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Ein schiffbrüchiger Deutscher in Kirkjubøur
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George



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BeitragVerfasst am: 13.06.2008 16:46    Titel: Antworten mit Zitat

Die Tauchgänge zur PATRICIA sind lt. Jóannes Patursson von "local" Freizeit-Tauchern unternommen worden. Dabei wurden Teile der Schiffsausrüstung sichergestellt.
Ich habe wegen eines Kontakts Verbindung mit dem Tórshavnar Froskmannafelag aufgenommen.
(http://www.kaving.fo/index.htm)
Ich hoffe darauf, daß es ähnlich der Jólaskipið Diving expedition 2000 Berichte und Fotos geben könnte.
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Christian Schöne



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BeitragVerfasst am: 14.06.2008 13:28    Titel: Schiffbruch Antworten mit Zitat

Mit großem Interesse verfolge ich die Beiträge zu dem historischen Schiffbruch bei Kirkjubour. Ich finde es phantastisch, welche Aktivitäten ein kurzer Nebensatz in diesem Forum auslöst. Mein herzlichen Dank insbesondere an George für das enorme Engagement. Mit Hochspannung warte nun auch ich auf die weiteren Ergebnisse der eingeleiteten Recherchen.
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George



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BeitragVerfasst am: 14.06.2008 19:12    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für die Blumen; aber ich bin lediglich über den Halbsatz in der Kirkjubøur-Homepage gestolpert und habe neugierig Fragen gestellt. Die Kompetenz und Arbeit liegt, wie leicht nachzulesen ist, bei anderen im Forum. Auch offline mit der Auffindung der Rostocker Adresse von ANDERS 1934 und mit dem Hinweis auf eingeschlichene Fehler (fälschlich PATRICIA statt PRINCIPIA; sorry).

Die Kontakte und Funde, die wir bisher haben, betreffen die Entdeckung einer Geschichte für uns, die unsere färöischen Freunde im wesentlichen spätestens seit 1936 im Regal stehen haben.
Allein diese Zusammenstellung ist sicherlich reizvoll genug, um sie für die Beteiligten zu einer befriedigenden Aufgabe zu machen.

Unser eigener originärer Beitrag zur ANDERS/PRINCIPIA-Story kann jedoch letztendlich nur die Recherche der Lebensgeschichte von ANDERS (besonders nach 1936) sein, bzw. die Suche nach Familie/Nachkommen. Erst wenn das gelingt, könnten wir eine Situation haben, in der diese kleine färöisch-deutsche Geschichte auch aktuell öffentlich auf beiden Seiten nutzbar gemacht werden kann.
Für diese ANDERS-Recherche fehlen allerdings derzeit noch Kontakte und/oder Ideen.
Zur Zeit liegt die Rostocker Adresse von 1934 vor.
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George



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BeitragVerfasst am: 15.06.2008 10:17    Titel: Antworten mit Zitat

Durch Vermittlung des Vorsitzenden des Tórshavner Taucher-Clubs sind wir nun in Kontakt mit Knúd Bjørk, der als erster zum Wrack der PRINCIPIA getaucht war:
Zitat:
Gott kvøld George
I will give you further information later. There is some video taken on the Wreck but I only got it in analog version, so I cant send it via internet.
I found The remains of Principia in 1971 and I had several dives there since, last time in 2006.
There is an article in Dimmalætting, I think November or December in 1995 with a picture of the ship.
You are wery velcome to contact mee again (...)
Knúd

Auch wenn meine Enkel das nicht glauben wollen, hat es eine Zeit gegeben, in der die Kameras kein Display auf der Rückseite hatten und Fotos nicht umgehend online zur Verfügung standen...! So geht es auch den meisten meiner Färöer-Fotos.
Ich freue mich sehr darüber, daß ein Anfang für diese Verbindung gelungen ist.
Wer sich ein eigenes Bild vom Tórshavnar Froskmannafelag machen möchte: http://www.kaving.fo
Dort gibt es neben vielem anderen viele alte Club-Magazine als pdf zum Durchblättern. Abgesehen von spannenden Themen (mit englischem summary von Anfang an!) finde ich alleine schon die alten Lokal-Anzeigen sehenswert.
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d.w.



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BeitragVerfasst am: 15.06.2008 20:38    Titel: Antworten mit Zitat

Havreki. (Upptikið.)

