehe, als ich sagen kann, war es ganz rum...

Umgekehrt ist es mit den Franzosen...da kann man schon überglücklich sein, wenn man mal einen findet, der wenigstens englisch kann. Wobei es schon besser geworden ist als noch vor einigen Jahren...
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