Var rómur mikil ì Havnini, og tá helst millum nýtingar. Hildi summir Havreka tilhoyrandi Breta stýri, summir týska; enn so var lakið, at umboðsmaður Breta tók við ráðið sum vón var. Hann kom henda dag til Kirkjuböar og mangir aðrir merkismenn við. Gongur síðan umboðsmaður á tal við Havreka og er hin orðsnjallasti. Fell so teirra fundur út, at umboðsmaður bjóðar hinum til Tórshavnar, tá hann er tess förur og lovar verða honum fyri forvitslu har.
Vappar mannafjöld um skálar ella flykkist í túni. Nú læknir kemur aftur til húsa á öðrum sinni, ber ein maður upp fyri mál, at roynt hevur verið at upplívga teir sjóriknu. Læknir svarar: Meiri hava menn tá gjört her, enn hvat eg gjördi við tann, ið ræk í Nólsoy. Eru líkini síðan borin í forkirkju og úrlatin har. Umboðsmaður ræð tá við búenda: Alla útgerð tær hövum veitt og veita mannarekum hegarkomnu, skulum tær skriva upp og flya mær. Tá fara mann heim.
Havreki segði sögu sína á henda hátt: Eg eri borin á Týsklandi, heitir Heinrick Anders. Snemma fór eg at sigla, valla 15 ára gamal. Móður eigi eg heima og systur, enn so hevur lagnin verið mær óblíð á sjónum, at aldrin hevur mær enn eydnast heim til jóla. Hetta var ferðin, ið til hevði borið, men nú verður alt av ongum. Vær lögdum út av Onglandi, 27 mannatali á dýrdar knörri. Konur og næstingar, á bryggjusporði stóðu, bóðu okkum væl at fara og heilar at koma aftur til jóla. Leiðin lag fyri Amerika. Aldan gjördist há og veður hart trí samdögur til enda; tá skakaðist farmur innanborða nakað, enn fekst aftur í lagi tó; mesti farmur var spjarra kippur. Mær var gangandi eftir bunka, tá eg varnist lítlari guvu, sum av tubbakssúu, upp úr bunkaloku. Styrimaður biður hyggja, hvat ið er. Gjördist tá brestur hvöllur, lokurnar brustu og login leikaði alt í einum hægsti siglutræð. Hesin tilgangur á miðjum skipi bra so brádliga við og vaks so í grimdarloga, at fremri menn ikki náddi aftur. Lupu teir á sund, enn flestir sjólótist. Ætlaðum vær at leita bjarging í bátinum, enn tveir brunnu og tveir brotnaðu av sjóarilsku.
Rak skipið leingi, hövuðsleiðvísarin var brendur og vær noyddumst fora eldi tað vær gótum. At enda komst skipið aftur til siglingar. Hetta var triðja kvöldið; rigningur var mikil og stormur, niðja var. Eg stoð við stýrið; skipari kemur og eg spyrji, hvört leingi skipið tolir eldin enn. Hann kvaðst tað samdögur at munna halda seg. Mann tá vera mítt ráð, at vær ikki siglum í nátt, sigi eg, enn biði hann ráða. Ei er tað til ráðar at taka, heldur skipari. Og vær siglum enn. Gerst nú mannaskifti við stýrið og eg gangi at skerstókki, stoðu har skipsmenn allir. Bóru okkum tá undarliga hvörvusjónir fyri: Tveir bátar, seks menn á hvörjum, sigldu javnsíðis okkum oig biðja koma, teir skulu bjarga oss. Sóum vær allir tessa sjónir. Er mær gangandi at lyftingi. Fer tá kilingur um meg allan og eg kenni við sjálvum mær, at nú ber á land. Tvær ferðir havi eg komist í deyðsváða.

Aus: Föringatíðindi, 7. Jahrg., Nr. 3 (6 Februar 1896), S.3.


Ein Schiffbrüchiger. (Aufgezeichnet.)

Es gab ein großes Gerede in Tórshavn, und damals vor allem unter denen, die so etwas ausschlachten. Einige meinten, der Schiffbrüchige gehöre zu England, andere, er gehöre zu Deutschland. Aber dann sickerte durch, dass der britische Konsul erwartungsgemäß die Initiative ergriff. Er kam an jenem Tag nach Kirkjubøur und mit ihm viele angesehene Männer. Daraufhin führte er ein Gespräch mit dem Schiffbrüchigen und dieser erwies sich als sehr sprachgewandt. Dann kamen sie zu dem Ergebnis, der Konsul solle ihn auffordern, nach Tórshavn zu kommen, sofern er dazu fähig sei, und für seine Klugheit wurde ihm dort Lob zuteil.
Eine Menschenmenge ging um das Haus herum oder sammelte sich auf dem Hof. Als der Arzt nun ein zweites Mal kam, erwähnte ein Mann, dass man alles versucht habe, die angeschwemm-ten Personen wiederzubeleben. Der Arzt antwortete: „Die Leute haben hier jetzt mehr getan, als ich mit demjenigen getan habe, der bei Nólsoy an Land getrieben wurde.“ Danach wurden die Leichen in die Vorhalle der Kirche gebracht und entkleidet. Der Konsul riet daraufhin den Einwohnern: Alles, was Ihr an Ausgaben für die hier angetriebenen Leichen gehabt habt oder habt, sollt Ihr aufschreiben und mir mitteilen. Darauf gingen die Leute nach Hause.

Der Schiffbrüchige erzählte seine Geschichte folgendermaßen:
„Ich bin in Deutschland geboren, heiße Heinrich Anders. Ich begann, früh zur See zu fahren, kaum 15 Jahre alt. Eine Mutter habe ich zu Hause und eine Schwester, aber dann ist mir das Schicksal auf See nicht wohlgesonnen gewesen, so dass ich niemals mehr zu Weihnachten nach Hause kommen konnte. Dies war die Reise, wo es möglich gewesen wäre, aber nun wird nichts daraus. Wir legten in England ab, zu 27 Mann auf einem ausgezeichneten Schiff. Frauen und Anverwandte standen am Rand des Kais und wünschten uns eine gute Reise und eine glückliche Heimkehr zu Weihnachten. Der Kurs ging Richtung Amerika. Es gab hohen Wellengang und das Wetter war drei volle Tage lang sehr schwer; dann verrutschte die Ladung an Bord etwas, aber wurde doch wieder in Ordnung gebracht; der größte Teil der Ladung bestand aus Lumpenbündeln.
Als ich gerade über das Schiffsdeck ging, bemerkte ich einen leichten Rauch, der wie Tabaksqualm aus einer Decksluke emporstieg. Der Steuermann bat, nachzusehen, was das sei. Da gab es einen lauten Knall, die Lukendeckel zerbrachen und auf einmal loderte das Feuer bis zur Spitze des Mastbaums hinauf. Dieses Ereignis mittschiffs geschah so schnell und es entwickelte sich ein so fürchterliches Flammenmeer, dass es den Männern weiter vorne im Bug nicht mehr gelang, das Heck zu erreichen. Sie sprangen von Bord, um sich schwimmend zu retten, aber die meisten ertranken. Wir beabsichtigten, sie mit dem Boot zu bergen, aber zwei Boote verbrannten, und zwei wurden von der schweren See zerschlagen.
Das Schiff trieb lange Zeit; der Hauptkompass war verbrannt und wir waren genötigt, das Feuer einzudämmen, so gut wir konnten. Schließlich kam das Schiff wieder in Fahrt. Das war am dritten Abend; es herrschten starker Regen und Sturm, der Mond war nicht zu sehen. Ich stand am Ruder. Der Skipper kam und ich fragte, wie lange das Schiff noch das Feuer aushalten könne. Er erklärte, es werde wohl noch 24 Stunden lang durchhalten. Da sagte ich, ich würde wohl raten, nicht nachts zu fahren, aber ich bitte ihn, einen Rat zu geben. Das käme nicht in Frage, meinte der Skipper. Und wir fuhren weiter. Nun kam die Ablösung am Ruder, und ich ging zum Dollbord am Heck, wo die ganze Mannschaft stand. Darauf erschienen uns wundersame Visionen: Zwei Boote, jedes mit sechs Mann, fuhren neben uns her und baten, heranzukommen, sie sollten uns retten. Wir alle sahen diese Erscheinungen. Als ich nun gerade zum erhöhten Teil des Hecks ging, da durchfuhr mich ein Schauer, und mir wurde bewusst, dass das Schiff jetzt auf Grund lief. Zweimal bin ich in Lebensgefahr geraten.“


Der färöische Originaltext dieses Zeitungsberichts ist in einem seltsam altertümelnden Färöisch geschrieben. Er verwendet Flexionsformen, Wörter und Redewendungen, die im heutigen Färöisch nicht mehr gebräuchlich sind. Das erschwert die Übersetzung. Deshalb musste ich mich bei der Übersetzung mehr auf meine Intuition verlassen, als mir eigentlich lieb war, und auch teilweise sehr frei übersetzen. Ich hoffe, trotzdem, den Inhalt einigermaßen richtig wiedergegeben zu haben.

Der Leser muss sich bewusst sein, dass er es hier nicht mit dem Originalbericht des Heinrich Anders zu tun hat, sondern mit der Wiedergabe seines Berichts durch einen färöischen Gewährsmann. Es wäre interessant, den originalen Wortlaut von Heinrich Anders Bericht zu erfahren. In welcher Sprache hat er berichtet? Auf Deutsch? Ich vermute, auf Englisch, da er auf einem englischen Schiff angeheuert hatte. Dass der Berichterstatter ihm „Sprachgewandtheit“ bescheinigt, könnte ein Indiz dafür sein.
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Christian Schöne



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BeitragVerfasst am: 15.06.2008 22:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ein sehr informativer Text; Dir Detlef herzlichen Dank für die Übersetzung!!
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d.w.



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BeitragVerfasst am: 15.06.2008 23:44    Titel: Antworten mit Zitat

Der Untergang der "Principia"

Bericht aus der Statistik des dänischen Innenministeriums über die im Jahre 1895 geschehenen Unglücke auf See

Nr. 179 „Principia“ aus Newcastle, Dampfschiff, 2749 Bruttoregistertonnen, Kapitän Stannard
Seeamtsverhandlung in Kirkjubøur am 27.11. und in Tórshavn am 26.11.1995

Laut Erklärung des einzigen Überlebenden der Besatzung der „Principia“, des Matrosen Heinrich Anders aus Rostock, wurde am 19.11., um 2.30 Uhr, als sich die „Principia“ - unterwegs von Dundee nach New York mit (einer Ladung von ) Lumpen, Papier und 100 Fässern Teer an Deck -
ca. 130 Seemeilen westlich von Schottland befand, auf dem Vordeck eine Ladeluke wie durch eine Explosion aufgesprengt, und gleichzeitig stand das Vordeck in Flammen. Von den acht Mann, die sich zu der Zeit im Mannschaftsraum befanden, sprangen sechs von Bord und versuchten, sich schwimmend auf das Achterdeck zu retten; aber nur zweien von ihnen gelang es. Es wurde sofort die Maschine gestopt und ein Boot ausgesetzt; aber das Bootsdavit brach, und ein weiterer Mann ertrank. Das gleiche Unglück geschah mit dem letzten Boot, das sich achtern befand, und die auf dem Vorschiff befindlichen Boote waren aufgrund des Feuers unzugänglich. Der Wind kam zu dem Zeitpunkt aus südwestlicher Richtung, und es herrschte starker Seegang. Der Fockmast ging kurz darauf über Bord und zog im Fallen die Spitze des Großmastes mit sich. Während die Besatzung vergeblich versuchte, das Feuer zu löschen, wurde mit halber Fahrt Kurs zurück nach Schottland gesetzt; aber um nicht das ganze Schiff den Flammen auszusetzen, musste der Kurs dem Wind angepasst werden. Von den vier Kompassen des Schiffes waren drei durch das Feuer zerstört. In der Nacht zum 21. lief die „Principia“ auf eine Schäre, vermutlich bei Søltuvík auf Sandoy, und sank kurz darauf. Der Rest der Besatzung, die ursprünglich aus 28 Mann, von einem Passagier abgesehen, bestand, kam um, mit Ausnahme des oben erwähnten Matrosen, der am 21., um 15.30 Uhr, auf einer Planke treibend, von einem färöischen Boot gefunden wurde. Unter den Umgekommenen befand sich ein Däne, Chefsteward N. Nielsen aus Kopenhagen.
Über die Ursache der Explosion konnte der gerette Matrose keine Angaben machen.

Anmerkung zur Übersetzung:
Der Wortlaut des dänischen Textes enthält einen Druckfehler. Statt „ ...inaatte Kursen lempes efter Vinden“ muss es richtig heißen „... maatte Kursen lempes efter Vinden“.
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George



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BeitragVerfasst am: 16.06.2008 12:32    Titel: Antworten mit Zitat

Es ist immer wieder erstaunlich zu erleben, wie schnell hier im Forum gearbeitet wird! Ganz großer Respekt!
Seit zwei Jahren gibt es übrigens auch diese Seite:
http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%B8ltuv%C3%ADk

Ich bin bei mir wiederum erstaunt über eine partielle "Blindheit" beim Lesen von Unterlagen, die mir z.T. jahrelang bekannt waren, wie z.B. die "Saga-Map". Dort bin ich im Text zu Sandoy nie wirklich über die folgende Passage gestolpert:
http://www.visit-faroeislands.com/ew/media/Files/pdf.files/saga-map_GB.pdf
Zitat:
Søltuvík
The largest ship to be lost near the Faroe Islands is the Principia. The 3,000-tonne vessel from England ran aground at Stóraboða outside Søltuvík on 21st November 1895 and sank almost immediately. Only one of the 28 men onboard survived the wreck by climbing onto one of the cargo hatches. The current carried him a long way north, north of Trøllhøvdi in the fjord Hestfjørður and finally over towards Gamlarætt,
where a man saw him. After spending 14 hours in the storm he was rescued and put to bed at the house of the farmer Jóannes Patursson in Kirkjubøur.

Nach dieser Angabe wurde ANDERS praktisch im Uhrzeigersinn einmal um Sandoy getrieben; 14 Stunden im November-kalten Wasser...
Søltuvík liegt auf der Ostseite von Sandoy, Gamlarætt ist der große Fährhafen in der Nähe von Kirkjubøur.

Als weiteres Beispiel:
http://www.eli.fo/Fr%EDmerkir.html
Zitat:
Á vestursíðuni á Sandoynni um 4-5 km vestan fyri Sands bygd er ein lítil vík, sum eitur Søltuvík. Har hava menn av Sandi lagt trøð inn fyri hundrað árum síðani. Koyrivegur er til víkina, sum er sera náttúruvøkur. Víkin er avbyrgd av einum skergarði, so ikki slepst inn á hana uttan við lítlum báti í besta veðri. Í ódnarveðri í november 1895 rak eitt bretskt dampskip, um 3000 tons stórt, á henda skergarð og sakk. Av manningini og ferðandi umborð bjargaðist bert ein maður. Hann slapp uppá eina lastalúku og rak við streyminum, til hann fjúrtan tímar seinri varð bjargaður á land í Kirkjubø. Lastalúkan verður nýtt sum borðpláta í roykstovuni í Kirkjubø. Á frímerkinum sæst brim í Søltuvík og í baksýni ein spískur drangur, sum gjørdist leysur úr oynni eftir eitt øgiligt omanlop í 1939.

Möglicherweise hat erst die Erwähnung des "deutschen" Schiffbrüchigen im Kirkjubøur-Text die grauen Zellen aktiviert...
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d.w.



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BeitragVerfasst am: 16.06.2008 16:48    Titel: Antworten mit Zitat

Wer den von George zitierten färöischen Text über Søltuvík aus www.eli.fo nicht verstehen kann, braucht nur auf den weiter oben angegebenen „link“ zu der Wikipedia-Seite über Søltuvík zu gehen. Der Bearbeiter dort (nehme mal an, wir kennen ihn alle aus unserem Forum) hat in seiner Beschreibung den färöischen Text inhaltlich ziemlich genau wiedergegeben. Zu ergänzen wäre nur, dass es im färöischen Text auch noch heißt, dass der Fahrweg nach Søltuvík „naturschön“ sei. Also sollte man sich das bei nächster Gelegenheit mal ansehen.
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Arne



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BeitragVerfasst am: 16.06.2008 17:18    Titel: Antworten mit Zitat

Der Text auf der Homepage des Künstlers Eli Smith ist identisch mit dem des Postverk Føroya zur Briefmarkenausgabe "Sandoy" vom 18. September 2006. Geschrieben wurde er von Ólavur Clementsen.

http://www.stamps.fo/default.asp?catalog%5Fname=Frim%E6rker&category%5Fname=&product%5Fid=FO%2D568%2D575 (der Name wird dort nicht genannt, steht aber bei der gedruckten Ausgabe der Ankündigung)

Der Wikipedia-Artikel ist davon abgeschrieben. Very Happy
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George



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BeitragVerfasst am: 16.06.2008 18:15    Titel: Antworten mit Zitat

George hat Folgendes geschrieben:
Søltuvík liegt auf der Ostseite von Sandoy

Diesmal habe ich meinen Fehler selbst gefunden: Søltuvík liegt natürlich immer noch an der Südwest-Ecke von Sandoy. Sorry. Das reduziert die Driftstrecke auf "halb um Sandoy", die wahrscheinlich grauenvollen 14 Stunden bleiben.

Wer die Küste dort kennt: Der Atlantik-Seegang brettert aus der Hauptwetter-Richtung ungebremst herein. Gleich rechter Hand vom Hafen der kleinen Skuvoy-Fähre Sildberin finden sich atemberaubende Felsbuchten mit Riesengeröll, in denen es nur so donnert. Ich kenne wenig Ecken, wo Kajakfahrer so repektvoll Abstand halten.
Nicht umsonst war Søltuvík erste Wahl bei der Auswahl einer energiereichen Gegend für ein Wellenenergie-Kraftwerk:
http://www.sewave.fo/Default.asp?sida=1287
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u.k.



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BeitragVerfasst am: 17.06.2008 19:24    Titel: Vierzig Jahre nach der wundersamen Rettung Antworten mit Zitat

des Matrosen Heinrich ANDERS aus Rostock schrieb dieser einen Brief an den englischen Konsul in Tórshavn, Valdemar LÜTZEN, um sich für die Rettung nach dem Untergang der "PRINCIPIA" 1895 zu bedanken und Grüsse ausrichten zu lassen.

Die Zeitung Dimmalætting brachte danach am 28. Dezember 1935 einen Artikel, der mit F.M.H. unterzeichnet war: "EIN UNDURFULL BJARGING. Eftir matrós Heinrich Anders úr Rostock". Hier schildert der Gerettete umfangreicher als in den färöischen und englischen Zeitschriften- bzw. Zeitungsberichten das Schiffsunglück und seine eigene Rettung. Wir erfahren hier z.B., dass sich nach dem Unglück anfangs noch ein anderer Seemann (oder der einzige Passagier) an der Planke festgehalten hat.

Nur wenige Wochen später hat Joen Joensen á Skælingi in der Zeitschrift Varðin 16. Jahrgang, Heft 1-2, nochmals ausführlich die Rettungsaktion aus der Sicht der sechs (namentlich bekannten) Retter bzw. des Entdeckers des Schiffbrüchigen geschildert (S. 36-39). Es werden zahlreiche weitere Einzelheiten genannt (Name des Arztes etc.). Der Artikel aus Dimma wurde im Anschluss nachgedruckt (S. 39-42).

Wahrscheinlich bekam Heinrich Anders daraufhin 1936 die Gelegenheit, die Färöer zu besuchen. Ein Mann dieses Namens mit der Berufsbezeichnung Matrose findet sich in den dreißiger Jahren noch im Rostocker Adressbuch (1934), 1943 allerdings nicht mehr.

Die gedruckte Ausgabe des Inhaltsverzeichnisses der Zeitschrift Vardin hat auch ein Sachregister. Es gibt mehrere Aufsätze zu Schiffsunglücken etc. (teilweise von bekannten Autoren, die zur färöischen Seefahrt publiziert haben). Einen weiteren zum Untergang der PRINCIPIA habe ich dort nicht finden können.


Zuletzt bearbeitet von u.k. am 28.03.2009 10:54, insgesamt 2-mal bearbeitet
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d.w.



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BeitragVerfasst am: 17.06.2008 21:40    Titel: Antworten mit Zitat

Arne hat Folgendes geschrieben:
Der Wikipedia-Artikel ist davon abgeschrieben. Very Happy


Hätte ich auch gemacht, Arne. Man muss ja das Rad nicht jedes Mal, wenn man eins braucht, selbst erst neu erfinden.
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d.w.



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BeitragVerfasst am: 18.06.2008 16:13    Titel: Antworten mit Zitat

Der unermüdliche George hat mich freundlicherweise darauf aufmerksam, gemacht, dass ich am 15.06 bei meiner Eingabe des Berichts aus der Føringatíðindi vom 6. Februar 1896 über den schiffbrüchigen Heinrich Anders ins Forum die letzten zweieinhalb Zeilen unterschlagen habe. Die stehen nämlich in der Zeitung auf der folgenden Seite.
Leider kann ich meinen Forumsbeitrag vom 15.06 jetzt nicht mehr redigieren. Da Nachträge – und zumal an anderer Stelle – immer misslich sind, stelle ich hier den gesamten Text, aber jetzt mit den vorher ausgelassenen Zeilen, im Original und in Übersetzung noch einmal ins Forum.

Die beiden vorher unterschlagenen Zeilen sind nicht ganz uninteressant. Sie zeigen, dass Heinrich Anders - falls man seinen Aussagen trauen darf - so etwas wie eine visionäre Begabung hatte. Derartiges war gewiss für nicht wenige färöische Hörer und Leser sehr interessant. Das Thema des "Zweiten Gesichts" und dergleichen hat auf den Färöern immer eine große Rolle gespielt. Das wirkt noch heute nach. Nicht von ungefähr haben die beiden Färinger Erling Poulsen und Torkil Beder 1995 ein einschlägiges Buch mit dem Titel „Mangt er millum himmal og jørð“ (Viel gibt es zwischen Himmel und Erde) veröffentlicht. Übrigens mit Zeichnungen von Edward Fuglø. Die beiden Verfasser kennen offenbar ihren „Hamlet“. Das Buch erlebte sogar zwei Auflagen mit zusammen viertausend Exemplaren (!). Kein Wunder, dass Erling Poulsen im Jahre 2000 noch einen zweiten Band nachschob, „Meiri er millum himmal og jørd“ (etwas frei übersetzt: Zwischen Himmel und Erde gibt’s noch mehr). Auch diesmal wieder mit Zeichnungen von Edward Fuglø.

Havreki. (Upptikið.)

Var rómur mikil ì Havnini, og tá helst millum nýtingar. Hildi summir Havreka tilhoyrandi Breta stýri, summir týska; enn so var lakið, at umboðsmaður Breta tók við ráðið sum vón var. Hann kom henda dag til Kirkjuböar og mangir aðrir merkismenn við. Gongur síðan umboðsmaður á tal við Havreka og er hin orðsnjallasti. Fell so teirra fundur út, at umboðsmaður bjóðar hinum til Tórshavnar, tá hann er tess förur og lovar verða honum fyri forvitslu har.
Vappar mannafjöld um skálar ella flykkist í túni. Nú læknir kemur aftur til húsa á öðrum sinni, ber ein maður upp fyri mál, at roynt hevur verið at upplívga teir sjóriknu. Læknir svarar: Meiri hava menn tá gjört her, enn hvat eg gjördi við tann, ið ræk í Nólsoy. Eru líkini síðan borin í forkirkju og úrlatin har. Umboðsmaður ræð tá við búenda: Alla útgerð tær hövum veitt og veita mannarekum hegarkomnu, skulum tær skriva upp og flya mær. Tá fara mann heim.
Havreki segði sögu sína á henda hátt: Eg eri borin á Týsklandi, heitir Heinrick Anders. Snemma fór eg at sigla, valla 15 ára gamal. Móður eigi eg heima og systur, enn so hevur lagnin verið mær óblíð á sjónum, at aldrin hevur mær enn eydnast heim til jóla. Hetta var ferðin, ið til hevði borið, men nú verður alt av ongum. Vær lögdum út av Onglandi, 27 mannatali á dýrdar knörri. Konur og næstingar, á bryggjusporði stóðu, bóðu okkum væl at fara og heilar at koma aftur til jóla. Leiðin lag fyri Amerika. Aldan gjördist há og veður hart trí samdögur til enda; tá skakaðist farmur innanborða nakað, enn fekst aftur í lagi tó; mesti farmur var spjarra kippur. Mær var gangandi eftir bunka, tá eg varnist lítlari guvu, sum av tubbakssúu, upp úr bunkaloku. Styrimaður biður hyggja, hvat ið er. Gjördist tá brestur hvöllur, lokurnar brustu og login leikaði alt í einum hægsti siglutræð. Hesin tilgangur á miðjum skipi bra so brádliga við og vaks so í grimdarloga, at fremri menn ikki náddi aftur. Lupu teir á sund, enn flestir sjólótist. Ætlaðum vær at leita bjarging í bátinum, enn tveir brunnu og tveir brotnaðu av sjóarilsku.
Rak skipið leingi, hövuðsleiðvísarin var brendur og vær noyddumst fora eldi tað vær gótum. At enda komst skipið aftur til siglingar. Hetta var triðja kvöldið; rigningur var mikil og stormur, niðja var. Eg stoð við stýrið; skipari kemur og eg spyrji, hvört leingi skipið tolir eldin enn. Hann kvaðst tað samdögur at munna halda seg. Mann tá vera mítt ráð, at vær ikki siglum í nátt, sigi eg, enn biði hann ráða. Ei er tað til ráðar at taka, heldur skipari. Og vær siglum enn. Gerst nú mannaskifti við stýrið og eg gangi at skerstókki, stoðu har skipsmenn allir. Bóru okkum tá undarliga hvörvusjónir fyri: Tveir bátar, seks menn á hvörjum, sigldu javnsíðis okkum oig biðja koma, teir skulu bjarga oss. Sóum vær allir tessa sjónir. Er mær gangandi at lyftingi. Fer tá kilingur um meg allan og eg kenni við sjálvum mær, at nú ber á land. Tvær ferðir havi eg komist í deyðsváða aður, og báðar ferðir barst mær hetta fyri. Líður tá um lítla stund og skipið rennur á flúr. (Niðurlagt.)

Aus: Föringatíðindi, 7. Jahrg., Nr. 3 (6 Februar 1896), S.3f.


Ein Schiffbrüchiger. (Aufgezeichnet.)

Es gab ein großes Gerede in Tórshavn, und damals vor allem unter denen, die so etwas ausschlachten. Einige meinten, der Schiffbrüchige gehöre zu England, andere, er gehöre zu Deutschland. Aber dann sickerte durch, dass der britische Konsul erwartungsgemäß die Initiative ergriff. Er kam an jenem Tag nach Kirkjubøur und mit ihm viele angesehene Männer. Daraufhin führte er ein Gespräch mit dem Schiffbrüchigen und dieser erwies sich als sehr sprachgewandt. Dann kamen sie zu dem Ergebnis, der Konsul solle ihn auffordern, nach Tórshavn zu kommen, sofern er dazu fähig sei, und für seine Klugheit wurde ihm dort Lob zuteil.
Eine Menschenmenge ging um das Haus herum oder sammelte sich auf dem Hof. Als der Arzt nun ein zweites Mal kam, erwähnte ein Mann, dass man alles versucht habe, die angeschwemm-ten Personen wiederzubeleben. Der Arzt antwortete: „Die Leute haben hier jetzt mehr getan, als ich mit demjenigen getan habe, der bei Nólsoy an Land getrieben wurde.“ Danach wurden die Leichen in die Vorhalle der Kirche gebracht und entkleidet. Der Konsul riet daraufhin den Einwohnern: Alles, was Ihr an Ausgaben für die hier angetriebenen Leichen gehabt habt oder habt, sollt Ihr aufschreiben und mir mitteilen. Darauf gingen die Leute nach Hause.

Der Schiffbrüchige erzählte seine Geschichte folgendermaßen:
„Ich bin in Deutschland geboren, heiße Heinrich Anders. Ich begann, früh zur See zu fahren, kaum 15 Jahre alt. Eine Mutter habe ich zu Hause und eine Schwester, aber dann ist mir das Schicksal auf See nicht wohlgesonnen gewesen, so dass ich niemals mehr zu Weihnachten nach Hause kommen konnte. Dies war die Reise, wo es möglich gewesen wäre, aber nun wird nichts daraus. Wir legten in England ab, zu 27 Mann auf einem ausgezeichneten Schiff. Frauen und Anverwandte standen am Rand des Kais und wünschten uns eine gute Reise und eine glückliche Heimkehr zu Weihnachten. Der Kurs ging Richtung Amerika. Es gab hohen Wellengang und das Wetter war drei volle Tage lang sehr schwer; dann verrutschte die Ladung an Bord etwas, aber wurde doch wieder in Ordnung gebracht; der größte Teil der Ladung bestand aus Lumpenbündeln.
Als ich gerade über das Schiffsdeck ging, bemerkte ich einen leichten Rauch, der wie Tabaksqualm aus einer Decksluke emporstieg. Der Steuermann bat, nachzusehen, was das sei. Da gab es einen lauten Knall, die Lukendeckel zerbrachen und auf einmal loderte das Feuer bis zur Spitze des Mastbaums hinauf. Dieses Ereignis mittschiffs geschah so schnell und es entwickelte sich ein so fürchterliches Flammenmeer, dass es den Männern weiter vorne im Bug nicht mehr gelang, das Heck zu erreichen. Sie sprangen von Bord, um sich schwimmend zu retten, aber die meisten ertranken. Wir beabsichtigten, sie mit dem Boot zu bergen, aber zwei Boote verbrannten, und zwei wurden von der schweren See zerschlagen.
Das Schiff trieb lange Zeit; der Hauptkompass war verbrannt und wir waren genötigt, das Feuer einzudämmen, so gut wir konnten. Schließlich kam das Schiff wieder in Fahrt. Das war am dritten Abend; es herrschten starker Regen und Sturm, der Mond war nicht zu sehen. Ich stand am Ruder. Der Skipper kam und ich fragte, wie lange das Schiff noch das Feuer aushalten könne. Er erklärte, es werde wohl noch 24 Stunden lang durchhalten. Da sagte ich, ich würde wohl raten, nicht nachts zu fahren, aber ich bitte ihn, einen Rat zu geben. Das käme nicht in Frage, meinte der Skipper. Und wir fuhren weiter. Nun kam die Ablösung am Ruder, und ich ging zum Dollbord am Heck, wo die ganze Mannschaft stand. Darauf erschienen uns wundersame Visionen: Zwei Boote, jedes mit sechs Mann, fuhren neben uns her und baten, heranzukommen, sie sollten uns retten. Wir alle sahen diese Erscheinungen. Als ich nun gerade zum erhöhten Teil des Hecks ging, da durchfuhr mich ein Schauer, und mir wurde bewusst, dass das Schiff jetzt auf Grund lief. Zweimal bin ich früher in Lebensgefahr geraten, und beide Male habe ich das vorausgeahnt. Es verging dann nur eine ganz kurze Zeit, und das Schiff lief auf eine Schäre, die über Wasser nicht sichtbar war.“ (Beendet.)

Der färöische Originaltext dieses Zeitungsberichts ist in einem seltsam altertümelnden Färöisch geschrieben. Er verwendet Flexionsformen, Wörter und Redewendungen, die im heutigen Färöisch nicht mehr gebräuchlich sind. Das erschwert die Übersetzung. Deshalb musste ich mich bei der Übersetzung mehr auf meine Intuition verlassen, als mir eigentlich lieb war, und auch teilweise sehr frei übersetzen. Ich hoffe, trotzdem, den Inhalt einigermaßen richtig wiedergegeben zu haben.

Der Leser muss sich bewusst sein, dass er es hier nicht mit dem Originalbericht des Heinrich Anders zu tun hat, sondern mit der Wiedergabe seines Berichts durch einen färöischen Gewährsmann. Es wäre interessant, den originalen Wortlaut von Heinrich Anders Bericht zu erfahren. In welcher Sprache hat er berichtet? Auf Deutsch? Ich vermute, auf Englisch, da er auf einem englischen Schiff angeheuert hatte. Dass der Berichterstatter ihm „Sprachgewandtheit“ bescheinigt, könnte ein Indiz dafür sein.
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u.k.



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BeitragVerfasst am: 18.06.2008 19:19    Titel: Adresse von Heinrich ANDERS, Seemann, 1938 Antworten mit Zitat

Lt. ROSTOCKER ADRESS-BUCH (Einwohnerbuch) 74. Jg. 1939, S. 66 (Namensverzeichnis)

ANDERS, Heinrich, Seemann, ROSTOCK, Kleine Lastadie I (es gab auch eine II. und eine Große L. in der Neustadt), (Haus) Nr. 3

Nach dem Straßenverzeichnis S. 154 war er Eigentümer des Hauses, in dem außer ihm noch zwei Witwen lebten.

Im Adreßbuch von 1943 (ohne Straßenverzeichnis erschienen) ist er nicht mehr verzeichnet. Die Gegend wurde im zweiten Weltkieg stark zerstört.

LASTADIE = Ballaststelle oder Schiffswerft. Die kurze Straße lag nahe beim Kohlenkai bzw. den Lagerplätzen am Hafen.
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